DAX -0,04 % 26.380,14 Pkt 16:45:06 MDAX +0,25 % 32.306,80 Pkt 16:45:05 Euro Stoxx 50 +0,40 % 6.560,30 Pkt 16:44:45 Dow Jones +0,10 % 53.846,47 Pkt 17:00:05 S&P 500 +0,94 % 7.800,63 Pkt 17:00:01 Nasdaq +1,39 % 26.813,42 Pkt 17:00:01 Nikkei +1,16 % 68.308,59 Pkt 08:45:03 Gold +0,76 % 4.442,50 USD 16:50:01 Silber -0,56 % 65,19 USD 16:49:59 Brent -2,47 % 86,78 USD 16:49:33 WTI -2,62 % 81,09 USD 16:49:56 Bitcoin +0,62 % 63.795,84 USD 16:59:58 EUR/USD +0,03 % 1,15470 USD 16:59:21 EUR/GBP +0,02 % 0,85460 GBP 17:00:02 EUR/CHF +0,10 % 0,93710 CHF 17:00:06 EUR/JPY -0,06 % 183,744 JPY 17:00:05

Wohin steuert der globale Schweinemarkt und verliert die EU den Anschluss?

Wirtschaft

Weltweit ist die Schweinefleischerzeugung auch 2025/26 um rund 3 % auf knapp 120 Mio. t gewachsen, wie Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zeigen. China, die EU und die USA sind die wichtigsten Produktionsregionen, gefolgt von Brasilien und Russland. Zusammen produzieren sie mehr als 85 % des weltweiten Schweinefleischs. Die Entwicklung verlief in den vergangenen zehn Jahren jedoch regional sehr unterschiedlich. Den größten Zuwachs verzeichnete China: bis 2025 stieg die Produktion auf 59,4 Mio. t – ein Plus von +31 % gegenüber 2016. Russland verzeichnete mit +54 % den stärksten Zuwachs und lag 2025/26 bei 4,3 Mio. t. Auch Brasilien baute auf 4,8 Mio. t (+30 %) kräftig aus. Die USA und Kanada wuchsen moderater, mit jeweils +11 %. Als einzige große Produktionsregion schrumpf­­te die EU um 1,0 Mio. t auf 21,9 Mio. t. Das entspricht einem Minus von 4 %. Verliert die EU damit den Anschluss? Schaut man auf den Außenhandel, ist die Bilanz der EU gar nicht so schlecht. 2025 wurden laut USDA weltweit rund 10,4 Mio. t exportiert – drei Viertel davon durch die drei größten Ausfuhrländer. An der Spitze stehen die USA mit rund 3,2 Mio. t, knapp dahinter liegt die EU mit gut 3 Mio. t und mit etwas Abstand folgt Brasilien mit 1,7 Mio. t (s. Übersicht 1). Insgesamt schrumpfte der Handel zwischen 2022 und 2025 um gut 5 %. Auch die Einfuhren waren gleichen Zeitraum rückläufig. Entscheidend sind aber weniger die Mengen als viel mehr die dahinterstehenden Verschiebungen auf dem Weltmarkt. Mexiko wurde mit rund 1,7 Mio. t (+27 %) zum größten Einzelimporteur, während Chinas Einfuhren auf 1,2 Mio. t einbrachen (-44 %). Zugleich gewannen die Philippinen (+26 %) und Kolumbien (+24 %) an Gewicht (s. Übersicht 2). Bemerkenswert ist dabei, dass sich in den vergangenen Jahren die Lieferketten diversifizieren und die Abhängigkeit von China abnimmt. Während steigende Kosten und strengere Auflagen viele Erzeugerländer bremsen, baut Brasilien seine Produktion kontinuierlich aus. Mehr als 70 % der Schlachtungen entfallen auf die Südstaaten Santa Catarina, Paraná und Rio Grande do Sul. Die Produktionskosten beziffert der Branchenverband ABPA auf umgerechnet rund 1,07 € je kg LG, was ein Beleg für die günstigen Rahmenbedingungen ist. Auch der Heimatmarkt wächst: Der Pro-Kopf-Verbrauch stieg in zehn Jahren von 15,1 auf 19,1 kg. Dennoch bleibt Brasilien klar exportorientiert und meldet wiederholt Ausfuhrrekorde, die durch die Nachfrage aus China, den Philippinen, Japan und Chile getragen werden. Damit konkurriert das Land direkt mit den USA, Kanada und auch der EU. Mit rund 2,2 Mio. t jährlich produziert Kanada deutlich weniger Schweinefleisch als Brasilien, zählt aber trotzdem zu den größten Exporteuren: Mehr als zwei Drittel der Produktion verlassen das Land. Die Stärke Kanadas liegt dabei im Marktzugang. Freihandelsabkommen mit den USA, Mexiko und dem asiatisch-pazifischen Raum ebnen den Weg zu wichtigen Importländern wie Japan oder Vietnam. Diese breite Streuung macht den Export besonders widerstandsfähig. Um die verschiedenen Absatzmärkte bedienen zu können, setzt Kanada auf Flexibilität. Gemeinsam mit den USA versorgt der Staat viele asiatische Länder nach ihren Wünschen. Die Exportabhängigkeit macht das Land allerdings auch empfindlich für Nachfrageschwankungen auf dem Weltmarkt. Vor allem der schwelende Handelskrieg mit China belastete zuletzt immer wieder auch den kanadischen Export. Die US-Branche ist hoch spezialisiert, mit eng verzahnter Wertschöpfungskette von Futter über Haltung und Schlachtung bis zur Vermarktung. Ihre Stärke ist nicht die Größe, sondern die Produktivität: Laut National Hog Farmer stieg die Produktion seit 2000 um fast 50 % – trotz sinkender Sauenzahl. Möglich machten das Genetik, höhere Leistung je Sau, steigende Schlachtgewichte und optimiertes Management. Parallel wuchs der Export: Mehr als ein Viertel der Produktion geht ins Ausland, vorwiegend nach Mexiko, Japan, Südkorea und China. Im Wettbewerb stehen die USA hauptsächlich mit Brasilien. Dort trifft der Effizienz-Spezialist auf den Preisführer. Für den Weltmarkt bedeutet dieser Wettkampf ein dauerhaft großes Exportangebot. Das US-Ministerium rechnet jedenfalls langfristig mit weiter steigenden Ausfuhren von Schweinefleisch aus den USA. Kein Land prägt den Schweinemarkt so wie China. Es steht für fast die halbe Welterzeugung und einen Verbrauch in ähnlicher Höhe. Nach der ASP-Krise haben sich die Bestände stabilisiert, dennoch bleiben Chinas Importe ein zentraler Hebel am Weltmarkt. Für 2026 erwartet das USDA eine konstante Erzeugung: Die steigende Produktivität und ein stabiler Sauenbestand sichern das Niveau. Allerdings bremsen die niedrigen Preise und die verhaltene Nachfrage den weiteren Ausbau. Wegen der hohen Lagerbestände gehen die Importe Chinas stetig zurück. Dabei helfen auch die Strafzölle aus dem Antidumpingverfahren, die Peking auf EU-Schweinefleisch erhebt. Das USDA rechnet mit weiter sinkenden Einfuhren, was den Wettbewerb der Exporteure um alternative Märkte verschärfen dürfte. Umgekehrt könnte schon ein moderates Importplus die Preise weltweit und auch in Deutschland stützen. Doch was bedeuten diese Trends für europäische und insbesondere deutsche Betriebe, die eher mit steigenden Kosten kämpfen? Klar ist: Im reinen Preiskampf ist Deutschland chancenlos, auch wenn Brasilien aktuell die eigenen Kosten von umgerechnet rund 1,40 € je kg SG nicht decken kann (s. Übersicht 3). Der Ausweg kann nur eine höhere Wertschöpfung sein. Dabei spielt der Export weiterhin eine wichtige Rolle. Das haben die ASP-Sperren gegen Deutschland gezeigt. Teilstücke, die hier kaum gefragt sind, wie Pfoten, Ohren, Innereien, erbringen fast nur im Export nach Asien Erlöse. Fällt er weg, sinkt der Wert des gesamten Schlachtkörpers. Eine reine Selbstversorgungsstrategie ist deshalb wirtschaftlich kaum tragfähig. Klar ist auch: Die Wachstumsmärkte liegen in Südostasien. Die Philippinen steigerten ihre Einfuhren in den vergangenen vier Jahren um 26 %. Japan ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Importmärkte auch für höherwertige Teilstücke. Das Land wird aber auch von Kanada und den USA stark umworben, während Deutschland wegen ASP noch gesperrt ist. Wer in Asien mitspielen will, muss Marktzugänge bearbeiten und sichern, um dauerhaft lieferfähig zu sein. Langfristig wird die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Schweinehaltung davon abhängen, ob es gelingt, die gesamte Wertschöpfungskette möglichst effizient zu halten, internationale Marktchancen zu nutzen und die besonderen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsvorteile erfolgreich in Erlöse umzusetzen. Weltweit ist die Schweinefleischerzeugung auch 2025/26 um rund 3 % auf knapp 120 Mio. t gewachsen, wie Zahlen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zeigen. China, die EU und die USA sind die wichtigsten Produktionsregionen, gefolgt von Brasilien und Russland. Zusammen produzieren sie mehr als 85 % des weltweiten Schweinefleischs. Die Entwicklung verlief in den vergangenen zehn Jahren jedoch regional sehr unterschiedlich. Den größten Zuwachs verzeichnete China: bis 2025 stieg die Produktion auf 59,4 Mio. t – ein Plus von +31 % gegenüber 2016. Russland verzeichnete mit +54 % den stärksten Zuwachs und lag 2025/26 bei 4,3 Mio. t. Auch Brasilien baute auf 4,8 Mio. t (+30 %) kräftig aus. Die USA und Kanada wuchsen moderater, mit jeweils +11 %. Als einzige große Produktionsregion schrumpf­­te die EU um 1,0 Mio. t auf 21,9 Mio. t. Das entspricht einem Minus von 4 %. Verliert die EU damit den Anschluss? Schaut man auf den Außenhandel, ist die Bilanz der EU gar nicht so schlecht. 2025 wurden laut USDA weltweit rund 10,4 Mio. t exportiert – drei Viertel davon durch die drei größten Ausfuhrländer. An der Spitze stehen die USA mit rund 3,2 Mio. t, knapp dahinter liegt die EU mit gut 3 Mio. t und mit etwas Abstand folgt Brasilien mit 1,7 Mio. t (s. Übersicht 1). Insgesamt schrumpfte der Handel zwischen 2022 und 2025 um gut 5 %. Auch die Einfuhren waren gleichen Zeitraum rückläufig. Entscheidend sind aber weniger die Mengen als viel mehr die dahinterstehenden Verschiebungen auf dem Weltmarkt. Mexiko wurde mit rund 1,7 Mio. t (+27 %) zum größten Einzelimporteur, während Chinas Einfuhren auf 1,2 Mio. t einbrachen (-44 %). Zugleich gewannen die Philippinen (+26 %) und Kolumbien (+24 %) an Gewicht (s. Übersicht 2). Bemerkenswert ist dabei, dass sich in den vergangenen Jahren die Lieferketten diversifizieren und die Abhängigkeit von China abnimmt. Während steigende Kosten und strengere Auflagen viele Erzeugerländer bremsen, baut Brasilien seine Produktion kontinuierlich aus. Mehr als 70 % der Schlachtungen entfallen auf die Südstaaten Santa Catarina, Paraná und Rio Grande do Sul. Die Produktionskosten beziffert der Branchenverband ABPA auf umgerechnet rund 1,07 € je kg LG, was ein Beleg für die günstigen Rahmenbedingungen ist. Auch der Heimatmarkt wächst: Der Pro-Kopf-Verbrauch stieg in zehn Jahren von 15,1 auf 19,1 kg. Dennoch bleibt Brasilien klar exportorientiert und meldet wiederholt Ausfuhrrekorde, die durch die Nachfrage aus China, den Philippinen, Japan und Chile getragen werden. Damit konkurriert das Land direkt mit den USA, Kanada und auch der EU. Mit rund 2,2 Mio. t jährlich produziert Kanada deutlich weniger Schweinefleisch als Brasilien, zählt aber trotzdem zu den größten Exporteuren: Mehr als zwei Drittel der Produktion verlassen das Land. Die Stärke Kanadas liegt dabei im Marktzugang. Freihandelsabkommen mit den USA, Mexiko und dem asiatisch-pazifischen Raum ebnen den Weg zu wichtigen Importländern wie Japan oder Vietnam. Diese breite Streuung macht den Export besonders widerstandsfähig. Um die verschiedenen Absatzmärkte bedienen zu können, setzt Kanada auf Flexibilität. Gemeinsam mit den USA versorgt der Staat viele asiatische Länder nach ihren Wünschen. Die Exportabhängigkeit macht das Land allerdings auch empfindlich für Nachfrageschwankungen auf dem Weltmarkt. Vor allem der schwelende Handelskrieg mit China belastete zuletzt immer wieder auch den kanadischen Export. Die US-Branche ist hoch spezialisiert, mit eng verzahnter Wertschöpfungskette von Futter über Haltung und Schlachtung bis zur Vermarktung. Ihre Stärke ist nicht die Größe, sondern die Produktivität: Laut National Hog Farmer stieg die Produktion seit 2000 um fast 50 % – trotz sinkender Sauenzahl. Möglich machten das Genetik, höhere Leistung je Sau, steigende Schlachtgewichte und optimiertes Management. Parallel wuchs der Export: Mehr als ein Viertel der Produktion geht ins Ausland, vorwiegend nach Mexiko, Japan, Südkorea und China. Im Wettbewerb stehen die USA hauptsächlich mit Brasilien. Dort trifft der Effizienz-Spezialist auf den Preisführer. Für den Weltmarkt bedeutet dieser Wettkampf ein dauerhaft großes Exportangebot. Das US-Ministerium rechnet jedenfalls langfristig mit weiter steigenden Ausfuhren von Schweinefleisch aus den USA. Kein Land prägt den Schweinemarkt so wie China. Es steht für fast die halbe Welterzeugung und einen Verbrauch in ähnlicher Höhe. Nach der ASP-Krise haben sich die Bestände stabilisiert, dennoch bleiben Chinas Importe ein zentraler Hebel am Weltmarkt. Für 2026 erwartet das USDA eine konstante Erzeugung: Die steigende Produktivität und ein stabiler Sauenbestand sichern das Niveau. Allerdings bremsen die niedrigen Preise und die verhaltene Nachfrage den weiteren Ausbau. Wegen der hohen Lagerbestände gehen die Importe Chinas stetig zurück. Dabei helfen auch die Strafzölle aus dem Antidumpingverfahren, die Peking auf EU-Schweinefleisch erhebt. Das USDA rechnet mit weiter sinkenden Einfuhren, was den Wettbewerb der Exporteure um alternative Märkte verschärfen dürfte. Umgekehrt könnte schon ein moderates Importplus die Preise weltweit und auch in Deutschland stützen. Doch was bedeuten diese Trends für europäische und insbesondere deutsche Betriebe, die eher mit steigenden Kosten kämpfen? Klar ist: Im reinen Preiskampf ist Deutschland chancenlos, auch wenn Brasilien aktuell die eigenen Kosten von umgerechnet rund 1,40 € je kg SG nicht decken kann (s. Übersicht 3). Der Ausweg kann nur eine höhere Wertschöpfung sein. Dabei spielt der Export weiterhin eine wichtige Rolle. Das haben die ASP-Sperren gegen Deutschland gezeigt. Teilstücke, die hier kaum gefragt sind, wie Pfoten, Ohren, Innereien, erbringen fast nur im Export nach Asien Erlöse. Fällt er weg, sinkt der Wert des gesamten Schlachtkörpers. Eine reine Selbstversorgungsstrategie ist deshalb wirtschaftlich kaum tragfähig. Klar ist auch: Die Wachstumsmärkte liegen in Südostasien. Die Philippinen steigerten ihre Einfuhren in den vergangenen vier Jahren um 26 %. Japan ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten Importmärkte auch für höherwertige Teilstücke. Das Land wird aber auch von Kanada und den USA stark umworben, während Deutschland wegen ASP noch gesperrt ist. Wer in Asien mitspielen will, muss Marktzugänge bearbeiten und sichern, um dauerhaft lieferfähig zu sein. Langfristig wird die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Schweinehaltung davon abhängen, ob es gelingt, die gesamte Wertschöpfungskette möglichst effizient zu halten, internationale Marktchancen zu nutzen und die besonderen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsvorteile erfolgreich in Erlöse umzusetzen. Ihre Meinung ist gefragt Was denken Sie über dieses Thema? Was beschäftigt Sie aktuell? Schreiben Sie uns Ihre Meinung, Gedanken, Fragen und Anmerkungen. Wir behalten uns vor, Beiträge und Einsendungen gekürzt zu veröffentlichen.

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