Wirtschaftswachstum: Ifo-Institut erhöht die Prognose deutlich auf 1,4 Prozent
„Die Erholung der deutschen Wirtschaft setzt sich fort“, teilte Timo Wollmershäuser am Donnerstag mit. Der Ifo-Konjunkturchef fügte an: „Vor allem für die krisengeplagte Industrie zeigen sich Lichtblicke.“ Deutliche Impulse für die Wirtschaft kämen aus dem Ausland, die staatlichen Mehrausgaben für Infrastruktur, Klima und Verteidigung in Deutschland machten sich bemerkbar. Der neuerliche Energiepreisschock und das Niedrigwasser in den Flüssen könnten aufgefangen werden und hätten dagegen nicht so starke Wirkung.
1,4 Prozent – das wäre das mit Abstand höchste Wachstum der vergangenen Jahre. Denn die deutsche Wirtschaft stagniert bereits seit mehr als drei Jahren und kam bisher nicht aus ihrem Tief heraus. Für 2027 erwartet das Ifo-Institut ein Wachstum von 1,2 Prozent, für 2028 dann 0,8 Prozent. Laut Ifo-Prognose wird die Inflationsrate in diesem und im kommenden Jahr auf 2,8 beziehungsweise drei Prozent steigen. Erst im Jahr 2028 dürfte sich die Inflation mit 2,3 Prozent wieder abschwächen – und zwar in Richtung des Zielwerts der Europäischen Zentralbank (EZB). In der kommenden Woche berät die EZB über die weitere Zinsentwicklung.
Auch andere Institute sind optimistisch. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet für 2026 mit einem BIP-Wachstum von 1,3 Prozent. Im Sommer waren nur 0,8 Prozent vorausgesagt worden. Das IfW ist damit noch ein wenig optimistischer als das DIW in Berlin, das seine Prognose am Mittwoch auf 1,2 Prozent verdoppelt hatte. DIW-Präsident Marcel Fratzscher hatte sogar von einer „Trendwende“ gesprochen. Rund 70 Prozent des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr gingen auf öffentlichen Konsum und Investitionen zurück. Der Staat ist mit seinen Ausgaben also zum großen Teil dafür verantwortlich, dass die Wachstumsprognosen so angestiegen sind. Das Ifo-Institut kritisiert am Donnerstag, dass das Defizit des deutschen Staatshaushaltes nun kräftig angestiegen wäre.
Das RWI in Essen prognostiziert ein Plus von 1,3 Prozent für 2026. „Die deutsche Wirtschaft ist dank der Exporte besser durch das erste Halbjahr gekommen, als zunächst zu erwarten war“, teilte RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt mit. Die Erholung sei zwar da, die strukturellen Probleme aber nicht verschwunden. Hohe Energiepreise, zu viel Bürokratie und schwache Wettbewerbsfähigkeit bremsten Deutschland weiter aus.
Erst in der vergangenen Woche hatte sich auch Bundeskanzler Friedrich Merz optimistisch gezeigt, dass es bald wieder aufwärtsgeht. „Raus aus diesem Missmut und diesem Misstrauen und hinein in eine neue Zuversicht“, forderte er nach einer Klausurtagung der Bundesregierung.