Windkraftbetrüger Holt in Dubai gefasst: Wie geht es jetzt weiter?
Hendrik Holt in Dubai gefasst: Wie geht es jetzt weiter?
Stand: 24.09.2026 15:27 Uhr
Nach der Festnahme des geflohenen emsländischen Windkraft-Betrügers Hendrik Holt in Dubai ist offen, ob er ausgeliefert wird. Die Flucht war mit seinem Reisepass möglich. Falls ja, wird er wohl Haftprivilegien verlieren.
"Die deutschen Behörden stellen jetzt ein Auslieferungsersuchen an die Vereinigten Arabischen Emirate", sagte Martin Schanz von der Osnabrücker Staatsanwaltschaft am Donnerstag dem NDR Niedersachsen. Das Ersuchen erfolge auf dem diplomatischen Weg. Das kürzlich unterzeichnete Rechtshilfeabkommen zwischen Deutschland und den Emiraten beinhaltet keine Auslieferungen. Es komme bei Holt also auf eine Einzelfallprüfung an, so Schanz. Ob und wann er überstellt werde, lasse sich nicht genau vorhersehen.
Bei Überstellung erwartet Holt geschlossener Vollzug
Im Fall einer "Überstellung dürfte damit zu rechnen sein, dass er damit in den geschlossenen Vollzug kommen wird", sagte Staatsanwalt Schanz weiter. Holt, der wegen Betrugs mit erfundenen Windkraftprojekten eine siebeneinhalbjährige Freiheitsstrafe verbüßt, hatte sich Ende August während eines Freigangs aus dem offenen Vollzug in Berlin abgesetzt. Zwar seien diese Regelungen Ländersache, doch sähen diese üblicherweise vor, dass jemand bei Anhaltspunkten für eine Flucht nicht mehr in den offenen Vollzug kommt. Holts Freiheitsstrafe endet im Herbst 2028.
Social-Media-Grüße aus Moskau waren Finte
Wegen der Flucht selbst erwartet Holt keine weitere Anklage, denn diese ist in Deutschland nicht strafbar. Es werde allerdings ermittelt, ob der 36-Jährige während dieser Zeit Straftaten begangen habe, erklärte Schanz. Auf die Spur Holts seien deutsche Ermittler gekommen. Der Haselünner hatte zwar nach seinem Abtauchen über soziale Medien verbreitet, dass er sich in Moskau aufhalte, die Staatsanwaltschaft habe aber gewusst, dass er in den Vereinigten Arabischen Emiraten sei. Nach NDR Informationen war Holt zunächst über Polen und die Türkei nach Dubai geflohen.
Holt floh mit eigenem Reisepass
Holts Ausreise war laut Staatsanwaltschaft Osnabrück mit dessen eigenem Reisepass möglich. Eine Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Justiz sagte dem NDR Niedersachsen, dass bei Holts Verhaftung lediglich der Personalausweis eingezogen worden sei. Der sei ihm auch bei Freigängen nicht ausgehändigt worden. "Üblich ist, dass bei der Verhaftung ein Identifikationsdokument eingezogen wird, in dem Fall eben der Personalausweis", so die Sprecherin.
Holt wegen erfundener Windparkprojekte in Haft
Hendrik Holt war im Mai 2022 vom Landgericht Osnabrück unter anderem wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs zu sieben Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hatte zusammen mit einem Geschäftspartner und Familienmitgliedern internationalen Energiekonzernen erfundene Windparkprojekte verkauft. In der ARD-Doku "Holt - Der Windkraft-Schwindler" wurde der Fall nacherzählt. Auch Hendrik Holt kam darin zu Wort.
Flughafen-Deal aus offenem Vollzug eingefädelt?
Holt soll auch mit dem Verkauf des Regionalflughafens Rostock-Laage in Verbindung stehen. Laut Medienberichten hat er den Flughafen-Deal im vergangenen Jahr aus dem offenen Vollzug heraus über Mittelsmänner eingefädelt. Die heutige Betreiberin des Flughafens und Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft "Crisp Partners", Ira Lauth, bestreitet eine offizielle Geschäftsbeziehung.