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WM Aachen Vielseitigkeit: kurzer Schreckmoment, aber alle deutschen Pferde durch die Verfassung

Sport

Die Verfassungsprüfung für die Vielseitigkeitspferde fand – anders als in den anderen Disziplinen – nicht direkt am Stall, sondern im Stadion 2 statt. Dort wird ab morgen auch Dressur geritten. Für die Verfassungsprüfung wurde vor der Tribüne ein geschotterter „Runway“ angelegt, um den geforderten harten Untergrund herzustellen und den Zuschauern ungehinderten Blick auf die vierbeinigen Stars zu gewähren. In Form waren sie alle – die Muskeln straff, das Fell auf Hochglanz, das Langhaar seidig und die Hufe glänzend. Die gute Nachricht zuerst: Alle Pferde haben bestanden, inklusive der des deutschen Teams. Schreckmomente Malin Hansen-Hotopp mit Quidditch, Christoph Wahler mit D’Accord, Michael Jung mit Chipmunk – sie trabten alle gehorsam und munter die Schotterpiste rauf und runter. Olympiasieger Chipmunk zeigte mit einem fröhlichen Bocksprung am Ende, dass er mit seinen 18 Jahren fit wie eh und je ist und richtig Lust auf das hat, was nun kommt. Einen übermütigen Hüpfer machte auch Julia Krajewskis Nickel, als das Signal „passed“ von den Richtern kam. Allerdings rutschte er bei der Landung auf dem Rasen hinter dem Schotterstück weg, verlor die Beine und landete kurz auf der Seite. Im nächsten Moment stand er aber schon wieder und marschierte gen Ausgang. Ob etwas passiert ist? „Ich denke nicht“, sagte seine Reiterin. Da denken nicht genug ist, hat die Teamtierärztin Cosima von Saldern sicherheitshalber kontrolliert, ob dem wirklich so ist. Sie hat grünes Licht gegeben. Die Mission WM kann anlaufen für Nickel. Und auch für Caramia von Libussa Lübbeke, obwohl die Richter hier nicht sofort das erlösende Signal „passed“ gaben, sondern die 16-jährige Stute aus der familieneigenen Zucht der Lübbekes in die Holding Box schickten. Wenige Minuten später durfte sie noch einmal vortraben und diesmal wurde sie durchgewunken. Libussa sagte: „Ich habe mich sehr gewundert. Für uns war es zweifellos, dass das Pferd gesund ist, was dann ja auch bestätigt wurde. Aber man muss alles mal erlebt haben. Warum dann nicht auf einer WM?“ Eine rhetorische Frage. Es war das erste Mal, dass Caramia eine Holding Box gesehen hat. „Sie trabte nicht anders als sonst. Aber – man steckt da nicht drin.“ Ein schlechtes Gefühl habe sie überhaupt nicht. „Das Pferd fühlt sich toll an. Sie ist richtig fit!“ Teamaufstellung Nach dem Motto „never change a winning team“ hat Rodolphe Scherrer beschlossen, dass Libussa Lübbeke und Caramia erstes Paar für die Mannschaft sein werden. Das hat schon letztes Jahr bei der EM in Blenheim funktioniert, wo das Team bekanntlich Gold holte – in beinahe der gleichen Besetzung wie nun bei der WM, nur dass statt Jérôme Robiné und Black Ice Julia Krajwski und Nickel am Start sind. Die beiden sind drittes Paar für die Mannschaft. Zwischen ihr und Libussa sollen Malin Hansen-Hotopp und Quidditch ihre Erfahrung ausspielen. Den Abschluss machen Michael Jung und Chipmunk. Wie die Chancen des Teams zu sehen sind? Diese Frage beantwortete Rodolphe Scherrer: „Schauen Sie sich die Mannschaft doch an. Wir haben hier die Europameisterin, die Deutsche Meisterin, den Weltmeister, den Olympiasieger. Ich bin Franzose, ich verstehe die Frage nicht.“ So gesehen, hat er recht. Mannschaftsweltmeister Christoph Wahler ist diesmal als Einzelreiter dabei mit Championatsneuling D’Accord. Bei der WM in Pratoni 2022 trug Wahler noch mit seinem langjährigen Erfolgspartner Carjatan S maßgeblich zum Mannschaftsgold bei. Was er dazu sagt, dass er nicht in der Mannschaft, sondern als Einzelreiter unterwegs ist? „Ich bin extrem froh, hier zu sein! Ich freue mich jetzt auf Aachen und bin sehr sehr happy darüber, mit D’Accord jetzt ein neues Championatspferd zu haben.“ Ob als Team- oder Einzelreiter, mental sei das für ihn einerlei. „Ich kenne ja beide Situationen, ich war Team-, ich war Einzelreiter, für mich ändert das nichts. Ich versuche sowieso so gut zu reiten, wie ich kann.“ Erste Eindrücke vom Kurs Den letzten Schliff in Sachen Fitness gab es für die WM-Pferde im Trainingslager auf dem Rodderberg. Da waren die Bodenbedingungen nicht ganz so perfekt, wie jetzt in Aachen (siehe unten), aber auch hier hatte man für das Galopptraining am Berg eine Trasse präpariert. Wie Equipechefin Dr. Annette Wyrwoll berichtete: „Der Boden wurde gelocht und jeden Morgen um sechs Uhr hat Rodolphe (Scherrer, der Interimsbundestrainer für den verletzten Peter Thomsen) die Bauern der Umgebung angewiesen, wie sie mit ihren Wasserwagen fahren sollen.“ Die erste Geländebesichtigung stand erst nach der Verfassungsprüfung auf dem Programm, aber zumindest der dreifache Olympiasieger Michael Jung als auch Geländespezialist Andreas Dibowski haben sich schon mal einen Eindruck verschafft. Michael Jung sagte: „Es ist lange her, dass ich grünes Gras gesehen habe!“ In der Tat zieht die seit Monaten gewässerte, gehegte und gepflegte Trasse sich wie ein grünes Band durch die eher herbstlich eingefärbte Landschaft, in die der Sommer das Rheinland in den letzten Wochen verwandelt hat. Und die Hindernisse? Auf die Frage, ob der von Guiseppe della Chiesa konzipierte Kurs schwieriger sei, als die Aufgaben beim CHIO antwortete Deutschlands Geländespezialist Andreas Dibwoski: „Es ist immer schwer, aber es ist nicht schwerer. Es ist sehr technisch, es ist keine Überraschung da, keine Stelle, an der man sagt, „Oh Gott, das ist zu doll“. Es ist das, was man erwarten kann, auf so einem Championat. Es ist alles fair und von den Abmessungen nicht ausgereizt. Die Herausforderung wird die Logistik.“ Er meint damit, dass die Reiter ihre Wege genau kennen müssen, denn die Komplexe sind eben genau das: komplex. Viele Wege, bei denen man die richtigen Zahlen und Buchstaben finden muss, erst recht, wenn etwas schief gegangen ist. Aber um das zu verinnerlichen, werden die Reiter den Parcours nicht nur einmal, sondern viele Male abgehen. Teamgeist Zum Schluss noch eine gute Nachricht von Bundestrainer Peter Thomsen. Der hat sozusagen eine telefonische Standleitung zu seiner Frau Kirsten, die im Trainingslager für die ganze Truppe gekocht hat. Und wann immer sie mit ihrem Mann telefoniert, bekommen auch die Reiter und weiteren Trainer Gelegenheit zum Austausch. Die Startzeiten Sportlich startet die Vielseitigkeits-WM morgen früh um 9.30 Uhr mit der ersten Hälfte der Dressurreiter. Die Startzeiten der deutschen Reiter: Donnerstag 10.26 Uhr Libussa Lübbeke und Caramia 15.12 Uhr Malin Hansen-Hotopp und Quidditch Freitag 11.39 Uhr Julia Krajewski und Nickel 13.06 Uhr Christoph Wahler und D’Accord 16.18 Uhr Michael Jung und Chipmunk

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