Wildberries: Russen-Amazon brennt! Putin droht Pleite-Welle
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Moskau – Brennende Lager, zerstörte Waren und milliardenschwere Verluste: Beim russischen Amazon-Pendant Wildberries wächst der Druck. Seit Mitte Juli wurden nach Berichten rund 20 Logistikzentren des Konzerns von ukrainischen Drohnen getroffen, mindestens 14 davon gingen in Flammen auf. Die Folgen gehen weit über die zerstörten Hallen hinaus. Branchenquellen schätzen die direkten Verluste von Wildberries auf bis zu 2 Milliarden Euro. Gleichzeitig soll das Unternehmen bereits Ende 2025 Verbindlichkeiten von mehr als 13 Milliarden Euro gehabt haben. Händler der Plattform verloren laut Schätzungen zudem Waren im Gesamtwert von bis zu 28 Milliarden Euro. Mehr als 400.000 Verkäufer sollen betroffen sein. Viele sollen bis zu 90 Prozent ihres Warenbestands verloren haben. Händler bleiben auf Schulden sitzen Doch das ist nicht das einzige Problem der Händler: Viele „haben Waren mit Fremdkapital (Schulden) gekauft, die Waren wurden vernichtet und die erwarteten Einnahmen damit auch – ihre Kreditrückzahlungen, Mieten, Löhne und Steuerverpflichtungen jedoch nicht“, erklärt Russland-Ökonom Benjamin Hilgenstock. Das bedeutet: Die Ware ist weg, die Schulden bleiben! Eine „Welle von Insolvenzen unter den betroffenen kleinen und mittleren Unternehmen“ sei deshalb „ein realistisches Risiko“, so Hilgenstock zu BILD. Brennende Lager führen zu steigenden Preisen Doch die brennenden Lager wirken sich auch auf Russlands Inflation aus: „In Regionen, in denen Wildberries eine zentrale Rolle in der Handelsinfrastruktur spielt, führen Lieferengpässe zu steigenden Preisen und heizen die Inflation weiter an“, erklärt der Russland-Experte Michael Rochlitz (45) gegenüber BILD. Damit könne „die Zentralbank die Zinsen langsamer senken als geplant, was Investitionen bremst“. Denn je hartnäckiger die Inflation bleibt, desto vorsichtiger muss die Zentralbank bei Zinssenkungen sein – hohe Zinsen verteuern Kredite und bremsen Investitionen. „Ein Systemkollaps ist das nicht, aber der wirtschaftspolitische Spielraum wird weiter kleiner“, so Rochlitz zu BILD. Heißt: Russland kann die Wirtschaft schwerer mit niedrigeren Zinsen ankurbeln. Noch ist ein Wildberries-Effekt in den offiziellen Inflationsdaten nicht erkennbar: Die Jahresinflation sank zuletzt sogar leicht von 6,02 auf 5,98 Prozent. Die aktuellen Zahlen widersprechen der These jedoch nicht, da die Angriffe erst Mitte Juli begannen. Deshalb könnte ein möglicher Preisschub durch zerstörte Waren und gestörte Lieferketten erst in den kommenden Monaten sichtbar werden.