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Württemberg: „Mannheimer Morgen“ druckt Interview mit AfD

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Der „Mannheimer Morgen“ hat ein großflächig geschwärztes Interview mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Heinrich Koch veröffentlicht. Im Rahmen ihrer Sommer-Interviews hatte die regionale Tageszeitung mit Koch in seiner Funktion als AfD-Fraktionsvorsitzender des Gemeinderats in Mannheim gesprochen. Wie die Zeitung auf ihrer Homepage schreibt, sei aus dem zweistündigen Gespräch ein schriftliches Interview entstanden, das Koch im Zuge der Autorisierung um zwei Drittel kürzen wollte.

In den veröffentlichten Textpassagen spricht Koch etwa über die Höflichkeit im Gemeinderat oder seine „fachlich einwandfreie Zusammenarbeit“ mit den Fraktionsvorsitzenden von CDU und Mannheimer Liste. Zum Großteil geschwärzt sind Antworten, die seine Ämterfülle auf Bundes- und Regionalebene betreffen. Auch seine Ausführungen zum Klimawandel und den Rekordtemperaturen des Sommers fehlen in weiten Teilen.

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Miriam Scharlibbe, Chefredakteurin des „Mannheimer Morgen“, rechtfertigte die Veröffentlichung auf der Plattform LinkedIn. „Nein, da ist uns nicht die Druckerschwärze ausgelaufen. Und das ist auch kein Pixel-Fehler in der App. Nur der Versuch eines AfD‑Politikers, die Pressefreiheit zu beschneiden“, schrieb sie.

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Koch habe das Interview gekürzt und umgeschrieben. Er habe sich geweigert, sich zu einem WhatsApp-Status seiner als Stadträtin arbeitenden Frau Silke Koch zu äußern, in dem diese Bilder von muslimischen Frauen in Burkinis mit „Dreck“ beschriftet hatte. „Sogar die Fragen unseres Redakteurs wollte Koch ändern“, monierte die Journalistin.

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Im deutschen Journalismus ist es üblich, Interviewzitate vor der Veröffentlichung von den Gesprächspartnern autorisieren zu lassen. Dabei sollen Zitate auf ihre sachliche Richtigkeit überprüft werden; in der Praxis kommt es jedoch immer wieder zu Kritik, weil Antworten nachträglich umfassend verändert oder entschärft werden.

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Die Autorisierung von Interviews sei hierzulande zwar üblich, stelle aber „keine Einladung zum Eingriff in die journalistische Freiheit“ dar, schreibt Scharlibbe. „Kaum eine Partei schimpft so sehr über freie Medien und Journalismus, wie die AfD“, führte die Journalistin weiter aus. „Sie will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen, schließt Journalisten von Veranstaltungen aus und schreckt auch nicht davor zurück, Reporter zu beschimpfen. Begründet wird dies gerne mit einem angeblich unfairen Umgang der Medien mit AfD-Politikern.“

An Heinrich Kochs Vorgehen lasse sich erkennen, dass es „vielen AfDlern nicht um Fairness“ gehe, schilderte die Journalistin. „Es geht auch nicht darum, Fragen zu beantworten oder Raum für andere politische Ansichten zu haben. Denn immer, wenn Journalisten genau diesen Raum öffnen, werden darin geltende Spielregeln mit Füßen getreten.“

doli

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