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WM fast entschieden, und trotzdem: "Im Moment überwiegt der Ärger"

Sport

(Motorsport-Total.com) - Eigentlich hätte Toto Wolff am Sonntagabend in Sepang auch gut gelaunt sein können. Der Vorsprung von Kimi Antonelli auf den bestplatzierten Nicht-Mercedes-Fahrer in der Formel-1-WM 2026 beträgt jetzt 106 Punkte, und das ist bei nur noch sieben zu fahrenden Grands Prix (und einem F1-Sprint in Singapur) eine Menge Holz.

Oder, anders ausgedrückt: Selbst wenn Lewis Hamilton (Ferrari) jetzt alle noch ausstehenden Rennen gewinnen sollte (was nicht sehr wahrscheinlich ist, bei bisher nur einem Saisonsieg), würden Antonelli weitere 78 Punkte reichen, um den Sack zuzumachen. Dafür muss der 20-jährige Italiener nicht einmal mehr aufs Podium fahren, sondern es würden schon vier vierte und drei fünfte Plätze reichen.

Den Sprint in Singapur könnte er in diesem Rechenmodell sogar auslassen, und am Ende wäre sicher ein Mercedes-Fahrer Weltmeister. Aber Wolff kann sich nach dem Grand Prix von Bahrain trotzdem nicht freuen: "Im Moment überwiegt der Ärger", sagt er im Interview mit Sky. "Das Chassis-Update hat nicht funktioniert, der Motor hat nicht gehalten und auch das Rennen ist gegen uns gelaufen."

Warum sich Toto Wolff so ärgert

Antonellis zweiter Platz war nicht der Grund für den Ärger des Mercedes-Teamchefs: "Kimi hat ein paar Punkte mehr geholt als Lewis. Und ich freue mich darüber, dass er den Job ordentlich gemacht hat." Der WM-Leader belegte in Sepang hinter Max Verstappen den zweiten Platz, konnte dem Red-Bull-Piloten aber nie wirklich gefährlich werden.

Dabei hatte Mercedes vor dem Wochenende große Hoffnungen in jenes Update gesetzt, das neben einem neuen Unterboden ein fast komplett neues Heck beinhaltet. Antonelli fuhr damit im dritten Freien Training noch Bestzeit. Im Qualifying und Rennen war Verstappen aber außer Reichweite. "Zu viel Luftwiderstand", lautete bereits am Samstag Wolffs ernüchternde Ersteinschätzung.

Nach dem Rennen am Sonntag hält er sogar eine Rückkehr zum vor Sepang eingesetzten Aerodynamikpaket für theoretisch denkbar: "Das ist nicht ausgeschlossen. Jetzt müssen wir schauen, dass wir die alten Teile irgendwo im LKW finden und wieder ans Auto bekommen."

Möglicherweise eine Überreaktion, denn der Sepang International Circuit mit seinem extrem grobkörnigen Asphalt war womöglich nicht das beste Pflaster, um ein technisches Update einzuführen und auf Anhieb zu verstehen. Red Bull hat sein letztes großes Update auch schon vor ein paar Wochen gebracht, fängt aber erst jetzt an, damit zu gewinnen.

Wie Antonelli das Update bewertet

"Max", sagt Antonelli, "war das ganze Wochenende sehr schnell. Red Bull hat einen tollen Job gemacht, und wir hatten mehr Schwierigkeiten als in den Rennen davor." Aber: "Wir versuchen noch, das neue Paket zu verstehen. Diese Strecke mit dem rauen Asphalt und den hohen Temperaturen hat uns das Leben schwergemacht. Nächste Woche in Singapur verstehen wir vielleicht schon besser, welches Set-up wir jetzt brauchen."

Die Frage, ob Sepang das Potenzial des Updates verwässert habe, "ist die Frage, die wir jetzt beantworten müssen, denn momentan wissen wir nicht, ob es uns schneller macht oder langsamer", sagt Antonelli. Denn: "In dieser Saison war es schon immer so, dass wir uns schwergetan haben, wenn der Asphalt alt war. Zum Beispiel war McLaren in Zandvoort, ebenfalls auf einem alten Asphalt, viel schneller als wir. Vielleicht liegt es daran."

Der Mercedes-Pilot kann es sich ohnehin leisten, nicht mehr zu gewinnen. In Sepang bewahrte er in einigen Situationen kühlen Kopf, statt blind auf Sieg zu fahren. Etwa nach dem letzten Safety-Car-Restart, als er Verstappen nicht mehr attackierte, oder in der Anfangsphase, als er von Verstappen überholt wurde und eine Weile hinter Russell feststeckte.

Antonelli: Lernen von den Allerbesten

So landete Antonelli dann als Zweiter auf dem Podium, gemeinsam mit zwei Legenden ihres Sports: Verstappen als Sieger, viermaliger Weltmeister, und Hamilton als Dritter, siebenmaliger Weltmeister. Ein Siegerfoto für die Ewigkeit. "Lewis", sagt der 20-Jährige ehrfürchtig, "hat in diesem Sport Geschichte geschrieben, und Max auch."

"Ich versuche von den beiden zu lernen, wann immer es geht. Heute war ein gutes Beispiel: Max wusste beim Restart mit Slicks auf rutschiger Fahrbahn viel besser, wie er das Auto positionieren muss, und hatte in den ersten zwei Kurven ein besseres Gefühl für den Grip als ich. Also überholte er mich. Es war nicht schön, überholt zu werden, und es hat mich genervt. Aber ich habe auch versucht, daraus etwas zu lernen, was ich in Zukunft selbst verwenden kann."

Russell für Ralf Schumacher aus dem WM-Kampf draußen

Während Antonelli seinem ersten WM-Titel wieder einen Schritt näher gekommen ist, rückt dieser für George Russell in weite Ferne. Der 28-Jährige hatte Antonelli in Sepang - anders als eine Woche davor in Baku - in Sachen Speed nichts entgegenzusetzen. Dennoch war er unterwegs zu einem sicheren dritten Platz, als seine Mercedes-Powerunit den Geist aufgab.

"Theoretisch" sei es "noch nicht vorbei" für Russell, analysiert Sky-Experte Ralf Schumacher. "Praktisch bedeutet dieser Rückstand aber, dass Mercedes jetzt alles daransetzen muss, Kimi zu helfen, als Team zu denken und beide Autos nach Hause zu bringen. Der interne Kampf ist damit mehr oder weniger fast ausgeschlossen."

Wolff malt sogar den Teufel an die Wand, wenn er sagt: "Diese Ausfälle könnten uns in den verbleibenden sieben Rennen noch richtig wehtun. Eine WM dreht sich schnell gegen dich, wenn du Ausfälle hast, und deswegen kann das so nicht weitergehen."

Wobei man die Kirche auch im Dorf lassen muss: In der Fahrer-WM ist es hochgradig unwahrscheinlich, dass am Ende ein Nicht-Mercedes-Fahrer Champion wird. Und auch in der Konstrukteurs-WM hat Mercedes 151 Punkte Vorsprung auf Ferrari und 240 auf McLaren.

Positiv stimmt den Mercedes-Teamchef immerhin, "dass wir einen guten Handlungsplan haben. James [Allison] und sein Führungsteam haben das gut im Griff. [...] Die werden das aussortieren, genau wie auch auf Seiten von HPP [Motor]. Das sind die Besten, und die werden eine Lösung finden. Und ich denke, dann werden wir zurückschlagen."

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