WM 2026 im Liveblog: Bierhoff für Klopp als Nagelsmann-Nachfolger
Auch mit etwas Abstand ist der Frust bei Joshua Kimmich über das erneut frühe Scheitern bei einer Fußball-WM groß. "Ich bin gerade einfach nur leer und mir ist überhaupt nicht danach, mich zu melden. Aber es gehört dazu, sich auch diesen Situationen zu stellen", schrieb der DFB-Kapitän in einem Post bei Instagram: "Gemeinsam hatten wir vor, eine sehr erfolgreiche WM zu spielen, Deutschland würdig zu vertreten und einen kleinen Beitrag für eine positive Entwicklung in unserem Land zu leisten. Und wir sind gescheitert. Mal wieder. Und das macht mich fertig." Der Bayern-Profi betonte dennoch, er sei "stolz" darauf, "Kapitän dieser Mannschaft zu sein". Aber die Enttäuschung über den Turnierverlauf sei weiterhin groß. "Wir hätten Euch allen und auch uns gerne mehr zurückgegeben". Der 31-Jährige bekräftigte, dass ein Rücktritt aus der Nationalmannschaft für ihn kein Thema ist. "Aufgeben ist für mich niemals eine Option. Um wieder klarzukommen, werde ich aber sicher mehr als ein paar Tage brauchen." Österreich muss im WM-Sechzehntelfinale gegen Spanien auf Außenverteidiger Phillipp Mwene verzichten. Der 32-Jährige vom FSV Mainz 05 fällt aufgrund einer Muskelverletzung im rechten Oberschenkel aus. Mwene zählt zum Stammpersonal von Österreichs Teamchef Ralf Rangnick. Von den drei Gruppenspielen bei dieser Weltmeisterschaft bestritt er zwei von Beginn an. Die Partie gegen Spanien ist für Österreich das erste K.-o.-Spiel bei einer Fußball-WM seit 1954. Die Partie findet am Donnerstag um 12 Uhr Ortszeit (21 Uhr) in Inglewood bei Los Angeles statt. Rund um die Fußball-WM im Gastgeberland Mexiko häufen sich die Todesfälle. Während der Feierlichkeiten nach dem Sieg des mexikanischen Teams gegen Ecuador sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde von Mexiko-Stadt vier Menschen in der Nähe des zentralen Denkmals "Ángel de la Independencia" gestorben. Wie die Gesundheitsministerin von Mexiko-Stadt mitteilte, starben drei Opfer an Erstickung. Ein 30-jähriger Mann sei einem Herz-Kreislauf-Stillstand nach einem epileptischen Anfall und Blutungen im Verdauungstrakt erlegen. Insgesamt seien mehr als 1.600 Menschen im Aztekenstadion und bei den Feierlichkeiten in der Stadt vor Ort behandelt worden, unter anderem wegen Prellungen, Knochenbrüchen, Alkoholvergiftungen und Angstanfällen. 28 von ihnen mussten in Kliniken gebracht werden. Ein 44-jähriger Mann und eine 19-jährige Frau starben schon auf der Straße an Erstickung. Eine 48-jährige Frau wurde zudem bewusstlos aufgefunden. Im Krankenhaus sei dann ihr Tod durch Ersticken festgestellt worden. Der frühere DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff hat sich für den Fall einer Entlassung von Bundestrainer Julian Nagelsmann klar für Jürgen Klopp als dessen Nachfolger ausgesprochen. "Da braucht man kein Fachmann zu sein, um zu sagen, dass Jürgen Klopp als Bundestrainer, sollte er wechseln, natürlich der Wunschtrainer wäre", sagte Bierhoff bei Sky. "Er ist eine große Persönlichkeit, hat riesige Erfolge gefeiert und ist jemand, der sicherlich auch eine Mannschaft, ein ganzes Land mitreißen kann." "Mit seiner Art, Menschen und Spieler mitzureißen, steht das natürlich außer Frage. Sollte Julian Nagelsmann aufhören, sollte Jürgen Klopp das erste Ziel sein, ihn für den DFB zu gewinnen", sagte Bierhoff, der nach dem Vorrundenaus bei der WM in Katar 2022 seinen Posten als Geschäftsführer räumen musste. Nach dem blamablen Aus im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihren Fans für die Unterstützung gedankt. "Danke, dass Ihr da wart. Danke für Euren Support", schrieb der Verband am Mittwoch in den sozialen Netzwerken und versprach: "Wir werden es wieder besser machen. Mit Euch an unserer Seite." Fast zwei Tage nach dem enttäuschenden Ausscheiden hieß es in dem Statement bei Instagram weiter: "Die WM fand dieses Jahr weit entfernt statt. Aber Ihr wart da. Ihr wart laut. Wir wollten den Weg gemeinsam mit euch gehen und Deutschland mit Stolz erfüllen." Stattdessen folgte Selbstkritik. "Wir haben es nicht geschafft, zu zeigen, was in dieser Mannschaft steckt. Deshalb sind wir zu Recht viel zu früh aus diesem Turnier ausgeschieden. Das tut weh. Uns genauso wie vielen anderen." Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn hat nach dem deutschen WM-Aus die Debatte um einen neuen Bundestrainer kritisiert. Für den 57-Jährigen führe die Diskussion "am Kern vorbei", das Problem liege aus seiner Sicht bei den Spielern. Diese, so schrieb Kahn bei LinkedIn, müssten mehr Verantwortung übernehmen. "Drei Bundestrainer sind am selben Punkt gescheitert", schrieb Kahn und nahm Joachim Löw, Hansi Flick und Julian Nagelsmann in Schutz: "Wenn drei Trainer mit unterschiedlichen Ansätzen immer am selben Punkt scheitern, liegt die Ursache tiefer." Für Kahn liege die Ursache in der fehlenden Verantwortungsübernahme der Spieler, die früh geprägt werden müsse: "Wer als junger Spieler immer wieder lernt, schwierige Entscheidungen zu treffen, Fehler auszuhalten und trotzdem den nächsten Ball zu fordern, entwickelt genau das, was große Turniere entscheidet", schrieb Kahn: "Wer das nie gelernt hat, wird es im Nationaltrikot nicht plötzlich beherrschen." Nico Schlotterbeck hat nach seiner schweren Knöchelverletzung und dem WM-Aus der DFB-Elf einen Einblick in seine Gefühlswelt gegeben. "Im Moment geht es mir einfach richtig scheiße. Ich bin enttäuscht, leer und weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich das alles verarbeiten soll", schrieb der Dortmunder Innenverteidiger auf Instagram. "Es fühlt sich an, als wäre in den letzten Tagen alles zusammengebrochen, wofür ich so lange gearbeitet habe. Dass wir so aus diesem Turnier gehen, tut unfassbar weh. Und ich werde nicht so tun, als wäre jetzt plötzlich wieder alles normal." Gleichzeit kündigte der 26-Jährige an, alles für ein schnellstmögliches Comeback geben zu wollen. "Aber eines kann ich euch versprechen!!! Ich werde auch diese Verletzung überstehen, alles dafür tun, noch stärker zurückzukommen als je zuvor und nicht aufhören, bis ich wieder auf dem Platz stehe." Manuel Neuer hat nach seinem endgültigen Karriereende in der Fußball-Nationalmannschaft nochmals seine Beweggründe für die WM-Rückkehr erläutert. "Das frühe Ausscheiden bei der WM ist extrem ernüchternd. Wir sind klar hinter den Erwartungen zurückgeblieben und hätten in diesem Turnier weiter kommen müssen. Dieses Ende tut sehr weh", schrieb Neuer bei Instagram. Die Rückkehr in die DFB-Auswahl sei trotz der Turnierenttäuschung eine richtige Entscheidung gewesen. "Trotz des bitteren Endes bereue ich diesen Schritt keine Sekunde. Ich hatte mich ganz bewusst dafür entschieden, noch einmal für Deutschland zu spielen. Zum einen, weil es mich immer mit tiefem Stolz erfüllt hat, das Trikot der Nationalmannschaft zu tragen. Zum anderen, weil ich mit meinen 40 Jahren und den Erfahrungen aus 4 WM-Turnieren auch die jungen Spieler sowohl auf als auch neben dem Platz bestmöglich unterstützen und Fußball-Deutschland helfen wollte." Nach Ansicht des früheren Weltmeisterkapitäns Philipp Lahm muss nach dem WM-Desaster der deutschen Nationalmannschaft vieles auf den Prüfstand. "Natürlich ist es so, wenn Deutschland dreimal hintereinander nicht das Achtelfinale einer Weltmeisterschaft erreicht, dass man sich Gedanken über alle machen und hinterfragen muss", sagte der langjährige Nationalspieler. Er sei "nie so fassungslos" gewesen wie bei diesem Aus im Elfmeterschießen der ersten K.-o.-Runde gegen Paraguay. Bei der Aufarbeitung müsse man schauen, welche Spielweise und Idee man künftig verfolgen wolle. "Und danach muss man sich entscheiden: Ist der Trainer oder das Trainerteam, das aktuelle, richtig da?", sagte Lahm. Angesprochen auf eine mögliche Rolle als DFB-Funktionär erklärte Lahm: "Aktuell bin ich nicht auf der Suche nach irgendeiner Aufgabe. Man sollte nie was ausschließen, ist ja außer Frage, aber aktuell passt mein Leben so, wie es ist." Rassistische Kommentare während der Fußball-WM haben nach Angaben der FIFA in den sozialen Medien stark zugenommen. Elf Prozent aller als beleidigend eingestuften Beiträge seien auf eine Art rassistisch, teilte der Fußball-Weltverband unter Verweis auf erhobene Daten mit. Das sei ein Zuwachs um drei Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt bei der vergangenen WM in Katar im Jahr 2022. Den Angaben zufolge wurden 1.000 Accounts an Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Die FIFA beruft sich dabei auf den Social Media Protection Service (SMPS), der die Accounts von an der WM teilnehmenden Teams, Spielern, Trainern und Schiedsrichtern scannt und beleidigende Kommentare unsichtbar macht. So sollen die Akteure vor den Auswirkungen der Beleidigungen geschützt werden. Das Schicksal von Bundestrainer Julian Nagelsmann und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist längst auch Thema der hohen Politik. Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille wurde am Dienstag auf der Pressekonferenz der Bundesregierung angesichts der neuerlichen WM-Blamage auch nach Nagelsmann gefragt. Hat Bundeskanzler Friedrich Merz vielleicht einen Tipp an den Deutschen Fußball-Bund (DFB), wie mit Nagelsmann und der Trainer-Entscheidung zu verfahren sei? Hille wiegelte ab. "Diese Fragen - Umgang, Nachbearbeitung - sind Fragen, um die sich der DFB, der Deutsche Fußball-Bund, zu kümmern hat. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie das tun werden." Der frühere Bundestrainer Berti Vogts und Ex-Europameister Thomas Helmer haben die Mentalität der aktuellen deutschen Fußballer-Generation kritisiert. Beide monieren, dass die deutschen Kicker derzeit zu schnell und mit zu wenig bereits zufrieden seien. "Wir haben im Moment keine Spieler, die auf höchstem Niveau mithalten können", schrieb der 79 Jahre alte Vogts in seiner Kolumne für die "Rheinische Post". "Da müssen wir ansetzen: Warum sind unsere Spieler nicht mehr Weltklasse? Wir haben entscheidende Entwicklungen im internationalen Fußball verpasst, das wird immer deutlicher", so Vogts. Mindestens zwei Menschen sind im Rahmen eines WM-Fanfestes in Mexiko-Stadt ums Leben gekommen. Sowohl eine Frau im Alter von 19 Jahren als auch ein 44-Jähriger erstickten nach Abpfiff der Partie am Dienstagabend, das bestätigten lokale Behörden. Nach übereinstimmenden Medienberichten war eine Gruppe von Menschen gegen eine öffentliche Toilette gedrückt worden. Zudem steht der Tod einer dritten Person im Raum, dies wurde bislang jedoch nicht offiziell bestätigt. Mehr als eine Million Fans hatten sich an verschiedenen Orten in der Stadt versammelt, um den Sieg der Mexikaner gegen Ecuador zu feiern.