Wildberries in Russland: Warum die Ukraine Russlands größten Onlinehändler attackiert
Warum greift die Ukraine das »russische Amazon« an? In sozialen Medien werden seit einiger Zeit Bilder und Videos geteilt, die zeigen, wie Lagerhäuser vom Online-Marktplatz »Wildberries« brennen oder zerstört sind. Und das betrifft viele Menschen in Russland: Christina Hebel, SPIEGEL: »Das Unternehmen mit dem pink lilanen Logo – ist überall, auch in Moskau vertreten. Allein hier in meiner Region, in meinem Viertel, sind es sechs dieser Abholpunkte. Und fast jeder Russe und jede Russin bestellen hier alles, was es braucht zum Leben: Zahnpasta, Toilettenpapier, Kleidung.« Etwa die Hälfte des Onlinehandels in Russland läuft über Wildberries. Und in weniger als zwei Wochen hat die Ukraine schon 16 Logistikzentren des Unternehmens attackiert – mit Schäden in Milliardenhöhe. Christina Hebel, SPIEGEL: »All das kostet sehr viel Geld und Wildberries hat jetzt einfach kein Geld, um die Verkäufer für ihre verbrannten Waren zu entschädigen. Das sorgt für Unmut. Wir haben hier in den sozialen Medien unzählige Videos schon gesehen, auf Instagram, auf Telegram, wie Verkäuferinnen und Verkäufer weinend sagen, sie hätten alles verloren und sie wüssten nicht, wie es weitergeht.« Inna Marchenko, Verkäuferin: »Ich habe mein Konto geöffnet und festgestellt, dass alles zerstört worden war. Ich habe mich hingesetzt und bin in Tränen ausgebrochen.« Anna Starostina, Verkäuferin: »Ich rechne gar nicht erst mit einer Entschädigung, weil ich nicht enttäuscht werden möchte. Natürlich würde ich mir eine Form der Entschädigung wünschen.« Christina Hebel, SPIEGEL: »Sie haben das getan an einige wenige Tausende, zehntausende kleinere Unternehmen, die über die Plattformen ihre Waren verkauft haben. Aber das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.« Also warum macht die Ukraine das? Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass sie Infrastruktur zerstören wollen, die wichtig für die Kriegsausrüstung ist. Christina Hebel, SPIEGEL: »Und in der Tat, man kann auf Wildberries zum Beispiel Helme kaufen, was Soldaten auch machen, oder aber auch sogenannte Dual-Use-Güter. Das sind hier zum Beispiel Glasfaserrollen, die für Drohnen gebraucht werden können, die eben halt auch im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden. Allerdings sagen Experten, dass der Anteil dieser Waren, die für den Krieg genutzt werden können, klein ist im Vergleich zu den anderen zivil genutzten Waren.« Also will die Ukraine mit den Wildberries-Attacken wohl mehr bezwecken, als den Russen den Zahnpastakauf oder die Militärausstattung zu erschweren: