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"Wundersamer Fund": Putin lässt Reliquien "an die Front" bringen

Welt

"Trump hat uns enttäuscht, Xi Jinping hat uns im Stich gelassen, an wen sollen wir uns denn noch wenden, wenn nicht an die Toten? Und da stehen wir wieder da, wie Odysseus, der die Toten der Unterwelt beschwörte und sie nach dem Heimweg befragte. Die Antwort war jedoch mehrdeutig. Es scheint, als befänden wir uns auf einem Irrweg", spottete ein russischer Beobachter [externer Link] über die Exhumierung der sterblichen Überreste des Nationalhelden Dmitri Donskoi (1350 - 1389) in der Moskauer Erzengel-Kathedrale. Donskoi ("der vom Don") wird in Russland als Kriegsheld verehrt, dem es 1380 in einer Schlacht gelungen war, mongolische Khane zu besiegen, denen das Gebiet um Moskau damals tributpflichtig war. Allerdings wurde die Stadt zwei Jahre darauf von den Mongolen erneut verwüstet. "Handelt sich um einen Kriegsfürsten" Putin sprach laut staatlicher Nachrichtenagentur TASS von einer "wundersamen Entdeckung", obwohl die genaue Begräbnisstätte von Donskoi allgemein bekannt war: "Das untermauert all die wichtigsten Grundlagen unserer Geschichte." Er zeigte sich ausdrücklich mit Plänen der russisch-orthodoxen Kirche einverstanden [externer Link]. Die will eine Reliquie von Donskoi "so schnell wie möglich" zur allgemeinen Verehrung und Anbetung ins Frontgebiet schicken. Der mittelalterliche Feldherr habe sich "bei der Verteidigung der Souveränität und Unabhängigkeit des russischen Staates ausgezeichnet", so ein Sprecher der Kirche [externer Link]. Andrei Batalow, stellvertretender Generaldirektor der Moskauer Kremlmuseen, erklärte Putin vor laufender Kamera, das Skelett weise auf einen "kräftig gebauten Mann im Alter von 35 bis 40 Jahren" hin: "Am Stirnbein befinden sich Spuren eines Schlags. Es handelt sich um eine schwere, verheilte Verletzung, von der er sich erholt hat. Sie war nicht tödlich, aber eine Kampfverletzung. Es handelt sich um einen Kriegsfürsten, das ist nun anthropologisch belegt." "Alle Hoffnung ruht jetzt auf Dmitri" Die offenbar vom Kreml geförderte breite russische Medienberichterstattung darüber löste bei Propagandisten wie Sergei Markow Begeisterung aus [externer Link]: "All diese spirituellen Bedeutungen sind sehr wichtig für das russische Volk, das zu den spirituellsten Nationen der modernen Geschichte zählt." Ultrapatriotische Gesinnungsgenossen versicherten [externer Link], es sei "ein Zeichen göttlicher Macht und ein Vorbote des russischen Sieges über die Mächte der Finsternis". Politikberater Pawel Danilin jubelte [externer Link]: "Ein Teil von Donskois Wappen wurde integraler Bestandteil des Wappens der Russischen Föderation. Ein Mann, der sich denen entgegenstellte, die noch nie jemand besiegt hatte, und der siegte. Das ist ein starkes Zeichen. Wir befinden uns nun in einer ähnlichen Lage." Dagegen schrieb Publizist Waleri Panjuschkin in der in Amsterdam erscheinenden "Moscow Times" [externer Link]: "Es ist wichtig zu erwähnen, dass Patriarch Kirill vor vier Jahren allen Priestern befahl, für den Sieg zu beten, und sie beten, und diejenigen, die es nicht wagen zu beten, werden ihres Amtes enthoben – doch es scheint, als ob der Herr sie bisher nicht erhört hat. Alle Hoffnung ruht jetzt darauf, dass der heilige Fürst Dmitri den Allmächtigen irgendwie darauf aufmerksam macht, dass der günstige Zeitpunkt für die Eroberung [der ukrainischen Städte] Slawjansk und Kramatorsk gekommen ist." "Keine geplante Kampagne" Der erste russische Wirtschaftsminister nach dem Ende der Sowjetunion, Andrei Netschajew, spottete [externer Link]: "Lenins Reliquien werden vermutlich bald in seinem Mausoleum 'entdeckt' werden. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sie an die Front gebracht werden." Soziologe Nikolai Mitrokin [externer Link] vermutete, Putin nutze den Knochenfund eher beiläufig für Propaganda: "Es handelt sich hier nicht um eine geplante Kampagne, sondern um den opportunistischen Missbrauch eines zufällig aufgetauchten religiösen Symbols. Die Art und Weise seiner Verwendung ist spontan und noch nicht vollständig koordiniert." Parallelen zum deutsch-römischen Kaiser Otto I. Der Wirbel um Donskoi erinnert an die aufsehenerregende Exhumierung der Gebeine des deutsch-römischen Kaisers Otto I. (912 - 973) aus seinem Sarg im Dom zu Magdeburg. Auch an seinem Skelett wurden kürzlich schwerwiegende Verletzungen durch Gewalteinwirkung festgestellt, am Hinterkopf, im Gesicht, am Unterarm und am Gebiss. Außerdem sollen seine Gelenke vom vielen Reiten zerschlissen gewesen sein.

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