Wissen über Hepatitis rettet Leben
Als Hepatitis (im Plural Hepatitiden) wird eine Entzündung der Leber bezeichnet. Man unterscheidet akute und chronische Leberentzündungen. Von einer chronischen Hepatitis spricht man, wenn die Entzündung länger als sechs Monate anhält. Die Ursachen einer Hepatitis sind vielfältig: Zu den häufigsten Verursachern zählen die Steatotische Lebererkrankung (SLD), auch Fettlebererkrankung genannt, oft in Kombination mit einer Stoffwechselerkrankung wie Diabetes mellitus, sowie Infektionen mit den Hepatitis-Viren A, B, C, D und E. Nach wie vor kursieren zahlreiche Vorurteile und Falschinformationen über Hepatitis-Viren. Diese tragen nicht nur zur Stigmatisierung Betroffener bei, sondern führen auch dazu, dass Schutzmaßnahmen, Diagnosen und therapeutische Angebote häufig zu spät in Anspruch genommen werden. Nach aktuellen Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Situation weiterhin erschreckend: Jährlich sind weltweit jährlich rund 1,3 Millionen Todesfälle auf Hepatitis-Virus-Infektionen zurückzuführen. Viele davon wären durch Impfungen, rechtzeitige Diagnosen und den Einsatz von wirksamen Therapien vermeidbar. Virushepatitis – alarmierende Zahlen weltweit Im April 2024 schätzte die WHO, dass weltweit rund 254 Millionen Menschen mit chronischer Hepatitis B und etwa 50 Millionen Menschen mit chronischer Hepatitis C leben. Schätzungsweise fünf Prozent der Menschen mit Hepatitis B sind zugleich mit dem Hepatitis delta-Virus (HDV) infiziert, das ausschließlich in Verbindung mit einer Hepatitis B-Virusinfektion auftreten kann. Die WHO geht jährlich von etwa 1,5 Millionen Neuinfektionen mit Hepatitis B sowie rund einer Million Neuinfektionen mit Hepatitis C aus. Chronische Infektionen mit einem Hepatitis-Virus können über Jahre symptomlos verlaufen und eine Leberzirrhose und/oder Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) zur Folge haben. Auch die Angaben zur Sterblichkeit sind alarmierend: Weltweit sterben täglich etwa 3.500 Menschen an den Folgen viraler Hepatitis-Infektionen. Diese Zahlen verdeutlichen die erhebliche globale Krankheitslast durch Virushepatitis und unterstreichen die zentrale Bedeutung von Prävention, frühzeitiger Diagnose und wirksamen Therapieangeboten. Prävention, Früherkennung und Therapie retten Leben Die Möglichkeiten zur Prävention und Behandlung viraler Hepatitiden haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Dazu beigetragen haben eine bessere Aufklärung über Ansteckungswege und Risikofaktoren, moderne Diagnoseverfahren sowie wirksame antivirale Therapien. Gegen Hepatitis A und B stehen hocheffektive Schutzimpfungen zur Verfügung. Einen aktiven Schutz gegen die Hepatitis D (delta) bietet die Impfung gegen das Hepatitis B-Virus, denn eine Hepatitis D-Virusinfektion kommt nur mit einer Hepatitis B-Virusinfektion vor. Hepatitis C kann seit 2014 in den meisten Fällen durch eine kurze, nahezu nebenwirkungsfreie Therapie für acht bis zwölf Wochen mit direkt wirkenden antiviralen Medikamenten (DAAs) geheilt werden. Seit Kurzem steht auch eine Therapie für die akute Hepatitis C zur Verfügung. Zwar ist eine chronische Hepatitis B bislang meist nicht heilbar, sie lässt sich mit den verfügbaren Medikamenten jedoch immer erfolgreich kontrollieren. Ganz aktuell ist zum ersten Mal eine Heilung der Hepatitis B mit einem neuen Medikament in einer Phase III-Studie bei einem Fünftel der behandelten Patienten gelungen. Zudem wird intensiv an weiteren neuen Therapieansätzen geforscht. Auch für die Behandlung der Hepatitis D stehen inzwischen neue medikamentöse Optionen zur Verfügung. Weitere sind in der Erprobung. Das Screening auf Hepatitis B und C ist ein Beispiel dafür, wie gesundheitspolitische Weichenstellungen konkret viele Leben retten können. Durch entsprechende Testangebote konnten bereits viele tausend bislang unerkannte Infektionen identifiziert und rechtzeitig behandelt werden – ein wichtiger Schritt zur Erreichung der WHO-Ziele zur Eliminierung der Virushepatitiden. Seit 2021 gehört ein einmaliges Screening auf Hepatitis B und C zur „Gesundheitsuntersuchung“ für gesetzlich Versicherte, früher bekannt als „Check-up 35“. Prof. Dr. Heiner Wedemeyer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung und Mitautor einer Evaluationsstudie zu dem Thema, erläutert die Studienergebnisse, die positive Effekte zeigen: „Die Zahl der diagnostizierten Hepatitis B- und Hepatitis C-Fälle ist deutlich gestiegen, was die Bedeutung eines breiten Screening-Ansatzes unterstreicht und zu einer frühzeitigen Behandlung sowie zur Eindämmung der Infektionen beiträgt. Mit dem Welt-Hepatitis-Tag wollen wir dazu aufrufen, Fehlinformationen und Vorurteile abzubauen und die Menschen zu ermutigen, sich über Hepatitis zu informieren und aktiv zu werden. Wer seine Virusinfektion frühzeitig erkennt, kann schwere Folgeerkrankungen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs häufig verhindern. Die heute verfügbaren Therapien ermöglichen vielen Betroffenen ein Leben ohne die schwerwiegenden Folgen einer chronischen Lebererkrankung. Umso wichtiger ist es, die bestehenden Vorsorge- und Screening-Angebote konsequent zu nutzen und die WHO-Ziele zur Eliminierung der Virushepatitiden bis 2030 weiter entschlossen zu verfolgen.“ Aktuelle Broschüren der Deutschen Leberstiftung Die Deutsche Leberstiftung stellt aktuelle, leicht verständliche Informationsbroschüren unter anderem zu den Themen Hepatitis B, C, D (delta) und E für Betroffene, Angehörige und Interessierte bereit. Diese Materialen bieten fundierte Hintergrundinformationen zu Symptomen, Übertragungswegen, Diagnose und modernen Behandlungsoptionen – wie den hochwirksamen DAAs bei Hepatitis C und den zuverlässigen Impf- sowie Therapiemöglichkeiten bei Hepatitis B. Die Broschüren der Deutschen Leberstiftung informieren sachkundig zur Virushepatitis und bauen Fehlinformationen ab. Damit stellen sie eine wichtige Ergänzung zum Engagement am Welt-Hepatitis-Tag dar. Kostenfreier Download oder Bestellung auf der Serviceseite unter https://www.deutsche-leberstiftung.de.