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„Wir zehren das Sparkonto des Planeten auf“: Die Süßwasserreserven der Erde schwinden

Wissenschaft

Auf 75 Zentimeter brachte es am Mittwoch der Pegelstand des Rheins in Köln, Tendenz „kaum Veränderung“. Der Fluss erholt sich nur langsam vom historischen Tiefststand von 45 Zentimetern im August.

Über Niedrigwasser in deutschen Flüssen und seine Folgen wurde in diesem Sommer viel berichtet. Jetzt zeigt ein neuer Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (World Meteorological Organization, WMO), dass das Problem schon früher einsetzte und globale Ausmaße hat. Im Jahr 2025 haben die Flüsse der Erde so wenig Wasser geführt wie selten in den vergangenen 35 Jahren.

Das ist nur eines der Anzeichen einer langfristigen Veränderung des Wasserkreislaufs der Erde: Die Menge des Süßwassers, das im Grundwasser, in Seen und Flüssen, im Boden und in der Vegetation sowie in Eis und Schnee gespeichert ist, nimmt seit Mitte der 2010er Jahre kontinuierlich ab. Die WMO warnt vor schwerwiegenden Folgen für Menschen und Wirtschaftssysteme.

Datenmangel aus am stärksten betroffenen Regionen

Einige Teile des Wasserkreislaufs sind schnell: Flussabflüsse oder Bodenfeuchte reagieren innerhalb von Tagen oder Wochen auf das vorherrschende Wetter. Andere, wie Grundwasser, Gletscher oder die saisonale Schneebedeckung, bauen sich über Jahreszeiten oder sogar über Jahrzehnte hinweg auf oder ab.

„Traditionell waren diese langsamen Reserven das Sparkonto des Planeten“, wird WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo in einer Mitteilung zitiert. Sie können extreme Jahre abfedern, sodass eine Dürrephase nicht unmittelbar zu einer Wasserkrise führt. „Wir zehren dieses Sparkonto auf“, sagt Saulo. Der Kontostand, die globalen terrestrischen Wasserspeicher, sinkt anhaltend seit etwa einem Jahrzehnt.

Für den Bericht haben Fachleute von nationalen Wetter- und Wasserdiensten, Datenzentren und wissenschaftlichen Institutionen Vor-Ort-Beobachtungen, Modellberechnungen und Satellitendaten ausgewertet.

Die Länderabdeckung wurde erweitert, jedoch mangelt es weiterhin an vergleichbaren Daten aus Afrika und Asien. Dabei treten in diesen Weltregionen die meisten Extremereignisse auf und sie verzeichnen die meisten dadurch verursachten Todesfälle.

Dies sind weitere zentrale Ergebnisse:

Klima: Das Jahr 2025 war mit einer globalen Durchschnittstemperatur von 1,43 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Gegen Ende des Jahres setzte ein schwaches La-Niña ein. Dieses Klimaphänomen geht mit global kühleren Bedingungen einher.

Flüsse: Das siebte Jahr in Folge waren Flussgebiete mit „normalen“ Bedingungen deutlich in der Minderheit: Etwa zwei Drittel der Flüsse führten deutlich mehr oder deutlich weniger Wasser als normal. Im Zeitraum von 1991 bis 2020 war es im Durchschnitt noch etwa die Hälfte.

Grundwasser: Fast zwei Drittel der weltweit überwachten Brunnen waren im Jahr 2025 in einem Zustand „außerhalb der historischen Norm“. Die Bilanz verschob sich im Vergleich zu 2024 weiter in Richtung Defizit.

Schneebedeckung und Gletscher: Das vierte Jahr in Folge haben alle großen Gletscherregionen der Erde Eis verloren – was zu kurzfristigen Gefahren wie Überschwemmungen und langfristiger Wasserknappheit führt. Der globale Gletschermassenverlust zwischen 2023 und 2025 beträgt etwa 1400 Milliarden Tonnen Wasser: genug, um rund 560 Millionen Schwimmbecken in olympischer Größe zu füllen.

Extremereignisse: In jedem der vergangenen fünf Jahre meldeten Landesbehörden weltweit rekordverdächtige Überschwemmungen und Dürren. An manchen Orten gab es zwischen einem Ereignis und dem nächsten keine Erholungszeit.

Die ökonomischen Schäden zu beziffern, die durch Extremereignisse weltweit entstehen, bleibe eine Herausforderung, heißt es im Bericht. Aber sie können einzelne Länder hart treffen: Die Kosten, die der Zyklon Ditwah in Sri Lanka verursachte, entsprachen rund vier Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Jamaika gab an, dass der Hurrikan Melissa Schäden in Höhe von 41 Prozent des Bruttoinlandproduktes verursacht habe.

Dem Bericht zufolge betraf die Hälfte aller registrierten wasserbedingten Extremereignisse in den vergangenen fünf Jahren Asien und Afrika. Dort kam es zu 80 Prozent der gemeldeten damit verbundenen Todesfälle.

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