Wir denken oft, dass Einsamkeit daher rührt, dass niemand um uns herum ist, aber laut einer Harvard-Studie besteht wahre Einsamkeit darin, niemanden zu haben, der einen wirklich kennt.
Wie wichtig soziale Beziehungen für unser Wohlbefinden sind, untersucht die Harvard Study of Adult Development bereits seit 1938. Ihre Langzeitdaten zeigen: Gute Beziehungen hängen eng mit Gesundheit und Wohlbefinden zusammen. Doch auch wer sozial gut eingebunden scheint, etwa einen großen Freundes- und Bekanntenkreis hat oder in einer Beziehung ist, kann sich einsam fühlen.
Alleinsein und Einsamkeit sind nicht dasselbe
Schließlich lässt sich eine gute soziale Einbindung nicht allein an der Zahl der Kontakte festmachen.
Wissenschaftlich wird zwischen sozialer Isolation und Einsamkeit unterschieden: Soziale Isolation beschreibt einen objektiven Mangel an sozialen Kontakten und Beziehungen. Einsamkeit ist dagegen subjektiv und entsteht, wenn die vorhandenen Beziehungen nicht den eigenen Bedürfnissen nach sozialer Verbundenheit entsprechen.
Deshalb kann ein Mensch wenige Kontakte haben, ohne sich einsam zu fühlen. Umgekehrt schützt ein großer Freundeskreis nicht automatisch vor Einsamkeit. Auch das Gefühl, von anderen verstanden zu werden, kann für die erlebte soziale Verbundenheit eine Rolle spielen.
Neue Analyse untersucht mehr als 300.000 Menschen
Doch Einsamkeit kann über das persönliche Erleben hinausgehen und auch die Gesundheit beeinflussen.
Eine aktuelle Metaanalyse im „British Journal of Health Psychology“ zeigt: Einsamkeit geht auch bei grundsätzlich gesunden Menschen mit schlechteren Gesundheitswerten einher. Der Zusammenhang zeigte sich unter anderem bei der allgemeinen und körperlichen Gesundheit sowie beim Schlaf. Die Ergebnisse zeigen allerdings Zusammenhänge und beweisen nicht, dass Einsamkeit die schlechtere Gesundheit verursacht.
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Einsamkeit ist mit höherer Sterblichkeit verbunden
Einsamkeit erhöht auch das Sterberisiko. Das zeigte eine 2023 in „Nature Human Behaviour“ veröffentlichte Studie mit mehr als 2,2 Millionen Erwachsenen. Soziale Isolation war darin mit einem um 32 Prozent höheren Sterberisiko verbunden, Einsamkeit mit einem um 14 Prozent höheren.
Wie eine weitere Metaanalyse zeigte, kann Einsamkeit so schädlich sein wie 15 Zigaretten am Tag. Stärkere soziale Beziehungen waren hingegen mit 50 Prozent höheren Überlebenschancen verbunden. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die Größenordnung des Zusammenhangs mit etablierten Risikofaktoren für die Sterblichkeit vergleichbar sei.
Einsamkeit kann die Gesundheit belasten
Die Forschung zeigt: Einsamkeit hängt nicht nur mit dem persönlichen Wohlbefinden zusammen, sondern auch mit der körperlichen Gesundheit. Studien bringen sie unter anderem mit schlechterem Schlaf und einem höheren Sterberisiko in Verbindung.
Wie stark jemand Einsamkeit erlebt, lässt sich dabei nicht allein an der Zahl seiner sozialen Kontakte ablesen. Wer dauerhaft unter Einsamkeit leidet und sich psychisch oder körperlich belastet fühlt, kann sich professionelle Unterstützung suchen.