WM 2026: Marokko schmeißt Gastgeber Kanada raus - Saibari verletzt
Azzedine Ounahi erzielte beim 3:0 (0:0)-Sieg der Marokkaner die ersten beiden Tore. Der zentrale Mittelfeldspieler traf zunächst nach einem Freistoß von Achraf Hakimi aus der Distanz (50. Minute), dann vollendete er einen Konter (82.). Soufiane Rahimi sorgte gegen weit aufgerückte Kanadier für den Endstand (90.+8). Es war ein über lange Zeit glücklicher Sieg für die Marokkaner, die - gerade in der ersten Hälfte - überhaupt nicht ins Spiel fanden. Toptorjäger und Bayern-Neuzugang Ismael Saibari musste früh verletzt ausgewechselt werden (22.). Am Ende war der Favorit aber effizienter, während bemühte und kämpferische Kanadier ihre Chancen nicht nutzen. Marokko-Coach: "Wir haben gelitten" "Wir waren das bessere Team", sagte Kanada-Coach Jesse Marsch: "Klar, sie hatten ein paar mehr Chancen als wir. Sie haben ein bisschen mehr Qualität im letzten Drittel und uns hat es da gefehlt." Der Auftritt sei dennoch "wirklich gut" gewesen, befand der 52-Jährige, er könne "nicht stolzer sein". Wenn man sich anschaue, "wie wir gespielt haben und wie unsere Spielidee ist, war es wirklich eine tolle Leistung." Er sei "sehr, sehr zufrieden", sagte auch der marokkanische Nationaltrainer Mohamed Ouahbi: "Wir haben gelitten. Wenn man gegen ein Team antritt, das so intensiv spielt, weiß man von Anfang an, dass es schwierige Momente geben wird." In der zweiten Hälfte habe seine Mannschaft gut reagiert: "Das war beeindruckend, wie meine Spieler sich da reingehängt haben. Es ist uns gelungen, die Räume ein bisschen besser zu nutzen, die sie uns gelassen haben. Das war der Schlüssel." Kanada überfordert Marokko mit Dauerdruck Es dauerte nicht lange, bis Marsch gestenreich an der Seitenlinie verzweifelte. Der Trainer der Kanadier - Typ: Showman - beobachtete zwar, wie sein Team die Marokkaner früh und intensiv unter Dauerdruck setzte und den Favoriten mit dieser körperlichen Omnipräsenz sichtbar überforderte. Doch es gab einen entscheidenden Haken: Der Co-Gastgeber der WM ließ beste Chancen ungenutzt. Die größte hatte Tani Oluwaseyi, bei dem der Ball - nach einem Katastrophen-Fehlpass im Mittelfeld - an der Strafraumgrenze landete. Seine Drehung war ebenso elegant wie irritierend für die Gegenspieler, aber Marokko-Keeper Bono rettete stark (10.). Zuvor hatte es Jonathan David schon aus spitzem Winkel probiert (5.), danach köpfte Alistair Johnston nach einer Ecke sehr freistehend einen Gegenspieler an (18.). Topstürmer Saibari muss verletzt raus Die Nordafrikaner waren nicht im Spiel und mussten dann auch noch einen personellen Schock verdauen: Der in diesem Spiel noch wirkungslose Topstürmer Ismael Saibari lag am Boden, fasste sich an den Oberschenkel und schnell war klar, dass es für den Bayern-Neuzugang nicht weitergehen wird (20.). Eine unglückliche Drehung ohne Gegnereinwirkung vergrößerte akut die Sorgen der Marokkaner in Houston und womöglich perspektivisch auch die der FCB-Bosse an der Säbener Straße. Im Spiel passierte nun zusehends weniger. Saibari-Ersatz Rahimi zog aus der zweiten Reihe ab - Kategorie: Schüsschen (28.). Eine Szene, die hier nur Erwähnung findet, weil es der einzige Versuch der Marokkaner in der ersten Hälfte bleiben sollte. Doch auch Kanadas anfängliche Offensiv-Power ließ nach. So brauchte es schon eine Rudelbildung nach einem Hakimi-Schubser, um für einen Hallo-Wach-Moment in einer immer schleppenderen Partie zu sorgen (40.). Ounahi trifft völlig frei zur Marokko-Führung Nach der Pause hatte der Langeweile-Modus schnell ein Ende. Denn das bis dahin so harmlose Marokko traf. Möglich machten das die Kanadier, die bei einem Freistoß von Achraf Hakimi Azzedine Ounahi zentral am Sechzehnmeterraum völlig vergaßen. Was folgte? Ein unkomplizierter, wenn auch gut getimter Pass des Ex-Dortmunders an die Strafraumkante, ein präziser Abschluss Ounahis aus 18 Metern ins rechte untere Eck - und plötzlich stand es 1:0. Die Marokkaner führten, ohne auch nur einen Torschuss im Strafraum abgegeben zu haben. Kanada mühte sich in der Folge, offensiv wieder gefährlich zu werden. Ohne Erfolg. Und Marokko versuchte, schnell umzuschalten. Zu unpräzise. Erst in der 79. Minute kam Kanada wieder zu einer aussichtsreichen Chance: Tajon Buchanan scheiterte aus der Distanz an Bono. Es war gleichzeitig auch die letzte Möglichkeit, bevor Marokko das Spiel entschied. Und wieder jubelte Ounahi. Endlich waren die Nordafrikaner mal nicht schludrig im Konterspiel. Über Brahim Diaz gelangte der Ball zum 26-jährigen zentralen Mittelfeldspieler, der Maxime Crepeau im kanadischen Tor keine Chance ließ. Der erste Torschuss im Strafraum brachte das 2:0 (82.). Als Kanada seine Abwehr zunehmend auflöste, erzielte Rahimi nach einem weiteren Konter noch das 3:0 (90.+8). Marokko nun gegen den Topfavoriten? Auf Marokko dürfte nun bereits im Viertelfinale die wohl schwerste Aufgabe des Turniers warten. Stolpert Topfavorit Frankreich am späten Abend (23 Uhr MESZ) im heißen und stürmischen Philadelphia nicht - völlig überraschend - auch gegen Deutschland-Bezwinger Paraguay, sind Mbappé, Olise und Co. in Boston (9.7., 22 Uhr MESZ) der nächste Gegner der Nordafrikaner. Es ist ein Duell, an das es noch frische WM-Erinnerungen gibt. 2022 stürmte Marokko in Katar mit Siegen gegen Spanien (Achtelfinale) und Portugal (Viertelfinale) als erste afrikanische Mannschaft überhaupt unter die letzten Vier - und verlor gegen Frankreich unglücklich mit 0:2. Es gibt nicht wenige Experten, die sagen, die "Löwen vom Atlas" seien seitdem noch gefährlicher geworden. Zumindest eine Hälfte lang war davon gegen Kanada gar nichts zu sehen.