WM 2026: Nusa und Haaland schreiben Geschichte für Norwegen
Über 88 Jahre war es bis zur Führung von Nusa her, dass Norwegen am 5. Juni 1938 seinen bisher einzigen Treffer in einer WM-K.o.-Runde erzielt hatte. Der Außenstürmer von RB Leipzig schrieb also Geschichte für sein Land - und er machte das auf eine außergewöhnlich schöne Art. Von der linken Seite dribbelte Nusa an, er wurde nicht wirklich angegriffen, aber machte zwei, drei entscheidende Finten, die ihm einen Schlenzer Richtung langes Eck ermöglichten, der genau im langen Eck im Winkel landete - ein absolutes Traumtor (39.). Und ein auch sportlich ganz wichtiges im Kampf ums Achtelfinale, leitete es doch den historischen Erfolg ein. Zuvor hatten sich Norwegen und die Elfenbeinküste ein intensives Spiel mit ganz wenigen Höhepunkten geliefert. Haaland war gut abgemeldet worden, er kam nur zu zwei harmlosen Kopfballchancen (3./37.) und auf der anderen Seite konnte Yan Diomande nicht glänzen, kleinere Gelegenheiten gab es für Ghislain Konan (21.) und Nicolas Pépé (28.). Dann kam der große Nusa-Moment und die Partie lebte auf, Haaland und Alexander Sörloth (beide 42.) verpassten große Chancen zum zweiten Treffer, Emmanuel Agbadou (45.+2) vergab die Möglichkeit zum Ausgleich. Diallo rettet Elfenbeinküste hinten und vorne Das passierte auch Pépé in der 55. Minute, als eine abgeblockte Flanke genau vor seinen Füßen landete, sein Schuss aber zu unplatziert war und Örjan Nyland so parieren konnte. Der Ausgleich der Ivorer wäre mittlerweile verdient gewesen, aber es zeigte sich wieder, dass ihre Stärke nicht unbedingt in der Torerzielung liegt. In der Gruppenphase hatten auch lediglich vier Treffer gereicht, um sechs Punkte zu holen. Dann hatte die Elfenbeinküste das ganz große Glück, dass Norwegen einen Matchball liegen ließ. Nach einem Eckball kam Torbjörn Heggem aus vier Metern frei zum Abschluss, aber traf Amad Diallo auf der Linie und vergab so die bis zu diesem Zeitpunkt mit Abstand größte Chance des Spiels (67.). Hinten rettete der Profi von Manchester United, dann drehte er offensiv richtig auf. Nach einem Doppelpass lief Diallo im Höllentempo durch die Norwegen-Defensive und versenkte den Ball im langen Eck (74.). Kein Elfmeter für Elfenbeinküste, dann der Haaland-K.o. Der Gruppengegner der ausgeschiedenen deutschen Nationalmannschaft war plötzlich am Drücker und wollte wenige Minuten nach dem Ausgleich einen Elfmeter haben. Andreas Schjelderup traf Pépè an der Fußsohle, doch Schiedsrichter Jesus Valenzuela pfiff nicht und bekam auch keinen Hinweis aus dem Videoraum (78.). "Der Kontakt war nicht unerheblich, es hat schon für ganz andere Dinge Elfmeter gegeben. Da hat Norwegen Glück gehabt", sagte Sportschau-Schiedsrichterexperte Lutz Wagner. Und der nicht gegebene Strafstoß rächte sich für die Ivorer. Mit einem herausragenden Angriff bekamen die Norweger Haaland endlich in die Position, in der sie ihren Ausnahmestürmer haben wollten. Patrick Berg machte seinem Kollegen schließlich das Leben sehr einfach, aus fünf Metern musste Haaland den Ball nur noch über die Linie ins leere Tor drücken. Sein 60. Länderspieltor im 53. Spiel könnte eines der einfachsten gewesen sein. Aber gleichzeitig auch das Wichtigste, denn es sorgte dafür, dass Norwegen zum ersten Mal ein K.o.-Spiel bei einer WM gewann. 1998 hatten es die "Wikinger" schon mal ins Achtelfinale geschafft (abgesehen von 1938, als es mit der Runde losging), damals war das aber die erste Station nach der Gruppenphase. Nun hat Norwegen dank Nusa und Haaland erstmals auch nach der Gruppe jubeln dürfen. Damit soll der Weg natürlich nicht enden, am Sonntag (22 Uhr MESZ) soll er gegen Brasilien noch weitergehen.