WM Siebenjährige: Dujardins Secret Agent siegt, vier Pferde ausgeschieden
Bereits bei den Sechsjährigen, die 2026 an der WM junge Dressurpferde in Verden teilnehmen, waren vier Pferde ausgeschieden, zwei in der Qualifikation, zwei im Kleinen Finale. Hier waren Unregelmäßigkeiten im Bewegungsablauf der Grund. Zweimal Blut, zweimal Manipulation Heute in der Qualifikation der Siebenjährigen schieden von den ersten zwölf Teilnehmern vier aus. Allerdings hatten alle vier Wertnoten erhalten und konnten die Prüfung dementsprechend noch beenden. Ausgeschieden sind sie dann durch Intervention der Stewards. Auf Nachfrage beim Weltreiterverband FEI wir folgende Erklärung: „Bezugnehmend auf Ihre Anfrage zur FEI WBFSH Dressage World Breeding Championship for Young Horses (Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde) teilen wir Ihnen mit, dass die FEI-Stewards bei den Ausrüstungskontrollen nach der Prüfung in der Klasse der siebenjährigen Pferde auf Sachverhalte gestoßen sind, die eine weitere Überprüfung durch das Richtergremium (Ground Jury) erforderlich machten. Nach dieser Überprüfung wurden vier Reiter gemäß den FEI-Regularien disqualifiziert. Zwei Reiter wurden gemäß den FEI-Regeln für Ausrüstung im Dressursport (Punkt 9.4) disqualifiziert; diese Regelung betrifft künstliche Verzierungen am Pferd sowie die Verwendung von Substanzen oder Praktiken, die eine bestehende Wunde oder Verletzung verdecken könnten. Zwei weitere Reiter wurden gemäß Artikel 424.5.6.2 der FEI-Dressurregeln disqualifiziert; dieser schreibt eine Disqualifikation vor, wenn bei der Kontrolle nach der Prüfung frisches Blut im Maul des Pferdes, im Maulbereich oder im Bereich der Sporen festgestellt wird. Die FEI äußert sich nicht zu Einzelfällen oder beteiligten Reitern im Zusammenhang mit laufenden Wettbewerbsangelegenheiten. Entscheidungen werden vom Richtergremium nach Prüfung des Sachverhalts sowie in Übereinstimmung mit den FEI-Regeln und den etablierten Verfahrensabläufen getroffen. Die FEI-Regeln bieten einen klaren Rahmen, um das Pferdewohl zu wahren, die Integrität des Wettbewerbs zu schützen und faire Bedingungen für alle Reiter zu gewährleisten.“ Was genau ist passiert? Einer von den Reitern, die ausgeschieden sind, war Adrian Muñoz Jurado, der Spanier, der lange Zeit als Bereiter in Aubenhausen tätig war, inzwischen aber selbstständig ist. Er stellte den Hannoveraner Wallach Vitaliano v. Vitalis vor. Der hat zwar deutsche Besitzer, aber einen britischen Züchter und gehörte dementsprechend zum britischen WM-Aufgebot. Die beiden wurden nach dem Gebisscheck durch den Steward eliminiert. Der 26-Jährige berichtet: „Vitaliano hatte eine kleine Wunde unterhalb des Hengstzahns an der Seite, die zu den Schneidezähnen hinzeigt. Das Gebiss berührt diese Stelle nicht. Der Steward war auch geschockt, wie er sich dort eine Wunde zuziehen konnte.“ Eventuell könne es beim Auftrensen passiert sein, aber sicher ist der Spanier nicht. „Wir werden nach dem Wochenende den Tierarzt draufschauen lassen, um das abzuklären.“ Für ihn war es der erste Auftritt bei einer Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde, nachdem er im vergangenen Jahr sein Championatsdebüt bei der U25 Europameisterschaft gegeben hatte. Die WM ist für ihn nun zu Ende. „Das ist schade, aber es hätte viel schlimmer sein können, nämlich, wenn die Verletzung durch reiterliche Einwirkung entstanden wäre“, sagt er. Das andere Pferd, das wegen Blut ausschied, war Fibonacci von Sophia Boje Obel Jørgensen. Hier sei ein blutender Insektenstich hinter der Schabracke die Ursache gewesen, hieß es von Seiten der dänischen Delegation. Bei dem KWPN-Hengst O’Toto von Diederik van Silfhout hatte man Creme in der Fesselbeuge festgestellt. Auch der ebenfalls beim KWPN registrierte Osaka P schied wegen der FEI-Regeln für Ausrüstung im Dressursport (Punkt 9.4) aus. Britischer Sieger Blieben noch 37 Pferde, die die Prüfung beendet haben und der Beste von ihnen war der Britische Champion, Charlotte Dujardins Hannoveraner Hengst Secret Agent v. Secret-De Niro, gezogen von der ZG Nicole und Friedrich Sievers, im Besitz der Reiterin. Die erwarb den eleganten Rappen zweijährig als nicht gekörten Hengst und man kann sich leicht vorstellen, was sie in ihm gesehen hat. Secret Agent trabt sehr elastisch mit großer Übersetzung, ansprechender Mechanik und natürlicher Bergauftendenz. Allerdings schien der hochbeinige und eher schmale Hengst heute noch mit seiner Balance zu kämpfen. Insbesondere die erste Hälfte der Trabtour ließ Gleichmaß und Taktsicherheit vermissen. Nach der ersten Trabreprise mit halber Traversale nach links und Volte und Schulterherein rechts folgt die Schritttour. Der versammelte Schritt geriet deutlich taktverschoben. Auch im starken Schritt fand der Hengst heute nicht zur Losgelassenheit und rief wiederholt nach seinen Freunden auf dem Abreiteplatz. Dadurch war auch der Raumgriff begrenzt. Auf der linken Hand gelang die Trabtour besser. Die Galoppade ist ähnlich groß angelegt, wie der Trab. Hier ließ der Hengst sich bereits gut zurückführen. Die erste Pirouette war noch etwas festgehalten, die zweite besser. Die fliegenden Wechsel, einzeln und in Serie, gelangen bereits recht gerade und sicher durchgesprungen, zum Teil noch etwas festgehalten. Für die technischen Noten waren bei B die Polin Agnieszka Majewska und bei B der Schwede Mats Eriksson zuständig. Erstere vergab 76,607 Prozent, letzterer 73,571 Prozent. Für die Bewertung der Grundgangarten, der Durchlässigkeit und der Perspektive zeichnete Elke Ebert bei C verantwortlich. Sie vergab im Trab eine 9,2, im Schritt 7,0, im Galopp und in der Durchlässigkeit 9,0 und in der Perspektive 8,9. Endergebnis: 80,645 Prozent. Top Team Charlotte Dujardin gab später eine Liebeserklärung an ihr Pferd ab: „Ich liebe dieses Pferd wirklich, ihn und seine Möglichkeiten, seinen unglaublichen Charakter und die Art wie er sich ausbilden lässt. Ich habe noch nie ein Pferd geritten, das von Natur aus so geschmeidig und elastisch ist. Er bringt mich jeden Tag zum Lächeln.“ Zwar wurde Secret Agent dieses Jahr schon Britischer Meister, aber eine Kulisse wie die in Verden ist neu für ihn. Dafür war er bemerkenswert brav, nicht nur in der Prüfung, sondern auch in der Siegerehrung, wo er sich interessiert umschaute, aber sich von seiner Reiterin sofort beruhigen ließ. Die sagt: „Das Tolle ist: Wir haben eine so immense Partnerschaft. Ich vertraue ihm zu 100 Prozent und ich wusste, er wird da drinnen in der Arena sein Bestes geben.“ Über die Prüfung heute freue sie sich sehr. Aber das ist nur ein kleines Teilchen im großen Puzzle. Dujardins Ziel mit Secret Agent ist ein anderes: „der Grand Prix-Sport“. Silbergewinnerin auf Silberkurs Bereits im vergangenen Jahr hatte die dänische Warmblutstute Brandtbjergs Divya v. Hesselhøj Donkey Boy-Don Olymbrio L Silber gewonnen, damals noch mit Anders Sjøbeck Hoeck im Sattel. Inzwischen wurde die im Stall Brandtbjerggaard der Familie Buhl gezogene Stute als Nachwuchspferd an die 20-jährige zweifache Junioren-EM Medaillengewinnerin Theresa Rosenkilde verkauft, die sie heute auch selbst vorstellte. Brandtbjergs Divya zeichnet sich durch leichtfüßiges und doch kraftvolles Traben mit viel Abdruck und natürlicher Kadenz aus (8,8). Dabei gelang es Theresa Rosenkilde, die Stute sicher vor den treibenden Hilfen zu halten und trotz einer nicht immer ruhigen Zügelführung in schönem Seitenbild zu präsentieren. Die beiden nahmen den Schwung im Trab sehr schön mit in die Seitengänge, die nach links etwas geschmeidiger gelangen als nach rechts. Der versammelte Schritt war sicher im Takt, aber etwas frei. Im starken Schritt hätte die Stute den Hals mehr fallen und die Anlehnung mehr suchen müssen, um noch mehr Raumgriff zu realisieren (8,8). Im Galopp (8,6) wirkte die Stute noch nicht ganz durchlässig und etwas festgehalten im Rücken. Dadurch waren die Pirouetten wenig zentriert. Die Wechsel gelangen großteils zwar gerade und sicher durchgesprungen, aber flach. Beim Aufnehmen aus dem starken Galopp auf der Diagonalen „klaute“ Divya ihrer Reiterin den Wechsel. Zusammen mit weiteren 8,8 jeweils für Durchlässigkeit und Perspektive zusätzlich zu den technischen Bewertungen von 71,607 und 73,750 Prozent kam das Paar auf 80,140 Prozent. Niederlande auf Rang drei Bis kurz vor Ende der Prüfung sah es noch nach einem deutschen Paar unter den Top drei aus, aber das verhinderten die KWPN-Stute Odi Murona v. Farell-Johnson (Z.: J.J.M. van de Broek, B.: BG Van Belois) und Tessa Kole für die Niederlande. Die Stute überzeugte mit ihrer tänzerisch leichten Art, sich zu bewegen und bot in Einheit mit ihrer Reiterin eine sehr elegante Gesamterscheinung, wozu auch die sichere stabile Anlehnung beitrug, die die Prüfung der beiden vor allem in der Trabtour (8,4) kennzeichnete. Die Stute hat in keiner ihrer drei Grundgangarten den ganz großen Raumgriff, aber sie präsentierte sich sehr taktischer und fleißig sowie bereits sehr gut versammelt, sicher im Gleichgewicht und mit großer Bereitschaft, Last aufzunehmen, was vor allem in den zentrierten aktiv mitgesprungenen Pirouetten ersichtlich wurde. Im Schritt vergaben die Richter eine 8,5, im Galopp eine 8,8. In der Durchlässigkeit hatten die beiden eine 9,0 verdient und in der Perspektive vergab Elke Ebert ebenfalls ein glattes „sehr gut“. Endergebnis: 79,593 Prozent. Nochmal Secret Zwei Söhne unter den Top vier, sieben Nachkommen insgesamt im Feld – ohne Frage ist der einstige WM Silbermedaillengewinner Secret einer der prägenden Vererber dieser WM. Neben dem Sieger stellte er auch Ann-Christin Wienkamps Oldenburger Schatzmeister MZ OLD. Letztes Jahr waren Wienkamp und der von Ewald Grotelüschen aus einer De Niro-Mutter gezogene Braune bereits Fünfte im Finale. Ihre diesjährige WM läuteten sie an vierter Stelle ein mit 78,847 Prozent. Im Trab begeistert der noch als Hengst geführte, aber inzwischen gelegte Braune mit seinem losgelassenen Schwingen, unerschütterlichem Takt, ganz viel Elastizität und Aktivität. Die Verstärkungen waren geradezu lehrbuchreif in Sachen Rahmenerweiterung bei gleichzeitigem Durchfußen der schiebenden und tragenden Hinterhand. Geschmeidig und erhaben mit großer Schulterfreiheit gelangen die Seitengänge, durchlässig die Paraden. Vielleicht hätte man sich insgesamt im Trab noch etwas mehr Zug nach vorn gewünscht, 8,8. Der versammelte Schritt war sicher im Takt, aber wenig versammelt und erhaben. Im starken Schritt dehnte Schatzmeister sich gut zur Hand und kam zum Schreiten, verwarf sich aber etwas (8,2). Im Galopp ein ähnliches Bild wie im Trab – ein Pferd, das sich bei reeller Versammlung und schwingendem Rücken selbst trägt, und aktiv ins Bergauf springt. Mit feinem Gefühl verstand Wienkamp es, in den von ihr sorgfältig vorbereiten Pirouetten nur so viel Lastaufnahme zu verlangen, wie Schatzmeister mit seinem derzeitigen Ausbildungsstand zu geben vermag. 9,0 für den Galopp. Alles in allem eine sehr schöne Prüfung mit leichten Spannungen in den Serienwechseln, die auf jeden Fall Medaillenpotenzial hat, wenn alles gut geht. In der Durchlässigkeit gab es die 8,6, in der Perspektive eine 8,8. Dribbler vor Doppelweltmeister Wenn Schatzmeister der kraftvolle Athlet ist, ist das zweite deutsche Pferd, das den direkten Einzug ins Finale schafft, der anmutige Tänzer. Gemeint ist der Hannoveraner Wallach Dribbler v. Don Martillo-Dancier unter Senta Kirchhoff. Gezogen wurde der Fuchs von Angelika Fitschen, Besitzer ist Kirchhoffs Partner Henri Ruoste. Die beiden zeigten eine sehr ansprechende und von hohem Gleichmaß geprägte Prüfung, die ihnen heute Platz sieben mit 76,436 Prozent einbrachte. Damit ließen sie unter anderem den zweifachen Weltmeister der Vorjahre hinter sich, den imposanten KWPN-Hengst Red Viper unter Dinja van Liere. Der Romanov-Sohn aus der Zucht von Coen Kerbert hat einen deutlichen Trainingsrückstand, nachdem er sechs Monate lang wegen eines hartnäckigen Zahnproblems außer Gefecht gewesen war. Erst auf den letzten Drücker schaffte er es, sich für die WM zu qualifizieren. Vielleicht der Grund, warum in der Prüfung des Paars heute nicht alles glatt lief ,vor allem in der Galopptour. 9,0 im Trab, 8,3 im Schritt, 7,8 im Galopp, 7,3 in der Durchlässigkeit, 8,2 in der Perspektive und 75,824 Prozent insgesamt bescherten ihnen immerhin den achten Platz und damit den direkten Einzug ins Finale. Den schafften auch Charlotte Tollhopf und Galleria’s Fancy Fergie FRH. Die Hannoveraner Stute v. For Romance I – Catoo (Z.: Hof Brüning, B.: Sportpferde Galleria GmbH) und ihre Reiterin sind ein eingespieltes Team. Sie gehörten schon vor zwei Jahren zu den Finalisten. Damals belegten sie Rang 14. Im vergangenen Jahr gewannen sie Silber beim Bundeschampionat. Auch heute zeigten die beiden eine sehr ansprechende, sichere, korrekte und durchlässige Prüfung mit Luft nach oben in den Pirouetten, wo sie nach links einmal umsprang, und leichten Spannungen in den Serienwechseln. Die Richter vergaben 75,511 Prozent, wobei es für sich spricht, dass die Stute in allen Kriterien Wertnoten zwischen 8,0 (Schritt und Galopp) und 8,2 erhielt. Damit wurden sie Zehnte. Chancen im kleinen Finale Die besten drei Paare aus dem kleinen Finale rücken zusätzlich zu den Top 12 aus der Qualifikation ins Finale vor. Danach haben noch drei weitere deutsche Paare sehr gute Chancen, am Sonntag dabei zu sein. Nina Verina Braun ritt den Holsteiner Sullivan ABN v. Secret-Carpaccio (Z.: Anja Nygaard, B.: Michael Kramarsch) mit 73,863 Prozent auf Rang 13. Dahinter schloss sich die Bundeschampionesse 2024 und WM-Siebte 2025 an, Greta Heemsoths Felice FRH, Hannoveraner Stute v. Fürst Samarant – Riverside (Z.: Rene Janzen, B.: Ken Steele, Mitbesitzer: Ingo Pape). Hier gab es 73,863 Prozent. Platz 15 wurde es für die Zehntplatzierte des Vorjahres, die Oldenburger Escamillo-Tochter La Jolie SW OLD aus der Zucht und im Besitz von Sabine Wehle, vorgestellt wie immer von Carina Scholz (72,718). Unter den Paaren, die es – leider – nicht auf Anhieb ins Finale geschafft haben, waren auch das schwedische Duo Lina Dolk und die Livaldon-Tochter Livia. Die zierliche Fuchsstute ist sicherlich kein Pferd, das die Lampenaustritt und galoppiert, als berühre sie den Boden nur aus Gefälligkeit. Aber in Sachen Harmonie, korrekte Ausbildung und Zufriedenheit gehörten sie ganz nach vorn. Heute waren sie 19. mit 72,052 Prozent. Weniger gut lief es heute für Leonie Richter und den westfälischen Hengst Glamdale WP NRW aus der Zucht und im Besitz der ZG Pleines. Der Glamourdale-Sohn aus der Vollschwester zum Bonhomme-Hengst Maracanà gehört als Silbermedaillengewinner der W; 2024 zu den Pferden, auf die mit Spannung geschaut wurde. Er wirkte heute allerdings etwas überfordert mit der Aufgabe. Daran konnte auch das ganze reiterliche Können von Leonie Richter nichts ändern. Heute mussten sie sich mit Platz 24 begnügen. Alle Ergebnisse finden Sie hier.