DAX -0,22 % 25.099,00 Pkt 18:00:00 MDAX -0,05 % 31.965,53 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 +1,14 % 6.280,94 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,52 % 51.947,25 Pkt 23:26:43 S&P 500 -1,16 % 7.411,98 Pkt 23:26:35 Nasdaq -2,78 % 24.975,82 Pkt 23:15:59 Nikkei -2,73 % 64.611,15 Pkt 08:45:03 Gold +0,08 % 4.070,80 USD 22:59:59 Silber +0,43 % 58,91 USD 22:59:55 Brent 0,00 % 96,78 USD 22:59:55 WTI 0,00 % 89,31 USD 22:59:59 Bitcoin +0,21 % 64.443,67 USD 07:23:55 EUR/USD -0,32 % 1,13750 USD 23:29:21 EUR/GBP 0,00 % 0,85320 GBP 06:49:20 EUR/CHF +0,06 % 0,92970 CHF 06:49:20 EUR/JPY +0,08 % 186,245 JPY 23:29:21

WM 2026: Frankreichs Kylian Mbappé - Erst Mensch, dann Torjäger

Sport

Die WM hatte noch nicht begonnen, da war Kylian Mbappé schon das große Problem der französischen Nationalmannschaft. In heimischen Medien wie "RMC Sport" wurde berichtet, es wäre "eine interne Debatte entbrannt", weil Ousmane Dembélé wegen ihm wieder aus dem Sturmzentrum weichen müsse und Mbappé dort spiele, "ohne dabei wirklich jemanden zu überzeugen". Kritischer Umgang mit Mbappés Verhalten auf und neben dem Platz Die "L'Equipe" analysierte auch, das System sei so sehr auf Mbappé zugeschnitten, dass die mit weiteren Stars gespickte Mannschaft darunter leiden würde, zumal er zu wenig Defensivarbeit betreibe. Doch das Problem ging über das Sportliche hinaus. Mbappé gehört zu den Spielern, die auch politisch zu ihren Überzeugungen stehen - was nicht immer gut ankommt. Denn nach wie vor gibt es Leute, die meinen, Fußballer sollten sich auf ihren Sport konzentrieren und den Rest beiseiteschieben. So stieß ein Interview von Mbappé mit "Vanity Fair" einigen sauer auf, in dem er über die Präsidentschaftswahlen und eine mögliche Wahl von Marine Le Pen der als "rechtspopulistisch bis rechtsextrem" eingeordneten Partei "Rassemblement National" sprach. "Ich weiß, was das bedeutet und welche Folgen es für mein Land haben kann, wenn Menschen wie sie an die Macht kommen", übte Mbappé offen Kritik an ihrer Politik. Es war nicht das erste Mal, dass er sich gegen Rechts positionierte. Platini kritisierte Mbappé: "Du spielst für alle Franzosen" Aber es gibt Stimmen, vor allem von Ex-Spielern, die auf solche Statements gerade vor einer WM gerne verzichten würden zum Wohle des Turniers. Solche Aussagen würden für eine unnötige Ablenkung sorgen und "Probleme und Spannungen verursachen", meinte stellvertretend für diesen Gegenwind Christophe Dugarry, der 1998 mit Frankreich Weltmeister wurde, bei "RMC Sport". Zwar seien Mbappés Aussagen "mutig", aber sie hätten "Konsequenzen" für die "Équipe Tricolore". Ex-UEFA-Präsident Michel Platini forderte gegenüber "RTL" sogar politische Neutralität von Mbappé: "Du spielst für alle Franzosen. Sobald du Stellung beziehst, zerstreitest du dich mit der Hälfte der Welt." Als würde er ihm zurufen: Sei Fußballer. Vergessen wird dabei nur allzu oft, dass Mbappé und andere Profis als erstes Mensch sind und dann erst Fußballer. Und als solche dürfen sie eine Meinung haben und zu ihr stehen wie alle anderen auch. Mbappé hier, Mbappé dort - und fast immer war es negativ. Vergessen war, dass er Frankreich 2018 zum WM-Titel geschossen und 2022 bis ins Finale geführt hatte, wo "Les Bleus" trotz eines Dreierpacks des heute 27-Jährigen im Elfmeterschießen gegen Argentinien verloren. Doch er hat seine Landsleute daran erinnert, nach sieben Toren und zwei Assists während des aktuellen Turniers ist die Mbappé-Kritik verstummt. Und plötzlich springen ihm auch bei politischen Themen alle zur Seite. Frankreich steht Mbappé im Kampf gegen Rassismus bei Weil Mbappé Mbappé ist, ließ er nicht auf sich sitzen, dass die paraguayische Senatorin Celese Amarilla de Boccia ihn rassistisch beleidigte. Er reagierte mit klaren Worten, bezeichnete sie als "verachtenswerte Frau und unwürdig ihres Amtes". Sofort schaltete sich auch Staatspräsident Emmanuel Macron ein. "Ein weiteres Tor für Kylian Mbappé. Diesmal gegen Rassismus", sagte der 48-Jährige und sagte dem Nationalspieler "voll und ganz" seine Unterstützung zu. Die hat Mbappé auch medial, zumal die französische Nationalmannschaft in Gänze von Paraguays Ex-Nationalkeeper José Luis Chilavert als "afrikanische Auswahl" verunglimpft wurde. Sportlich wird der Stürmerstar auch wieder gefeiert, die Nachrichtenagentur "AFP" machte ihn nach dem 1:0 im Sechzehntelfinale zum "Retter aus dem paraguayischen Schlamassel", plötzlich sind auch die Töne der ihm gegenüber sonst so kritischen "L'Equipe" ganz andere. "Nichts seit Beginn der Weltmeisterschaft scheint Kylian Mbappés Fortschritt aufhalten zu können", schrieb das wohl renommierteste Fußball-Medium in Frankreich. Er habe "den Rest der Mannschaft noch enger zusammengeschweißt und als Kapitän eine weitere Facette seiner Persönlichkeit gezeigt". Mbappé hat die Liebe zurückgewonnen, dass die Kritik an ihm nie ganz verschwinden wird, weiß er selbst aber auch. "Wenn ich spielen würde, um meine Kritiker zum Schweigen zu bringen, müsste ich bis 80 spielen", sagte er zuletzt. Mbappé hat gelernt, "alle Menschen gleich zu behandeln" Und so wird Mbappé weiter einfach so viele Tore wie möglich schießen, um mit seinen Mannschaften so erfolgreich wie möglich zu sein. Währenddessen wird er aber nicht schweigen, wenn ihm etwas nicht passt. Mbappé bleibt laut, aber er hat dabei nie den Eindruck gemacht, Menschen spalten zu wollen - ganz im Gegenteil. In einem "Brief an den jungen Kylian" schrieb er im Jahr 2020 - damals war er 21 Jahre alt - in "The Players' Tribune" über seine Kindheit in Bondy, einem vermeintlichen Problemviertel in der Nähe von Paris: "Man lernt, alle Menschen gleich zu behandeln, weil wir alle im selben Boot sitzen." Er berichtete, dass er bei zufälligen Treffen jedem aus einer Gruppe die Hand gibt, auch wenn er nur eine Person aus ihr kennen würde. Mbappé vereint, statt zu spalten. Frankreich gegen Marokko - ein besonderes Spiel Diese Haltung ist auch wichtig mit Blick auf das Viertelfinale am Donnerstag gegen Marokko (22 Uhr MESZ), denn neben aller sportlichen Brisanz ist dieses Aufeinandertreffen immer auch ein politisches. Viele Franzosen haben marokkanische Wurzeln, viele Marokkaner haben französische Wurzeln - und das gilt nicht nur für Fußballer. Entsprechend emotional war auch das WM-Halbfinale 2022 zwischen den beiden Nationen.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren