WSV-Analyse: Reißleine, 14 Punkte und Intensität
In ruhiges Fahrwasser wollten der erst seit dem Frühjahr amtierende neue Aufsichtsrat und der aktuelle Vorstand den Verein führen, den WSV wieder in der Stadt etablieren – und gleichzeitig möglichst im oberen Drittel mitspielen. Das sportliche Ziel ist inzwischen revidiert.
Nach dem Kassensturz und der Entscheidung, wegen der aufgelaufenen Verbindlichkeiten im hohen sechsstelligen Bereich (u.a. bei der Verwaltungsberufsgenossenschaft, bei den Krankenkassen und beim Finanzamt) eine „Restrukturierung in Eigenregie“ zu beantragen (die vom zuständigen Insolvenzgericht auch genehmigt wurde), droht weiter ein Neun-Punkte-Abzug. Kommt es so, beträgt der Rückstand auf den auf jeden Fall rettenden 14. Tabellenplatz bereits 14 Punkte.
In St. Tönis hatte der WSV vor allem in der zweiten Halbzeit einen klaren Aufwärtstrend erkennen lassen und erst nach einem Konter in der 90. Minute unglücklich mit 1:2 verloren. Der Glaube, dass sich die Mannschaft stabilisiert, fehlte den Gremien aber offenbar. Und so soll es nun Ismail Jaroui aus der eigenen U19 richten. Der 34-Jährige war mit der Spielvereinigung Velbert 2025 in die Regionalliga aufgestiegen, wurde dort im Oktober freigestellt und hatte im Dezember 2025 die A-Jugend des WSV von Marc Bach übernommen, der Leiter des Nachwuchszentrums wurde.
Wobei der Zeitpunkt des aktuellen Trainerwechsels etwas überrascht. Schließlich reist der WSV beileibe nicht als Favorit zur Auswärtspartie am Dienstag (15. September, 19:30 Uhr, Paul-Janes-Stadion) bei der U23 von Fortuna Düsseldorf, die Tabellenzweiter ist. Viele andere Clubs hätten den Wechsel wohl erst vor dem Kellerduell am Samstag (19. September, 18 Uhr, Stadion am Zoo) gegen den Vorletzten Holzheimer SG (ein Punkt) vollzogen. Doch mutmaßlich sollte Jaroui die Spieler so schnell wie möglich kennenlernen und mit ihnen arbeiten.
Sportvorstand Lennart Strufe hat derweil angekündigt, dass die Mannschaft künftig zeitlich intensiver trainieren soll. Das sei mit Tim Schneider aus beruflichen und familiären Gründen nicht möglich. Der WSV hatte vor Saisonbeginn aus Kostengründen bewusst von (Halb-)Profitum auf Feierabendbetrieb umgestellt. Co-Trainer Niklas Bonnekessel und Torwarttrainer Philipp Pentke bleiben an Bord.
Strufe schweben dabei längere Einheiten vor, möglicherweise auch zusätzliche Tage. Bislang trainierte der WSV, war das Auswärtsspiel sonntags und das Heimspiel dann freitags, zweimal pro Woche (plus individuelle Maßnahmen), sonst (Turnus Freitag bis übernächsten Sonntag) dreimal. Finanzielle Auswirkungen mit Blick auf die Verträge habe ein gesteigertes Pensum nicht, so der Sportvorstand gegenüber der Rundschau.
Zugleich will er in den Gesprächen mit potenziellen Neuverpflichtungen für die Offensive, die noch auf höherklassige Engagements hoffen, Druck machen und auf eine Entscheidung drängen. Wohlwissend, dass es in der Oberliga nur mit Nachwuchskräften nicht geht.
Davon hat Tim Schneider dann nichts mehr. Er hatte sich unmittelbar nach dem Abschied vom Regionalliga-Aufsteiger VfB Hilden in die Arbeit beim WSV gestürzt. Und das unter schwierigsten Voraussetzungen, zunächst mit einem Mini-Kader, dann Verletzungen und Sperren.
„Jeder, der einen Mannschaftssport betreibt, weiß, dass es nicht automatisch funktioniert, wenn man 20 Spieler verpflichtet. Man kann es nur gemeinsam schaffen. Das braucht Zeit und Abstimmung, auch wenn man weiß, wie es geht“, hatte er vor fünf Tagen zur Rundschau gesagt.
Und zudem: „Uns fehlen vier, fünf Wochen aus der Vorbereitung, wo wir ja nicht komplett waren. Das merkt man. Wobei ja bislang nicht alles schlecht war, wir hatten auch gute Phasen. Aber die Oberliga ist nicht ohne. In der vergangenen Saison gab es Absteiger mit 41 Punkten.“