WM 2026: Erling Haaland wuchtet Norwegen gegen Brasilien weiter
"Es gab schon einige Höhepunkte in diesem Turnier von mir, das war heute ein weiterer Höhepunkt. Wenn ich eine oder zwei Chancen habe, denn treffe ich meistens. Das ist einfach das, was ich mache", sagte Haaland hinterher.
So ruderten die Norweger nach dem Spiel wieder gemeinsam mit ihren Fans. Haaland trommelte, alle anderen machten danach Zug um Zug - das Boot der Wikinger fährt so bisher unaufhaltsam zumindest bis ins Viertelfinale. Dort werden Haaland und Co. auf den Sieger der Partie zwischen Mexiko und England treffen. Erfreulich für das Team ist zudem, zu wissen, dass es sich nicht nur auf ihren Stürmer verlassen kann, sondern auch auf die ganze Mannschaft und besonders Torhüter Örjan Nyland.
Nyland beginnt starken Tag mit einer Elfmeterparade
Denn nach einem zu Recht nicht gegebenen Abseitstor von Patrick Berg (3.), rückte Nyland schon frühzeitig ins Rampenlicht. Matheus Cunha wurde klar von Kristoffer Ajer gefoult und erst nach dem VAR-Check wurde auf Elfmeter entschieden. Das Problem an der Sache war, dass Danilo in der Entstehung ein klares Foul begangen hatte, was bei der Überprüfung aber nicht bedacht wurde. Doch die Gerechtigkeit siegte, Bruno Guimaraes verschoss den Strafstoß, Örjan Nyland parierte stark (14.).
Ansonsten war Norwegen optisch aufgrund des vielen Ballbesitzes sehr gut in der Partie, doch nur Brasilien strahlte Gefahr aus. Die Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti spielte deutlich schneller und zielstrebiger Richtung gegnerisches Tor, so auch als Gabriel Martinelli aus ganz spitzem Winkel schoss und Nyland beinahe den Ball mit dem Fuß ins eigene Tor lenkte (30.). Der norwegische Torhüter war der Mann der ersten Halbzeit, in der 40. Minute wehrte er einen Schuss von Vinicius Jr. aus kurzer Distanz noch stark ab.
Zuvor hatte Ödegaard mit dem ersten Abschluss der Wickinger das Außennetz getroffen (35.), noch größer war seine Chance kurz vor Ende der ersten Halbzeit, als der Mittelfeld-Motor aus 16 Metern zum Abschluss kam und Alisson Becker blitzschnell abtauchte (45.+3). So ging eine äußerst interessante Partie torlos in die Pause.
Chancenwucher auf beiden Seiten
Nach der brauchte das Spiel einige Anlaufzeit, doch dann brachte Ancelotti seinen Stürmer-Joker Endrick - und der vergab die hundertprozentige Chance auf die Führung. Vini Jr. schickte den Youngster mit einem Traumpass frei vors gegnerische Tor, doch dort verlor er die Kontrolle und chippte den Ball schließlich ziemlich deutlich vorbei (59.). Kurz danach war Nyland nach einem Dropkick von Danilo mal wieder Endstation (62.), noch besser war aber seine Parade gegen Guimaraes (63.) - da war es aber Abseits.
Wenige Momente später wurde es auf der anderen Seite mal wieder gefährlich. Andreas Schjelderup spielte von der linken Seite eine herausragende Flanke, nach der Haaland sich schon beim Jubel gewähnt haben könnte - doch Alisson flog dazwischen und lenkte den Ball entscheidend mit den Fingerspitzen ab (65.). Beim nächsten Angriff fehlten Haaland bei einer Grätsche nur Zentimeter, um das Spielgerät ins Tor zu stoßen (67.).
Haaland mit all seiner Power zur Führung
So stark Nyland auf der anderen Seite war, so wenig stand ihm Alisson in nichts nach. Der brasilianische Schlussmann war auch bei Schjelderups Versuch aus zehn Metern im kurzen Eck zur Stelle (75.) - es war ein Spiel der Torhüter. Aber es musste noch das Spiel eines anderen Spielers werden, denn irgendwer musste zu irgendeinem Zeitpunkt auch für das Tor sorgen, das den Einzug ins Viertelfinale bedeutet.
Und wer sollte es anders sein als Erling Braut Haaland? Wieder bereitete Schjelderup herausragend vor und dann spielte der Superstürmer von Manchester City all seine Körperlichkeit aus, traf aus sieben Metern unwiderstehlich per Kopf (79.).
Nyland hält unglaublich, Haaland schießt unglaublich
Haaland wurde also mal wieder zum Tor-Helden - doch ohne das, was Nyland an diesem Tag in New York/New Jersey fabrizierte, wäre sein Treffer nur eine Randnotiz gewesen. Brasilien hatte so viele Chancen, aber fand immer wieder im 35-jährigen Keeper, der aktuell vereinslos ist, seinen Meister. Besonders beeindruckend war, wie Nyland nach einem von Ajer abgefälschten Schuss im Rückwärtslaufen mit einem Hechtsprung den Ball noch von der Linie kratzte (86.).
Doch die Entscheidung blieb dann eben doch Haaland vorbehalten. Der 25-Jährige bekam den Ball - natürlich wieder von Schjelderup - 18 Meter vor dem Tor hingelegt, diesmal zischte ein Flachschuss mit unglaublich Dampf und 126 Stundenkilometern genau ins lange Eck zum 2:0 (90.). Es war bereits sein siebtes Turniertor im vierten Einsatz - nachdem er in der WM-Qualifikation in acht Spielen 16 Treffer erzielt hatte.
Das Spiel war entschieden, Norwegen steht dank Nyland und Haaland erstmals im Viertelfinale. Brasilien muss derweil seinen Traum vom sechsten WM-Titel begraben. Daran änderte auch nichts, dass Leo Östigard mit einem Ellenbogeneinsatz gegen Casemiro einen weiteren Elfmeter verschuldete - und Neymar, der nach dem Abpfiff bittere Tränen vergoss, den richtig überlegt und cool verwandelte (90.+10). Denn dieser Treffer kam zu spät.