"Wir erleben eine doppelte Wahrheitskrise der Wissenschaft"
ZEIT: Sie zeigen in Ihrem Buch, dass solche Freiheitseingriffe längst geschehen, dafür braucht es keine AfD. Im Januar etwa forderte die NRW-Wissenschaftsministerin von der Kunstakademie Düsseldorf, sie solle eine palästinensische Filmemacherin ausladen; man drohte der Rektorin mit personellen Konsequenzen. Die Rektorin blieb hart, der Vortrag fand statt. Was zeigt dieser Fall? Möllers: Wie ernst wir es mit der Freiheit meinen, zeigt sich erst im Konflikt. Ich finde das Verhalten der Landesregierung sehr problematisch. Sie hätte sagen müssen, frei nach Voltaire: Wir schützen auch den Unsinn, den ihr erzählt. Es ist die Pest unserer Zeit: dass viele, Politiker wie Studierende, sich mit Ungewissheiten und Widersprüchen nicht mehr arrangieren können. Und dann zu Formeln wie einer »Ausladung« greifen.