"Wollten auf uns draufpinkeln": Kaulitz-Zwillinge erlebten in der Heimat "extremen Hass"
Bill und Tom Kaulitz haben keine guten Erinnerungen an ihr Heimatdorf. Für die Zwillinge war der Ort in Sachsen-Anhalt ein "Gefängnis", in welchem sie anecken und vom Stiefvater mit einem Baseballschläger beschützt werden müssen. Lieber nie wieder Musik machen, als noch einmal im eigenen Heimatdorf leben: So haben sich Bill und Tom Kaulitz entschieden, als Moderator Jo Schück sie für die ZDF-Sendung "Aspekte" vor genau diese hypothetische Wahl stellte. "Wir wollten natürlich immer da raus", sagt Tom Kaulitz in der Sendung "Kulturkampf in Sachsen-Anhalt" über Loitsche. Ein kleiner Ort vor Magdeburg, der bei den Tokio-Hotel-Brüdern offenbar Spuren hinterlassen hat, die auch zwei Jahrzehnte Weltkarriere nicht überdeckt haben. Ausgereicht habe damals schon, wie die beiden aussahen und auftraten. "Wir waren, sage ich mal, schon damals verhaltensauffällig, so wie heute. Also, wir waren sehr laut, sehr selbstbewusst und irgendwie rebellisch", beschreibt Bill Kaulitz die Jugendzeit im Dorf. Wofür sie heute gefeiert werden, zog damals allerdings den Hass auf sich: "Ja, Leute wollten auf uns draufpinkeln und uns die Zähne austreten. Das war schon krass. Da war ein extremer, extremer Hass. Tom hatte Dreadlocks und ein 'Nazis raus'-T-Shirt an, und ich hatte schwarze Haare, Make-up und Fingernägel. Und da waren die Leute sehr überfordert natürlich, gerade zu der Zeit." Der Alltag der Familie richtete sich danach aus. "Wir wurden schon immer abgeholt, unser Stiefpapa musste uns abholen - mit dem Hund, mit dem Baseballschläger", erinnert sich Bill Kaulitz. Sein Bruder kommentiert das mit Galgenhumor: "War eine aufregende Zeit …" Auch in der dritten Staffel der Netflix-Serie "Kaulitz & Kaulitz" beschäftigen sich die Brüder mit ihrer Herkunft. "Loitsche war Gefängnis", sagt Tom Kaulitz dort an einer Stelle. Freiheit, das sei gewesen, sich in die S-Bahn zu setzen und nach Magdeburg zu fahren.