Xbox: Chef-Entwickler der Abwärtskompatibilität nach 37 Jahren entlassen
Kevin LaChapelle war bis zu dieser Woche Vice President of Xbox Platform bei Microsoft. Über LinkedIn gab er bekannt, dass er zu den Mitarbeitern gehört, die im Zuge der aktuellen Umstrukturierung gehen müssen. Damit endet eine Karriere, die im August 1989 begann und 37 Jahre umfasste. „Ich füge meinen Namen zur Liste der Personen hinzu, die heute bei Xbox entlassen wurden“, schrieb er. „Das beendet meine 37 Jahre bei Microsoft.“ Seit 2023 verantwortete er die Plattform-Software der Xbox über Cloud, Konsole und PC hinweg. Vom Abwärtskompatibilitäts-Programm zum Cloud-Gaming LaChapelle blickte in seinem Beitrag auf seine wichtigsten Stationen zurück. Seine schönsten Erinnerungen verbindet er mit dem Team talentierter Techniker, das die Xbox Backward Compatibility aufgebaut hat. Über die Vorstellung des Programms berichtete er: „Als ich im Auditorium saß, als Phil das Programm auf der E3 2015 ankündigte, war das unglaublich. Die Reaktion des Publikums war überwältigend.“ Die Abwärtskompatibilität wurde 2015 von Phil Spencer präsentiert und erlaubt es, hunderte Xbox-360-Titel sowie einige Spiele der ersten Xbox über eine Emulationsschicht auf Xbox One und Xbox Series X/S zu spielen. Zum Start verschaffte die Funktion der damals weniger beliebten Xbox One einen Vorteil gegenüber der PlayStation 4, die keine älteren Sony-Spiele nativ abspielen konnte. Nach der Abwärtskompatibilität leitete LaChapelle das Team, das den Cloud-Gaming-Dienst von Microsoft entwickelte. Der Service, früher unter dem Namen xCloud bekannt, streamt Spiele auf Konsolen sowie auf Geräte außerhalb des klassischen Xbox-Ökosystems. Microsoft trieb das Angebot in den vergangenen Jahren stark voran, ein größeres Kernpublikum erreichte es bislang aber nicht. Teil einer breiten Entlassungswelle Die Kündigung ist Teil eines umfangreichen Stellenabbaus. Dabei umfasst die aktuelle Welle rund 4.800 Stellen bei Microsoft, davon unmittelbar etwa 1.600 im Xbox-Bereich. Weitere 1.600 Stellen innerhalb der Gaming-Sparte sollen im Laufe des Geschäftsjahres (bis Ende Juni 2027) abgebaut werden. Microsoft spricht von einem „Reset“ des Gaming-Geschäfts. Betroffen sind neben der Xbox-Plattform auch mehrere Studios. Vier wurden von Microsoft abgestoßen, bei einem weiteren laufen Verhandlungen. Bei Obsidian sollen 60 bis 70 Entwickler gehen. Und auch bei id Software traf es einen großen Teil der Programmierer. Mehr zum Thema auf PLAY3.DE: Das Abwärtskompatibilitäts-Programm selbst könnte in einem anderen Ausmaß neubelebt werden. In der Community wird spekuliert, dass die Funktion für das kommende PC-Konsolen-Hybridsystem von Microsoft, Project Helix genannt, überarbeitet werden könnte – etwa zugunsten einer Digitalisierung von Disc-Spielen. Denn ob Microsoft in der kommenden Konsolengeneration auf ein solches Laufwerk setzen wird, ist offen. Zum Abschluss blickte LaChapelle nach vorn. Er sei überzeugt, dass Unterhaltung langfristig überallhin gestreamt werde, und ergänzte: „Ich bin gespannt, wie sich Xbox in Zukunft entwickelt, und wünsche dem Team nichts als Erfolg.“ Er ist der jüngste prominente Name auf der wachsenden Liste der Beschäftigten, die das Unternehmen im Rahmen der Kürzungen verlassen.