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WM 2026: Cristiano Ronaldo, der König hat sich selbst getötet

Sport

Audioplayer wird geladen Anzeige Als der Schlusspfiff ertönte, stemmte Cristiano Ronaldo die Hände in die Hüften und begann, über den Platz zu laufen. Er drehte sich Richtung Publikum um und applaudierte den Fans. Dabei kämpfte er mit den Tränen. War es das? Ja – das dürfte tatsächlich der letzte Auftritt von CR7 gewesen sein, zumindest der letzte von Relevanz. Er könne das Thema Weltmeisterschaften mit „gutem Gewissen abschließen“, sagte der 41 Jahre alte Superstar nach Portugals 0:1 (0:1)-Niederlage gegen Spanien. „Ich habe mein Bestes gegeben, drei Titel mit Portugal gewonnen – vor Cristiano Ronaldo waren es null Titel“, erklärte er. Nicht nur, dass er, was ihm öfter passiert, von sich in der dritten Person sprach. Er wirkte an diesem Abend in Dallas wie ein Historiker, der in einer Geschichts-Dokumentation über irgendeinen König aus vergangenen Jahrhunderten redet – und der an dessen Errungenschaften erinnert. Mit den drei Titeln meinte er den EM-Sieg 2016 und zwei Siege in der Nations League. Anzeige Lesen Sie auch Ronaldo, der nach Eusebio größte Spieler, den die einstige Seefahrer-Nation hervorgebracht hat, war eher ein Entdecker, ein Eroberer als ein König. Der Junge aus Funchal hat Portugals Fußball zu neuen Ufern geführt. Dies hatte die sogenannte Goldene Generation mit Spielern, die Anfang der 1970er-Jahre geboren wurden, nicht geschafft: Luis Figo, Paulo Sousa, Rui Costa und Joao Pinto. Erst als Ronaldo, Jahrgang 1985, zu ihnen stieß, tat sich wirklich etwas. 2003, da war er 18, debütierte er in der Nationalelf – ein Jahr vor der EM im eigenen Land, bei der es Portugal bis ins Finale schaffte, wo es sich dann an den Griechen von Otto Rehhagel die Zähne ausbiss. Ronaldos Ego wurde zum Problem für das Team Das ist eine Ewigkeit her und dokumentiert, wie lang sich Ronaldos Karriere gestreckt hat. Zur Wahrheit gehört aber leider auch: Er hat sie, warum auch immer, künstlich in die Länge gezogen – so lange, bis es fast schon weh tat. Anzeige Denn bei dieser WM, seiner sechsten, war er längst so etwas wie der Elefant im Raum: ein Hemmschuh im Spiel einer Mannschaft, die ohne ihn deutlich dynamischer und – wer weiß – vielleicht auch erfolgreicher gewesen wäre. Doch weil Ronaldo ein Nationalheld ist, wagte niemand, ihm dies zu sagen, geschweige denn, ihn aus dem Team zu nehmen. Das sei ein „von Nostalgie getriebener Wahnsinn“ gewesen, sagte Zlatan Ibrahimovic. Die Entstehung neuer Hierarchien wurde blockiert. Spieler wie Vitinha und Rafael Leao, die in ihren Klubs regelmäßig Spitzenleistungen abrufen, wirkten auffällig gehemmt. „Es ist Ronaldos Ego, das das Team in Geiselhaft nimmt“, so Ibrahimovic. Warum tat sich Ronaldo das an? Hat er die Fähigkeit zu einer realistischen Selbsteinschätzung verloren? Diese Gedanken ließ er auch in Dallas nicht an sich herankommen. „So ist das Leben eines Fußballers. Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man, und man muss weitermachen“, sagte er. Wie bitte? Hofft er nach 233 Länderspielen und 146 Toren etwa noch auf weitere Einsätze? Er werde „einen kühlen Kopf bewahren, ruhig bleiben und dann die beste Entscheidung treffen“, so Ronaldo. Lesen Sie auch Das klang fast wie eine Drohung – und dass es als eine solche empfunden wird, ist besonders bitter. Die portugiesische Öffentlichkeit nahm Ronaldos Auftritt verblüfft zur Kenntnis – nicht den auf dem Platz, denn daran, dass er nur noch ein Schatten seiner selbst ist, hatte man sich gewöhnt. Nein, es waren seine Aussagen danach, die irritierten. Ronaldo hat das fußballerische Entwicklungsland zum Mitfavoriten erhoben Es bleibt Cristiano Ronaldo nur zu wünschen, dass er möglichst schnell zur Einsicht gelangt, dass es wirklich genug ist. Und dass er sich nicht im Kleinkrieg mit seinen immer zahlreicher werdenden Kritikern verzettelt. Die wollen ihn schon seit 23 Jahren töten, hatte er gesagt. Die portugiesische Sportzeitung „A Bola“ antwortete: „Cristiano Ronaldo: Wir wollen dich nicht ‚umbringen‘, aber jetzt reicht es.“ Das muss ihn schmerzen. Zumal er das Gefühl hat, dass er für all das, was er geleistet hat, mehr verdient hätte. Denn Weltmeister ist Ronaldo im Gegensatz zu seinem zwei Jahre jüngeren Dauerrivalen Lionel Messi nie geworden – weil er nicht für die Fußball-Großmacht Argentinien, sondern für Portugal spielte. Portugal war ein fußballerisches Entwicklungsland, als CR7 die Bühne betrat. Mittlerweile gilt es vor jedem großen Turnier als ein ernstzunehmender Mitfavorit. Das wäre ohne ihn nie möglich gewesen.

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