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„Wir haben alle ähnliche Probleme“: Ein Buch über Ängste und Wege aus Lebenskrisen

Wissenschaft

Startseite Lokales Landkreis Rotenburg Rotenburg (Wümme) „Wir haben alle ähnliche Probleme“: Ein Buch über Ängste und Wege aus Lebenskrisen Von: Jill Rabea Zaun Uns auf Google folgen Heide Nullmeyer aus Hellwege entwickelt ein neues Hilfsangebot für Menschen ohne Therapieplatz. Aus den Gesprächen soll ein Buch entstehen – nach dem Vorbild ihres Bestsellers über eine Alkoholikerin. Hellwege – Heide Nullmeyer ist Psychologin, Autorin und Filmerin. Fast 40 Jahre war die Hellwegerin für Radio Bremen und die ARD tätig und produzierte über 120 Filme, vorwiegend Porträts und Dokumentationen. Seit den 1990er-Jahren widmet sie sich als Schülerin der Traumforscherin Ortrud Grön intensiv der Traumarbeit. In den vergangenen Jahren hat sie Gruppen, die miteinander ihre Träume deuten, betreut. Doch durch ihre Trauer um ihren kürzlich verstorbenen Ehemann ist ihr die Gruppenarbeit zu viel. In ihrem Verlust zu verharren, möchte sie aber nicht. Deshalb entwickelt sie derzeit ein Angebot, das gleich zwei Zwecke erfüllt: psychologische Beratungen, aus denen ein Buch für ein breites Publikum entstehen soll. Aufgrund der hohen Nachfrage, könne Nullmeyer derzeit keine neuen Gesprächspartner aufnehmen. Das große Interesse deute auch auf einen akuten Mangel an Therapieplätzen hin. Sie haben sich viele Jahre intensiv mit Träumen beschäftigt. Mit Ihrer neuen Idee, psychologische Gespräche zu führen und daraus ein Buch zu machen, bleiben Sie weiterhin im Inneren des Menschen. Was fasziniert Sie bis heute daran? Die Seele eines Menschen. Wir wissen ja gar nicht, was das ist. Es ist etwas, was wir wahrscheinlich schon mitbringen, wenn wir auf die Welt kommen. Das glaube ich zumindest. Für Ihre Idee verlagern Sie Ihren Fokus auf Einzelgespräche über die Probleme Ihres Gegenübers. Wieso? Seitdem mein Mann im Januar gestorben ist, fühle ich mich in diesem Haus alleine. Ich habe überlegt, was ich jetzt mache. Das Bearbeiten von fünf, sechs Träumen pro Nachmittag kann ich im Augenblick in meinem Zustand nicht. Ich bin noch besetzt mit meiner Trauer und habe auch ein paar Arzttermine. Ich habe vom Leben viel bekommen und ich möchte Menschen etwas zurückgeben. Das ist ein Aspekt, den ich im Leben habe. Ich habe in meinem Leben aber auch immer sehr viel Mut gehabt. Für ein Interview mit Jean-Claude Pascal in den 1970ern suchte der Sender einen Interviewer, der Französisch sprechen konnte. Ich habe mich direkt gemeldet, obwohl ich kein perfektes Französisch sprach. Jean-Claude Pascal war sehr freundlich. Dann fragte er mich etwas zurück und brachte mich aus dem Konzept. Ich bin nach dem Interview in den Sender geschlichen. Aber entgegen meiner Befürchtungen gab es Lob und ich bin dort 40 Jahre geblieben. Dazu habe ich 1979 mein erstes Buch geschrieben. Das hieß: „Ich heiße Erika und bin Alkoholikerin.“ Das basierte auf einem Film, den ich für Radio Bremen für das erste Programm gemacht hatte. Es war ein Überbestseller mit 38.000 Verkäufen. Die Frau, um die es geht, lebt leider nicht mehr. Sie hatte damals der Veröffentlichung über ihre Alkoholkrankheit zugestimmt. Und das möchte ich jetzt wieder machen und nach den Problemen fragen, die andere Menschen haben. Es gibt viel Verunsicherung im Land im Augenblick. Bei älteren Leuten kann es eine Angst vor einem Krieg sein. Ich kann die Angst verstehen. Sie haben keine Angst? Angst ist ein sehr starkes Wort. Bei mir sind es eher Befürchtungen. Das lähmt mich aber nicht, weil ich das ohnehin nicht ändern kann. Aber ich bin immer am überlegen, was ich ändern kann. An meinem Zustand oder auch am Zustand von anderen Menschen. Ich habe Freundinnen, die psychotherapeutisch arbeiten. Die können keine Leute mehr aufnehmen. Und die Menschen rufen an und finden keinen Therapieplatz. Und da kam mir die Idee: Ich versuche etwas über meine Möglichkeit. Ich habe eine Ausbildung, ich habe eine Lebenserfahrung – das spielt natürlich auch eine Rolle. Ich habe eigene Probleme bewältigt. Manche auch nicht, aber die meisten schon. Und ich möchte das auf Spendenbasis machen, denn es gibt auch viele, die überhaupt kein Geld haben, und die bekommen auch keinen Therapieplatz. Sie planen, aus den Gesprächen ein Buch zu schreiben. Haben Sie schon konkretere Pläne, wie das Buch aufgebaut sein könnte? Ich habe noch keine Idee. Ich muss mir auch noch einen Verlag suchen, der genau für dieses Thema infragekommt. Warum, finden Sie, ist es wichtig, die Probleme und Ängste Ihrer Gesprächspartner zu veröffentlichen und sie anderen Menschen zur Verfügung zu stellen? Ich glaube, dass Menschen damit etwas anfangen können. Wie bei dem Film über eine Alkoholikerin. Ich habe erfahren, dass daraufhin viele Menschen zu Selbsthilfegruppen gegangen sind. Nachdem das Buch erschienen war, las ich in der Zeitung über eine Lesung zu meinem Buch in Walle. Ich bin unangemeldet hingefahren und ich habe mich als Zuhörer dazugesetzt. Und dann war da tatsächlich eine Person, die gesagt hat: „Durch dieses Buch bin ich trocken geworden.“ Stellen Sie sich mal so etwas vor. So ähnlich erhoffe ich mir das für mein neues Buch. Dass das Buch Menschen einen Weg aufzeigt und sie motiviert, sich zu trauen. Das Projekt ist nicht nur für die Gesprächspartner, die ihre Probleme zur Verfügung stellen, sondern auch für die, die das lesen. Was erhoffen Sie sich, was Menschen, die das Buch dann in der Hand halten, mitnehmen können? Also ich denke, es sind Anregungen. Weil ich dem einen oder anderen mitgeben kann, was ich machen würde, wenn ich dieses Problem hätte. Ich denke, dass der Leser oder die Leserin daraus vielleicht ein paar eigene Schlüsse ziehen kann, wie man sich anders verhalten kann, auch wenn man sich im Moment bislang nicht traut. Vielleicht ist das auch eine Utopie, aber bei meinem Traumbuch sehe ich das auch, dass Leute anrufen und sagen: „Das hat mir so viel gegeben.“ Man ist auch oft sehr verbohrt mit seinen Gedanken, gerade, wenn es um Verletzungen geht. Werden Sie auch Teil des Buches sein? Es kann gut sein, dass ich meine eigenen Schwierigkeiten mit hineinnehme. Wenn man den anderen das abverlangt, kann man sich auch selbst mit hineinnehmen. Besteht nicht die Gefahr, dass sich Ihre Gesprächspartner mit dem Wissen einer Veröffentlichung selbst zensieren? Nein, diese Sorge habe ich nicht. Menschen gewinnen zu mir schnell Vertrauen. Woher das kommt, weiß ich nicht. Vielleicht, weil ich auch offen bin und meine eigenen Schwierigkeiten benenne. Und ich bin geschult. Ich würde an den Kern der Probleme kommen. Wie kann man dafür sorgen, dass der Schutzraum des Gesprächs trotz Veröffentlichung gewahrt bleibt?

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