DAX +0,41 % 26.440,31 Pkt 18:00:00 MDAX +0,40 % 32.464,39 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,09 % 6.539,59 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,07 % 53.732,41 Pkt 22:41:05 S&P 500 +0,48 % 7.785,76 Pkt 22:39:27 Nasdaq +0,53 % 26.729,16 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,59 % 68.713,80 Pkt 08:45:03 Gold +1,69 % 4.437,30 USD 23:00:00 Silber +0,36 % 65,11 USD 22:59:58 Brent +1,67 % 88,52 USD 22:59:58 WTI +1,42 % 82,40 USD 22:59:59 Bitcoin -0,08 % 62.976,16 USD 04:05:30 EUR/USD +0,37 % 1,15730 USD 23:29:57 EUR/GBP +0,11 % 0,85480 GBP 00:09:58 EUR/CHF +0,34 % 0,94060 CHF 23:29:57 EUR/JPY +0,38 % 184,365 JPY 23:29:57

WM Aachen: Lottie macht's nochmal

Sport

23:33 Uhr Zitate aus der Pressekonferenz: Die gesamte Kür war das großartigste Gefühl der Welt. Glamie geht da rein. Keiner von uns schwitzte, keiner hatte einen schweren Atem. Es war so laut, krank., Glamie dachte, dass ist alles für ihn. Ich habe immer Angst vor Isabell. Ich weiß, was sie zu leisten im Stande ist. Lottie Fry (GB) In diesen Vibe hineinzureiten, Wahnsinn, Sie hat keinen Huf falsch gesetzt. Dieses Publikum – das war einfach wow! Cathrine Laudrup-Dufour (DEN) Bei diesen Bewertungen – 90 Prozent, 88 Prozent … – da gab es nur eine Möglichkeit: Vorwärts! Isabell Werth (GER) 23:23 Uhr Fazit Lottie Fry gewinnt ihren zweiten Einzeltitel bei den Dressur Weltmeisterschaften in Aachen. Ihre Kür mit Glamourdale hat ihr die Goldmedaille beschert. Unangefochten. 91,907 Prozent waren deutlich. Nur eine von sieben Richterinnen und Richter sah das Paar auf Platz zwei. Silber ging an die Dänin Cathrine Laudrup-Dufour und Freestyle, die damit weiterhin auf ihren ersten Einzeltitel warten muss. Mit 91,326 Prozent war dieses Paar das einzige, das nah dran war an der neuen (und alten) Weltmeisterin. Bronze ging an Isabell Werth und Wendy. Sie waren eines von drei Paaren in der „Verfolgergruppe“. 88,65 Prozent bekam die Kombination, das ist die vierte WM-Bronzemedaille, die zweite in der Einzelwertung für Werth. Insgesamt hat Werth auf Championaten sieben Bronzemedaillen gewonnen. Die Richter sahen sie auf den Platzziffern zwei bis fünf. Justin Verboomen (BEL) rangierte knapp dahinter (88,439). Deutschland schließt damit die Dressur-WM mit der Mannschaftsgoldmedaille und den zwei Bronzemedaillen von Katharina Hemmer und Isabell Werth ab. 22:50 Uhr Isabell Werth (GER) Wendy de Fontaine „Stumblin in“, von DJ CYRIL unlängst ausgemottet und in den 1970er Jahren von Suzie Quattro und Chris Norman in die Charts geträllert erklingt zu Passagen nach dem Gruß. Eine eilige Trabverstärkung auf der Mittellinie. Dann klar abgesetzte Passage-Traversalen zu Kenny Roger und Dolly Partons Schmachtfetzen „Islands in the stream“. Dann die erste Piaffe mit 90-Grad-Wendung, daraus Passage-Traversale nach links und Trabtraversale nach rechts. Gleichmäßig akzentuierte Piaffen und Passagen. Im Schritt mit langem Hals ergiebig schreitend im hinteren Teil des Vierecks. Streicher und dann – endlich – mit samtener Stimme vorgetragen, „Mandy“, bzw. „Wendy“ von Barry Manilow zu Galopptraversalen im Zick-Zack und ein ergiebiger starker Galopp. Fehler in den Zweierwechseln, das Publikum raunt. Die Einerwechsel sind fehlerfrei aber kurz gesprungen. Die Trabverstärkung zum Abschluss ist gelaufen. In der letzten Minute zelebriert Werth dann die Piaffe und Passage-Möglichkeiten der dänischen Stute, die sie Ende 2023 von Andreas Helgstrand übernommen hat. Zu „Stumblin in“ geht es zum großen Finale in eine 360 Grad Piaffe-Pirouette. 88,65 Prozent – das ist die Bronzemedaille, knapp vor Justin Verboomen und Zonik Plus 22:36 Uhr Carl Hester (GBR) Fame Carl Hester lässt zunächst den Rocker raus, dann Passage-Traversalen zu David Bowies „Let’s dance“. Der Bordeaux-Sohn marschiert eifrig durchs Viereck. Auch zum Schritt schallt David Bowies Stimme durchs Stadion. Dem Schritt wünschte man mehr Losgelassenheit. Mit „Starman“ geht es im Galopp weiter. Doppelte Pirouetten werden mit dem kehligen „Grund control to Major Tom“ unterlegt. Die Serienwechsel gelingen. Leichter Schwungverlust in einer Pirouette. Immer wieder mal reitet Hester Serienwechsel, mal vorn im Viereck, dann wieder hinten. Zu „Fame“, dem Bowie-Song, nicht dem Film, will der Übergang in die Piaffe zunächst nicht gelingen. Aber am Ende ist es dann wieder „Let’s dance“ zu Passagen und Piaffen. Und am Ende steht Fame wie ein Baum. 82,304 Prozent 22:25 Uhr Cathrine Laudrup-Dufour (DEN) Mount St John Freestyle Passage die Mittellinie hinauf, Piaffe-Pirouette mit 90-Grad-Wendung „All together now“ zu Pasage-Traversalen. Da sind sie wieder, die 80er Jahre. Anschließend lebhafte Traversalen im versammelten Trab und ein wunderbarer starker Trab über die Diagonale. „Together forever“ von Rick Astley zru den Traversalverschiebungen. Was für ein starker Schritt – unter Flutlicht! Und dieses federleichte Anpiaffieren. In die Galopppirouette schwebt das Paar förmlich hinein, danach erstmal starker Galopp. Sehr ausbalancierte und zentrierte doppelte Galopppirouette. Zweierwechsel auf der Diagonalen, da klingt „Sledge Hammer“ kurz an. Sichere Einerwechsel, „Together“, Kylie Minogue, zu Galopptraversalen. Harmonie ist die Überschrift. Im starken Trab zündet Cathrine Laudrup Dufour noch mal einen Turbo. Als d´ann in einer Piaffe-Pirouette Starships „Nothing’s gonna stop us now“ erklingt, der weltweite Hit aus dem Jahr 1987, bricht der Applaus los. Weltweit Nummer eins war der Song – passt ja inhaltlich zu einer Weltmeisterschaft. 91,236 Prozent 22:14 Uhr Charlotte Fry (GBR) Glamourdale Tischchen hochgeklappt? Angeschnallt? Herzlich Willkommen an Bord von „Glamourdale Airlines“. Die Kür mit Musiktiteln rund ums Thema fliegen Damit hat sie in Amsterdam die Kür mit 89,305 Prozent gewonnen. Mal sehen, wie es heute für die frischgebackenen Weltmeister läuft. Latino-Rhythmen, dazu eine Bordansage: „Welcome aboard Glamourdale Airlines, enjoy the flight“. „We are going to Ibiza“, erklingt, scheintr sich also um einen Ferienflieger zu handeln. Passagen und weitestgehend fleißige und gleichmäßige Piaffen zeigt das Paar zum Auftakt. Starker Trab, dann neuer Musiktitel, Las Vegas lässt grüßen, „Fly Me to the Moon“ zu geschmeidigen Traversalen im Trab. Erneuter Musikwechsel, wieder zurück nach Ibiza, wieder Passage und eine 180 Grad-Drehung-Piaffe- daraus Schritt und gezupft erklingt dazu „Leaving on a Jet Plane“. Losgelassen, schreitend – toll. Räumende Galopptraversalen, „Fly like an eagle“ zu Zweierwechsel über die Diagonale. Dopplete Pirouette und starker Galopp „Leaving on a Jet Plane“. 15 Einerwechsel auf der Diagonalen, auch recht konservativ in Sachen Choreographie, aber technisch sicher, bergauf und gerade, Dann Übergang von Zweier- in die Einerwechsel auf der nächsten Diagonale. Abschluss: der Übergang zum Trab. „We are going to Ibiza“ – zu Passage-Traversalen. Das Publikum springt teilweise von den Plätzen auf. Perfekt auf den letzten Taktschlag hält das Paar vor den Richtern. 91,907 Prozent eine Vorentscheidung 22:02 Uhr Justin Verboomen (BEL) Zonik Plus Bislang waren diese Weltmeisterschaften nicht das Turnier dieses Paars, das 2025 die Welt im Sturm genommen hatte. Und jetzt? Unter Flutlicht? Schwarzer Hengst, Piaffetalent – das funktioniert doch eigentlich immer … Die Piaffen, schon früh mit 270-Grad-Drehung, gelingen besser als in Grand Prix und Grand Prix Special. Satte Streicher begleiten die Traversalen des Paars. Die Passagen federn. Aber selbst in den Piaffe-Pirouetten mogelt sich immer wieder ein Tritt des Hinterbeins dazwischen, der nach rückwärts weist. Und das möchte man gar nicht sehen. Im Schritt kommt der Rapphengst zum Schreiten, auch der versammelte Schritt auf der Mittellinie ist taktischer. Vor den Richtern piaffiert Verboomen an, geht in eine Piaffe-Pirouette, aus der heraus er in den Galopp übergeht. Anschließend starker Galopp. Das Paar sieht heute besser aus als in den beiden ersten Prüfungen. Zweierwechsel auf der Zirkellinie. Jetzt überwiegt das Piano in der Orchestrierung. Der Belgier zeigt ausreichend viele Einerwechsel, allerdings „nur“ auf einer geraden Linie. Am Ende der Galopptour pariert er aus der Pirouette in eine Piaffe durch und passagiert einhändig auf der Mittellinie bis vor die Richterhäuschen an der kurzen Seite. Das Publikum ist begeistert. 88,439 Prozent 21:50 Uhr Marieke van der Putten (NED) Zantana RS2 Old N.O.P. Virtuoses Piano zum Einreiten und auch nach Passage, Piaffe mit Richtungswechsel und Traversale. Das ist eine Visitenkarte in den ersten 20 Sekunden. Zantana, die Oldenburger Stute, die auf Paul Schockemöhles Gestüt Lewitz zur Welt gekommen ist, ist das zweite von drei Pferden, das von Zonik abstammt. Die mit ihrer Mechanik glänzende Stute geht taktischeren Schritt nach dem Auftakt im Trab. Im Galopp stehen zunächst Pirouetten und Zweierwechsel auf gebogener Linie auf dem Programm. Danach geht es vorwärts über die Diagonale in die nächste doppelte Pirouette. Die Einerwechsel danach auf gerader Linie. Übergang aus dem Galopp in die Passage. Dann eine 360-Grad-Piaffe bei X und unter dem Applaus des Publikums in der Passage bis vor die Richter. Die Musik vom Orchester aus einem Guss, dafür nicht mit den letzten (positiven) Überraschungsmomenten. Gute Raumaufteilung, aber viele Diagonalen, man könnte sagen, „etwas konservativ“. 82,693 Prozent – bislang Platz zwei. 21:26 Uhr Daniel Bachmann Andersen (DEN) Flash Gordon Guter Grand Prix, im Grand Prix Special dann etwas unter Form – der Däne Daniel Bachmann Andersen und der Oldenburger Flash Gordon müssen eine kleine Scharte auswetzen. Das gelingt ihnen zum Auftakt, in der der Fuchs viel passagiert, abee auch Piaffe-Pirouetten zeigt. Und alles, was sonst noch so an Zweitakt-Lektionen zu präsentieren ist. Interessant: Der versammelte Schritt gelingt unter Flutlicht beinahe besser als Im Grand Prix Special. Im Galopp setzt sich das fort, was schon zuvor als Konzept zu erkennen war. Konzentriertes Reiten. Highlights herausgearbeitet – beispielsweise die Galopppirouetten, keine verrückten Abfolgen. Dass doch noch etwas Spannung in dem Fuchs steckt, zeigt sich in den Einerwechseln, die zunächst locker beginnen. Aber dann muss Daniel Bachmann Andersen ganz schön arbeiten, um sie noch zu retten. Das klappt nicht – Fehler. Insgesamt muss der Däne häufiger deutlich mit der Hand einwirken, ist aber bemüht immer wieder die Hand auch wieder vorzubekommen. Die 360-Grad-Piaffe-Pirouette vorm Schlussgruß, schwingend und balanciert, zeigt aber, was da alles noch zu erwarten ist von diesem Paar. Es war die dritte Kür des Pferdes. 80,107 Prozent 21:16 Uhr Maria von Essen (SWE) Invoice Er ist einer der letzten Jazz-Söhne im Sport und erzeigt das, wofür der Stempelhengst der niederländischen Zucht immer gestanden hat: Talent für Piaffen und Passagen. Aber fein geritten, nicht mechanisch, sondern mit schwingendem Rücken. Eine Piaffe-Pirouette mit gesenkter Kruppe plus Richtungswechsel geht in einen starken Trab über. Die Traversalverschiebungen elastisch und gleichmäßig. Die Musik ist aus einem Guss, orchestral. Mal wuchtiger in den schwungvollen Gangarten, dann zart – Piano, Streicher, zum Schritt. Klänge aus dem Musical Les Miserable zum Galopp. In der Pirouette nur ein glockenklarer Sopran ohne instrumentale Unterstützung. „Do you hear the people sing?“ Technisch zu bemerken: In den Zweierwechseln wirft der Rappe die Kruppe mehrfach hoch. Eine Pirouette reitet Maria von Essen mit mehr als den zulässigen zwei kompletten Drehungen. Deswegen liefen die Richtern zusammen. Da muss die Jury erstmal zusammenkommen. Das gibt massive Abzüge. Nicht nur für die Pirouette (nicht mehr als 5,5), sondern auch für die Choreographie – schade. Schönes Kürreiten ohne Effekthascherei und toll, dass auch eine Frau ohne Millionenhintergrund hier in Aachen vor mehr als 40.000 Zuschauern ihre Reitkunst zeigen kann. Nach den Abzügen: 72,168 Prozent 21:05 Uhr Becky Moody (GBR) Jagerbomb Ob sich Becky Moody das ausgemalt hat, als der Dante Weltino-Sohn Jagerbomb bei ihr zur Welt kam vor zwölf Jahren? Wohl kaum. Was für ein Weg. Erst wollte sie das hässliche Entlein verkaufen. Jetzt ist er Weltcupsieger und im Finale der Weltmeisterschaft. „Sergeant Pepper‘s Loneley Heart Club Band“ – die Beatles zu Pirouetten und diversen Serienwechseln. Galopp zum Auftakt, gute Idee! Dann „All you need ist love“ und es geht nach einer ersten Piaffe im starken Trab, mit Traversalen – auch hier im Wechsel von versammeltem Trab und Passagen, die dann in eine Piaffe übergehen – weiter („With a little help of my friends“). Dann ein inhaltlicher Fehler, aber nur musikalischer Natur: „Here comes the sun“, singen die Fab Four, dabei geht die Sonne gerade unter. Naja,wir wollen nicht kleinlich sein. „Love me do“ zu weiteren Trabtraversalen. Die Selbstverständlichkeit, mit der Jagerbomb die Lektionen hintereinander abspult, da ist begeisternd, das ist Tanz. Plötzlich wieder Galopp. Aus dem Zirkel wechseln mit zunächst Zweierwechseln und dann, nach X, Einerwechseln – Szenenapplaus. Diese beiden zeigen, was Harmonie ist. Als sie dann in eine Fächerpiaffe zu „Twist and Shout“ übergehen und zu „I want to hold your hand“ im starken Trab zum Schlussgruß marschieren, flippt das Stadion aus. 87,479 Prozent 20:55 Uhr Raphael Netz (GER) Great Escape Camelot Großer Begrüßungsapplaus für Raphael Netz und „Camelot“. Im Schritt kommen die beiden ins Stadion. Zweimal „Personal Best“ haben die beiden in Aachen ins Viereck gebracht. „Drachen zähmen leicht gemacht“, die keltisch angehauchte Filmmusik, untermalt Passagen mit viel Aushaltmoment. Ein roter Sonnenball über dem Stadion unterstreicht die Vorstellung der beiden. Ein Highlight: der Wechsel zwischen Traversalen im versammelten Trab und in der Passage. Letztere münden in eine Piaffe-Pirouette vor den Richtern. Im starken Schritt kann „Raphi“ die Züngel lang lassen. Doppelte Pirouette und anschließender starker Galopp auf der einen, Zweierwechsel und Pirouette auf der folgenden Gegendiagonale. Raumaufteilung passt! An der kurzen Seite bei A gibt Camelot dann einmal kurz Gas. Die Einerwechsel sind fehlerfrei, schwanken aber stark. Am Ende dann noch einmal die Paradelektion des KWPN-Wallachs: die Passage. 80,946 Prozent – das ist aktuell die Führung! 20:43 Uhr Nadja Aaboe Sloth (DEN) Favour Gersdorf Eine klassische Piaffe, gesetzt und fleißig, folgt auf den Gruß zu Beginn des dänischen Duos. Xylophon plus Beats und etwas Sythesizer, dazu Schlagzeug für Traversalen in der Passage und im versammelten Trab. Daraus dann starker Schritt auf der Zirkellinie. Jetzt darf auch mal ein Saxophon die Piaffe-Pirouette begleiten, aus der eine Galopppirouette entwickelt wird. Weiter geht’s mit Zweierwechseln. Das Pferd schlägt nicht einmal mit dem Schweif. (Vielleicht auch, weil dem Wallach etwas schwindelig ist, denn jede Pirouette hat mehr als eine Umdrehung). Der Übergang von Zweier- zu Einerwechseln misslingt. Aber das ist auch der einzige Patzer. Passagen, Piaffen und Applaus bis zum Ende. Harmonisches Reiten. Kein Lampenaustreter, aber ein so fein gerittenes Pferd, das man gerne mal im Sattel Platz nehmen möchte. Beim Debüt bei einer Weltmeisterschaft gibt es dafür: 79,386 Prozent 20:31 Uhr Sandra Sysojeva (POL) Maxima Bella Französische Chansons für das polnische Paar, das auch im Olympischen Kürfinale stand. Piaffen und Passagen, die die Millennium-Tochter wie eine aufgezogene Spieldose abwickeln kann, stehen im Vordergrund zu Beginn der Kür. Ein etwas schroffer Übergang (musikalisch) zu „Mr Sandmann, bring me a dream“ mit markanten Bläsern kündigt starken Trab und später recht unvermittelt Traversalen an. Der Schritt ist nicht immer klar im Viertakt. Die Freude an unverhofften Musikwechseln ist bestimmend für diese Kür. Da wünschte man sich, dass das Orchester auch mal ein paar Sekunden länger spielen dürfte. Lektionssicher ist die Stute. Doppelte Pirouetten gefolgt von fehlerfreien Serinewechseln. Am Ende ein Pizzicato und eine Fächerpiaffe, dann in der Passage die Mittellinie hinunter bis X. Das erste Mal klatscht das Publikum auf der letzten Linie im Takt mit. Erster Eindruck: Musikstücke, die für zwei Küren reichen würden. Technisch sicheres Pferd. 80,175 Prozent, von einem Richter 77 Prozent – da pfeift das Volk. 20.04 Uhr Isabel Freese (NOR) Total Hope OLD Der Sohn von Isabell Werths Weihegold und Totilas, Zehnte bei den Olympischen Spielen von Paris in der Kür. Isabel Freese hat den Rapphengst ausgebildet. Jetzt WM-Finale. Starker Trab aus dem Gruß, dazu Piano. Und schnell der Wechsel zur Passage begleitet von einem dezent agierenden Rapper. Passage kann der Rappe. Geradeaus mit genau so viel Ausdruck wie in der Traversale. Die zeigt die Norwegerin auch mit viel Kreuzen im versammelten Trab. Dann ein Schreckmoment: Der Rappe springt kurz nach einer Piaffe an der kurzen Seite kurz weg. Aber schnell haben die beiden wieder zueinandergefunden. Die hohen Noten aus dem ersten Drittel kann das Paar im Schritt nicht halten. Im Galopp kommt ganz früh eine Pirouette, dann starker Galopp, Zweierwechsel. Traversalen und ähnliche Abfolgen wie auf der rechten Hand anschließend auf der linken. Schnurgerade Einerwechsel – mit über Acht bewertet. Zum Abschluss aus der Linkspirouette (Galopp) in eine Piaffe-Pirouette und Passagen mit Piaffe-Pirouetten zum Richtungswechsel. Hier erinner der Rapphengst von Paul Schockemöhle an beide Elternteile. Komplexes Programm, harmonische Abfolgen, schöne Choreographie und auch einiges an Schwierigkeiten. 78,021 Prozent 19:55 Uhr Frederic Wandres (GER) Bluetooth OLD Willkommen in den 1960er Jahren: Die Beatles „Love, love, love“ zum Einreiten. Dann aber 80er Jahren „I want to know what love is“, Foreigner, zur ersten Piaffe, die etwas Übergewicht nach vorn hat. Passagen und Traversalen im Wechsel von versammeltem Trab und Passage sowie starker Trab bestimmen das erste Drittel dieser Kür. Dabei ist das Paar überall im Viereck aktiv. „Everlasting love“ für den sicheren Schritt auf der Diagonalen. Dann Galopp. In den Zweierwechseln kommt es zu einem Fehler. Doppelte Pirouette, daraus Galopptraversalen. Die Rechtspirouette recht groß angelegt. Schnurgerade Einerwechsel auf der Mittellinie. Hierzu der Motown-Klassiker „What becomes of the broken hearted“. Die Jokerlinie nutzt Wandres für die Zweierwechsel und die gelingen diesmal richtig gut. Dann Trab, wieder Beatles, und dazu eine 360-Grad-Piaffe-Pirouette. Kleiner Fehler in der Galopptour, aber am Ende alle Emotionen des vollbesetzten Stadions erreicht. 76,246 Prozent 19:43 Uhr Simone Pearce (AUS) Will Marq Gestern hat Simone Pearce erfahren, dass sie in der Kür dabei ist. Darauf war die Freundin von Springreiter Martin Fuchs nicht eingestellt. Über Nacht wurde eine Kür zusammengeschustert. Will Marq geht sie das allererste Mal. Zum Üben mit ihm war ja keine Zeit. Nach dem Gruß starker Galopp diagonal auf die Richter zu. Gute Raumaufteilung. Trommelschläge und etwas sphärisch anmutende Gesänge untermalen äußerst rhythmische Piaffen im Wechsel mit Passagen und Traversalen. Dann und wann übernehmen die Streicher das Kommando. Aus der Piaffe starker Schritt. Auch dieses noch im Grand Prix Sport relativ unerfahrene Pferd schreitet gelassen. Die niedrigstehende Sonne lässt das Paar einen großen Schatten werfen. Auf Zweierwechsel folgt eine Galopppirouette. Wie die Zweier- so auch die Einerwechsel auf nicht ganz gerader Linie. Zum Abschluss eine schon recht ausgereifte 360-Grad-Piaffe-Pirouette. Toll nicht nur, wie Simone Pearce eine solche Kür aus dem buchstäblichen Nichts hat zaubern können. Und wie schön der Braune über den Rücken arbeitet. 75,646 Prozent 19:32 Uhr Dinja van Liere (NED) Mauro Turfhorst N.O.P. Das mit neun Jahren jüngste Pferd der Weltmeisterschaft hat schon zwei tolle Runden geliefert bei dieser Weltmeisterschaft. Whitney Houstons „It‘s not right, but it’s okay“ ist der erste Hit, dazu Passage. Geschmeidig ausgeführt, dann gleich eine Piaffe-Pirouette mit 90-Grad-Richtungswechsel. In den Piaffen sieht man manchmal ein wenig, dass der schicke Hengst, ein Zonik-Sohn, die dritte Prüfung geht. Übergang aus der Trabtraversale in den versammelten Schritt, anschließend dann ein entspannter starker Schritt. Ellie Golding, „Love me like you do“. Dann Galopp „Bring me a higher love“, Kygo. Zweierwechsel, klassisch auf der Diagonalen. Einerwechsel dazu Pink „What about us“. Zick-Zack-Traversalen in der Passage zum Abschluss. Der Schweif pendelnd, alles geschmeidig. Fazit: Häufige Musikwechsel, aber ein neunjähriges Pferd, das nicht übermäßig forciert vorgestellt wurde. Im Gegenteil – das, was dem Schönling leicht fällt, geschickt präsentiert, ohne zu viel „Kringelei“. Ein Zukunftspferd! 79,00 Prozent 19.21 Uhr Larissa Pauluis (BEL) Flambeau Ganz anderes Kaliber, das wird schon zum Auftakt deutlich Gleich zu den Eurythmics eine Piaffe-Pirouette und eine Passage-Traversale zum Auftakt. Mit dieser Kür hat Larissa Pauluis die Weltcup-Entscheidung in Neumünster gewonnen. Gute Raumaufteilung in den Trablektionen. Sehr entspannter starker Schritt zu den Communards „Don’t leave me this way“. Galopp, auch gleich eine Pirouette, dann direkt Zweierwechsel, U2, „Bloody Sunday“ – hach, die 1980er Jahre. (Die Sturm und Drangzeit auch von Fachredakteuren). Einerwechsel auf gebogener Linie. Präzise zur Musik: starker Galopp, gefolgt von einer Pirouette, auf beiden Händen. Passage-Traversalen mit Piaffe-Pirouetten zum Richtungswechsel zum Abschluss. Da dröhnt „In the name of love“ aus den Lautsprechern. Kreativ, technisch komplex. Musik mit einem Thema. Das gefällt dem Publikum. Und auch den Richtern, zumindest ein bisschen: 76,432 Prozent 19.09 Uhr Henri Ruoste (FIN) Tiffanys Diamond v. Tailormade Temptation Wuchtige Filmmusik. Orchester meets E-Gitarren. Top Gun, Tom Cruise lässt grüßen. Technisch ein nicht zu anspruchsvolles Programm. Eine nette Idee: Außengalopp an der kurzen Seite. Ausdrucksstarke Piaffen, korrekt auf dem Punkt ausgeführt. 75,468 Prozent 18.55 Uhr Gleich geht es los. 18 Paare. Und hier nur noch einmal für den Hinterkopf die Bewetungskategorien. Es gibt eine A- und eine B-Note. Die A-Note für den technischen Wert, die B-Note für den künstlerischen Eindruck: A-Note Folgende Lektionen müssen gezeigt werden: Versammelter Schritt (Minimum 20 m) Starker Schritt (Minimum 20 m) Trabtraversale rechts versammelter Trab Trabtraversale links versammelter Trab Starker Trab Traversale rechts versammelter Galopp Traversale links versammelter Galopp Starker Galopp Fliegende Galoppwechsel zu zwei Sprüngen (Minimum 5 am Stück) Fliegende Galoppwechsel von Sprung zu Sprung (Minimum 9 am Stück) Galopppirouette rechts – Koeffizient zwei Galopppirouette links – Koeffizient zwei Passage (Minimum 15 m auf einer Hand) – Koeffizient zwei Piaffe (Minimum 10 Tritte auf gerader Linie) – Koeffizient zwei Übergänge von Passage zu Piaffe und von Piaffe zu Passage Grüßen zu Beginn und zum Abschluss der Prüfung (eine gemeinsame Note) B-Note Takt, Energie und Elastizität – Koeffizient vier Harmonie zwischen Reiter und Pferd – Koeffizient vier Choreographie, Raumaufteilung im Viereck,Einfallsreichtum – Koeffizient vier Schwierigkeitsgrad – Koeffizient vier Musik un Interpretation der Musik – Koeffizient vier Für technische Fehler werden 0,5 Prozent pro fehlerhafte Lektion abgezogen. Zeitfehler gibt es auch: Bei Zeitüber- oder -unterschreitung: Abzug von 0,5 Prozent der gesamgten B-Note.

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