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Wo hat Wunsch nach Monogamie seinen Ursprung in der Evolution?

Wissenschaft

"Lebenslange Monogamie ist eine kulturelle Erfindung"

Stand: 24.08.2026 14:45 Uhr

"Liebe, bis dass der Tod uns scheidet" - das ist für viele das Idealbild einer partnerschaftlichen Beziehung. Aber woher kommt dieser Wunsch nach Monogamie eigentlich und wo hat er in der Evolution seinen Ursprung?

von Stefanie Kühne

Schwäne tun es. Biber auch ... und Pinguine: All diese Tiere sind monogam. Aber wie sieht das beim Menschen aus? Damit befasst sich Lars Penke. Er ist Professor für biologische Persönlichkeitspsychologie: "Tatsächlich zeigen Menschen biologische Anlagen dafür, flexibles Fortpflanzungsverhalten zu haben", sagt er. "Die lebenslange Monogamie ist eher eine kulturelle Erfindung, als dass sie komplett unseren Tendenzen entspricht."

Evolution erfordert monogame Elternschaft

Die Ursprünge für die Monogamie liegen in unserer Evolution. Die großen menschlichen Gehirne passen nur schwer durch den Geburtskanal der Mütter. Daher sind Babyschädel sehr weich. Kinder kommen unfertig zur Welt. "Das bedeutet, dass sehr viel elterliche Unterstützung notwendig ist, um dafür zu sorgen, dass diese Babys überhaupt überleben", erklärt Penke.

Und die könne am besten von beiden Elternteilen kommen. "Das heißt, es war ein starker evolutionär Druck, dass die Väter nach der Geburt bei den Müttern blieben, weil das für das Überleben der Nachkommen sehr wichtig war."

Sesshaft werden, Besitz und Erbschaft begünstigen Monogamie

Schon in der Jungsteinzeit lebten Menschen in Familien zusammen. Das zeigen Grabfunde aus dieser Zeit. Dass Menschen mit der Zeit sesshaft wurden, habe die Monogamie dann enorm verstärkt, meint Lars Penke: "Dass es Ländereien gab, dass es Besitz gab, und dass Besitz über Generationen weitergegeben wurde, das war praktisch der Beginn davon, dass so etwas wie Vaterschaft eine Rolle spielte. Und die Vererbung von Besitz."

Ehe und Arbeitsteilung als Regelwerk der Gesellschaft

Ihren großen Durchbruch hatte die Monogamie in unserer westlichen Gesellschaft dann im Mittelalter. Im 13. Jahrhundert bestimmte die katholische Kirche die Ehe zu einem der sieben Sakramente.

"Monogamie war auch praktisch", sagt Lars Penke, "Monogamie führt auch dazu, dass größere Gruppen von Menschen effektiv kooperieren können. Weil es dann Regeln gibt, die dafür sorgen, dass nicht jeder ständig auf Partnersuche ist."

Bis ins 20. Jahrhundert bleibt die Monogamie hoch im Kurs. Es kommt die Wirtschaftswunder-Zeit: Die Hausfrau ist in Westdeutschland das gesellschaftliche Idealbild. "Mitte des letzten Jahrhunderts hatten wir starke geschlechtsspezifische kulturelle Normen. Da herrschte ein starker Druck auf Arbeitsteilung", so Penke. "Arbeitsteilung ist generell etwas, was für Menschen sehr wichtig ist: Niemand von uns kann alles, was man können muss. Deshalb profitieren Menschen von Arbeitsteilung."

Zahl der Eheschließungen 2025 auf dem niedrigsten Stand seit 1950

Heute leben wir in einer Welt, in der Lebensentwürfe vielfältiger werden. Immer weniger Kinder werden geboren. Die Zahl der Eheschließungen war 2025 auf dem niedrigsten Stand seit 1950. Die verschiedenen Beziehungsmodelle funktionierten für Menschen unterschiedlich gut, sagt Penke. "Menschen können lebenslang monogam leben. Für manche Menschen ist es genau das Richtige. Manche sind froh, wenn sie ihre passende Person gefunden haben. Andere Menschen fühlen sich davon eingeengt und können wunderbar mit wechselnden Beziehungen oder nicht-monogamen Beziehungen umgehen."

Trotz Biologie und Tradition: Die Monogamie ist eine individuelle Entscheidung.

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