Windkraft in den USA: Wie ein deutscher Energiekonzern Trumps Klimawahn stützt
Es gibt eine englische Formulierung, die lautet »eat your words«. Auf Deutsch sagt man eher »kleinlaut zurückrudern«, aber die direkte Übersetzung trifft den Sachverhalt, um den es hier geht, deutlich besser. Seine eigenen Worte aufessen: Genau das tut gerade Markus Krebber, der CEO von RWE. Und daran sollte man ihn in den kommenden Monaten erinnern, immer wenn er oder sein Unternehmen mal wieder was zum Klimaschutz schreibt. Also so Sätze wie »Klimawandel ist eine zentrale Herausforderung unserer Zeit. Steigende Temperaturen, extreme Wetterereignisse und wachsende Klimakrisen erfordern entschlossenes Handeln.« RWE hat sich den Klimaschutz ganz einfach abkaufen lassen RWE und sein CEO haben solche Sätze in Varianten in der jüngeren Vergangenheit immer mal wieder veröffentlicht. Es klang nach einem Unternehmen mit einem Chef, dem es nicht nur um Aktienkurs und Bonus geht, sondern auch um uns und die Welt. Einer, der Ökologie und Ökonomie wenigstens halbwegs versöhnen will und deswegen weitsichtig denkt. Die Nachricht, die nun aus den USA kommt, passt dazu allerdings wie die Mikrowelle ins Schlafzimmer. Denn dort hat sich RWE den Klimaschutz ganz einfach abkaufen lassen. 1,2 Milliarden Dollar bekommt der Energiekonzern von der US-Regierung dafür, dass er Pachtverträge für Windradflächen aufgibt. Doch damit noch nicht genug. RWE wird in den USA stattdessen in fossile Energien investieren. Statt in Windräder, die sich vor den Küsten von New York, Kalifornien und Louisiana drehen sollten, geht Geld in fossile Energieprojekte. Allein 900 Millionen Dollar in ein LNG-Projekt, und dann will RWE sich auch noch für 300 Millionen Dollar Turbinenkapazitäten für 15 geplante Gaskraftwerke sichern. Ist das Zynismus? Zukunftsvergessenheit? Gier? Oder gibt es doch ein überzeugendes Argument, das für die Entscheidung spricht? RWE begründet seine Entscheidung gegen die Windenergie folgendermaßen: »Nach sorgfältiger Prüfung wurde festgestellt, dass es in Zukunft keinen Weg gibt, diese Projekte in den USA genehmigen zu lassen.« Der Satz klingt bedauernd und so, als ob es da eine schwere, aber unvermeidliche Entscheidung gegeben hätte. Aber war die Sache wirklich ausweglos? Ja, es stimmt, dass RWE, so wie auch andere Unternehmen, die Geld mit erneuerbarem Strom verdienen wollen, massivem Druck aus dem Weißen Haus ausgesetzt ist. Und tatsächlich ist RWE auch nicht der erste Konzern, der sich vor die Wahl zwischen Peitsche und Zuckerbrot gestellt sah, und sich für Letzteres entschieden hat. Fast vier Milliarden Dollar hat Trump bereits anderen Unternehmen bezahlt, damit sie KEINE Windräder bauen. Nur, alternativlos war die Entscheidung von RWE eben auch nicht. Vielleicht hätte RWE nur ein Weilchen warten müssen Es gibt Unternehmen, die gegen den Druck aus dem Weißen Haus vor Gericht gezogen sind. Beispielsweise hat Dominion Energy gegen den Baustopp von Coastal Virginia Offshore Wind geklagt. Oder das norwegische Unternehmen Equinor gegen den Baustopp von Empire Wind vor New York. Sicher, Klagen ist in den USA teuer. Aber ist RWE so knapp bei Kasse? Und vielleicht hätte es auch nur ein Weilchen warten müssen. Die Amtszeit von Donald Trump endet in zweieinhalb Jahren, und es ist nicht in Stein gemeißelt, dass der folgende Präsident den Feldzug gegen die Erneuerbaren fortsetzen wird. Nicht mal dann, wenn es wieder ein Republikaner werden sollte – schließlich werden auch die USA immer häufiger von Hitze und Wassermangel heimgesucht. So viel Geduld könnte ein Unternehmen wie RWE, das Investitionen über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte plant, schon haben. Was also treibt Krebber und seine Crew? Klar, die Rendite. Das ist leider die ganze Antwort, kurz und knapp. RWE ist ein börsennotiertes Unternehmen, und die Entscheidung wird die RWE-Aktionäre freuen, schließlich bringt sie in naher Zukunft Geld in die Kassen.