Wo sind die Igel? Auf der Suche nach Deutschlands Stacheltieren
Stand: 18.09.2026 05:00 Uhr
Igel kennt fast jeder – doch wie viele von ihnen in Deutschland leben, wissen Forschende nicht genau. Eine bundesweite Mitmachaktion soll helfen, mehr über die Verbreitung der Tiere herauszufinden.
von Ottilie Wied
Ausgerechnet beim Igel klafft aktuell noch eine große Wissenslücke: Wir wissen zwar, dass er in unseren Gärten, Parks und am Stadtrand unterwegs ist. Aber wie viele Tiere tatsächlich in Deutschland leben, wo sie besonders häufig vorkommen und ob ihre Bestände zurückgehen – dafür fehlen bislang verlässliche Daten.
Um hierauf mehr Antworten zu finden, läuft vom 18. bis 28. September zum siebten Mal die bundesweite Mitmachaktion „Deutschland sucht Igel und Maulwurf“. Wer eines der beiden Tiere entdeckt, kann die Beobachtung mit Datum und Fundort und möglichst mit Foto melden. Auch tote Tiere sollen erfasst werden.
Warum eigentlich Igel zählen?
Dass es schwierig ist, einen Überblick über die Igelbestände zu bekommen, liegt schon an ihrer Lebensweise. Igel sind vor allem nachts und in der Dämmerung unterwegs. Tagsüber schlafen sie gut versteckt. Einen Igel nicht zu sehen, bedeutet deshalb noch lange nicht, dass keiner in der Nähe ist.
Da nicht hinter jedem Busch Forschende sitzen können, kommt hier sogenannte Citizen Science ins Spiel: Menschen sammeln wissenschaftlich nutzbare Daten, indem sie ihre Beobachtungen melden. So fließen die Informationen aus der Aktion abschließend in das Monitoring des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) ein.
Je mehr Beobachtungen zusammenkommen, desto besser lässt sich nachvollziehen, wo Igel und Maulwürfe vorkommen. Über längere Zeit könnten daraus auch Veränderungen ihrer Verbreitung erkennbar werden. Und genau solche Entwicklungen sind wichtig, um später gezielt Schutzmaßnahmen abzuleiten.
Denn beim Igel gibt es bereits Grund zur Sorge: Seit Oktober 2024 steht der Westeuropäische Igel erstmals auf der internationalen Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) und wurde hier als "potenziell gefährdet" eingestuft.
Aus vielen Beobachtungen soll ein Gesamtbild entstehen
Seit 2023 sammeln Forschende des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Daten über Igel und Maulwürfe in Deutschland. Zweimal im Jahr, im Mai und September, können Sichtungen gemeldet werden. Erfasst werden neben lebenden und toten Tieren auch Maulwurfshügel. So soll über mehrere Jahre eine Datengrundlage entstehen, mit der sich Verbreitung und mögliche Veränderungen der Bestände untersuchen lassen.
Wie viele Meldungen dabei zusammenkommen, zeigt der Blick auf die vergangenen Jahre: Im September 2023 wurden 4.617 Igelbeobachtungen mit insgesamt 10.586 Individuen gemeldet. Im September 2024 waren es 4.690 Beobachtungen mit 11.623 Tieren, 2025 dagegen 2.275 Beobachtungen mit 4.959 Tieren. Dass die Zahlen schwanken, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass es entsprechend mehr oder weniger Igel gibt. Denn auch die Zahl der Teilnehmenden und die Bedingungen bei der Suche beeinflussen die Ergebnisse.
Deshalb lässt sich aus den bisherigen Daten noch kein Bestandstrend für Deutschland ableiten. Erst regelmäßige Beobachtungen über mehrere Jahre können zeigen, ob sich die Vorkommen tatsächlich verändern. Auch eine einzelne Meldung kann dabei ein wichtiger Datenpunkt sein – etwa wenn sich über die Zeit zeigt, dass Igel in bestimmten Regionen häufiger oder seltener gemeldet werden.
Was machen die Tiere eigentlich bei uns im Garten?
Wer wissen will, ob in seinem Garten Igel unterwegs sind, muss dabei nicht unbedingt auf die Tiere selbst stoßen. Ein Rascheln im Laub, Kot oder andere Spuren können Hinweise sein.
Und gerade jetzt im Herbst kann ein Garten für Igel besonders wichtig werden. Die Tiere sind auf Nahrungssuche und fressen unter anderem Käfer, Larven und Spinnen. Gleichzeitig bereiten sie sich auf ihren Winterschlaf vor. Herbstlaub auf Beeten oder unter Sträuchern bietet ihnen dabei beides: geschützte Verstecke und reichlich Nahrung. Wer Laub liegen lässt, ist also nicht faul, sondern igelfreundlich.
Warum Maulwurfshügel kein schlechtes Zeichen sind
Auch der zweite Teilnehmer der Meldeaktion hinterlässt auch seine Spuren – allerdings deutlich auffälligere.
Wo Maulwürfe leben, tauchen auf Rasenflächen regelmäßig kleine Erdhügel auf. Für Gartenbesitzer sind sie oft ein Ärgernis. Ökologisch gesehen erzählen sie aber eine andere Geschichte.
Beim Graben durchmischen und belüften Maulwürfe den Boden. Die aufgeworfene Erde kann zudem als Pflanzerde genutzt werden. Und weil Maulwürfe unter anderem Kleintiere und Würmer fressen, können sie indirekt auch Einfluss auf andere Bodenbewohner haben.
Wer also einen Maulwurfshügel im Garten entdeckt, kann den Forschenden mit einer Sichtung über das Portal einen Hinweis darauf geben, dass dort ein Maulwurf lebt.
Und was kann man selbst tun?
Wer einen Igel entdeckt, kann ihn, sofern er gesund und unverletzt wirkt, zunächst einfach in Ruhe lassen. Besonders im Herbst lohnt es sich außerdem, im Straßenverkehr aufmerksam zu sein. Igel können auf der Suche nach Nahrung mehrere Kilometer pro Nacht zurücklegen und müssen dabei auch Straßen überqueren.
Problematisch können außerdem Mähroboter und Freischneider werden: Gerade unter Hecken, Sträuchern oder im hohen Gras können sich nämlich Igel verstecken.
Und wer einen Igel oder Maulwurf entdeckt, kann aus dieser zufälligen Begegnung sogar einen kleinen wissenschaftlichen Beitrag machen. Einreichen kann man seine Sichtungen unter folgendem Link: