WM 2026: Harry Kane bewahrt England vor WM-K.o. gegen DR Kongo
Erst traf der Stürmer des FC Bayern München in Mittelstürmer-Manier per Kopf zum Ausgleich (75. Minute), dann ließ er es mit seiner unglaublichen Schusstechnik krachen und England jubeln (86.). "Das fühlt sich wahnsinnig gut an, es war ein verrücktes Spiel. Wir haben vorher darüber gesprochen, dass jeder Heldenmomente haben kann - und heute war mein Tag", sagte Kane. Der begeisterte auch Thomas Tuchel, hin und weg war der Trainer allerdings aufgrund der gesamten Mentalität seines Teams. "Es war sehr stressig, aber wir haben immer daran geglaubt. Wir haben verdient gewonnen, aber mussten sehr hart dafür arbeiten. Wir müssen dieses Mindset haben, nie die Geduld und den Glauben zu verlieren, egal, was passiert. Das haben wir gemacht, deshalb ein großes Kompliment an die Mannschaft", sagte Tuchel. Cipenga erwischt England in der Anfangsphase So richtig schlau war man aus den Auftritten der englischen Nationalmannschaft in der Gruppenphase nicht geworden. Eine Gala gegen Kroatien (4:2), eine Enttäuschung gegen Ghana (0:0) und ein pragmatischer Sieg gegen Panama (2:0) waren die Ausbeute. Während andere Favoriten wie Frankreich begeisterten, deuteten die "Three Lions" ihr Können nur an. Und doch herrschte vor dem Sechzehntelfinale das Gefühl vor, DR Kongo sollte keine allzu große Hürde sein. Eine Fehleinschätzung, wie sich schnell zeigte. Schon in der siebten Minute sendeten die Afrikaner mehr als nur ein Lebenszeichen, sie schockten die turmhohen Favoriten. Eine Flanke aus dem Halbfeld rutschte zu Brian Cipenga durch, der es mit einem Schuss ins kurze Eck versuchte und dort Jordan Pickford auf dem falschen Fuß erwischte - das 1:0 für den Außenseiter. Und ein echter Wirkungstreffer für die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel. England hatte große Probleme, ins Spiel zu finden und hatte erst in der 28. Minute eine erste, eher zufällig entstandene Chance. Eine Freistoßflanke von Declan Rice wurde zunächst von mehreren Spielern verpasst, dann sprang der Ball ans Knie von Ezri Konsa und von dort nur ganz knapp neben das Tor. Kurz darauf brachte Rice einen noch präziseren Ball aus dem Spiel ins Zentrum und traf genau den Kopf von Jude Bellingham, der jedoch in Lionel Mbasi-Nzau seinen Meister fand (30.). Kane geht zu Boden - aber kriegt keinen Elfmeter Der kongolesische Torhüter sollte noch häufiger ins Rampenlicht rücken, doch zunächst brauchte er Hilfe von einem Mitspieler. Nach einem starken Solo von Noni Madueke war Marcus Rashford per Direktschuss dem Ausgleich ganz nah, Aaron Wan-Bissaka rettete aber noch auf der Linie (35.). Und dann hätte tatsächlich der Kongo das zweite Tor machen müssen. Yoane Wissa kam nach einer Flanke aus drei Metern ganz frei zum Abschluss, er traf aber nur den Pfosten (42.). Sowas kann sich schnell rächen. Und beinahe wäre es auch so gekommen. Denn nach einem Steilpass kam Kane erstmals in eine gefährliche Situation und ganz knapp vor Mbasi-Nzau an den Ball, legte ihn vorbei und kam zu Fall. Schiedsrichter Adham Makhadmeh entschied sich zum englischen Entsetzen gegen einen Elfmeter, tatsächlich sah es in der Zeitlupe auch so aus, als wäre der klare Kontakt erst nach einem kleinen Hochspringen von Kane zustande gekommen sein (44.). Kane erlöst die englische Nationalmannschaft England rannte nun wütend gegen den Rückstand an, aber hatte ein Problem namens Mbasi-Nzau. Der Torhüter parierte auch einen weiteren Kopfball von Bellingham herausragend (45.+2) und dann auch noch einen Volley von Kane aus kurzer Distanz (45.+6). Kurz nach der Pause traf Rashford freistehend das Außennetz (51.), kurz darauf kratzte Mbasi-Nzau eine abgefälschte Bellingham-Hereingabe noch aus dem kurzen Eck (53.). Die "Three Lions" brauchten danach einen Moment des Durchschnaufens, um sich für die Schlussphase zu wappnen, in der es darum ging, das WM-Debakel noch abzuwenden. Und dieser Moment, in dem unzählige, wuchtige Steine von den englischen Schultern fielen, kam in der 75. Minute. Eine Rice-Flanke geriet zu lang, dann brachte Anthony Gordon den Ball in die Mitte und dort hatte Kane das Timing eines Top-Mittelstürmers, diesmal brachte Mbasi-Nzau seine Hand nicht mehr entscheidend an den Ball. Kane knallt England ins Achtelfinale Die ganz große Chance hatte Bellingham auf den nächsten Schritt dieser Erlösung, er verpasste aber den Querpass auf Bukayo Saka und scheitert. Aber: Die Szene war nicht vorbei, Gordon setzte nach, spielte auf Kane - und der machte, was so nur Kane kann. Mit dem Rücken zum Tor nahm der Superstürmer den Ball an, legte ihn sich auf den rechten Fuß und katapultierte das Spielgerät mit einer Urgewalt und -präzision hoch ins kurze Eck zum 2:1 (86.). Und dieser Schuss beförderte England direkt ins Achtelfinale - wo es zu einem absoluten Höhepunkt des Turniers kommen dürfte. In der Nacht auf Sonntag (2 Uhr MESZ) kommt es in Mexiko City zum Duell zwischen den "Three Lions" und dem bisher überragenden Co-Gastgeber Mexiko, der seine vier Partien bislang allesamt gewonnen hat und noch ohne Gegentor ist. Es wird ein Stimmungsfestival und ein Kräftemessen - in dem England trotz Kane nicht der Favorit ist.