Xbox-Konto gesperrt: Spieler gewinnt Prozess gegen Microsoft und zeigt die Nachteile der digitalen Zukunft
Wer seine Spiele nur digital kauft, verlässt sich darauf, dass der Zugang zum Konto jederzeit funktioniert. Ein Gamer aus Brasilien musste erleben, dass dieser Zugang keine Selbstverständlichkeit ist. Sein Xbox-Konto wurde gesperrt. Und damit verschwand eine über Jahre aufgebaute Sammlung digitaler Spiele. Der betroffene Reddit-Nutzer mit dem Namen Ordo_Liberal wandte sich erstmals vor drei Monaten an die Reddit-Community. Nach der Sperrung habe der Xbox-Support bestätigt, das Konto sei gehackt worden, woraufhin eine Deaktivierung erfolgte. Eine anschließende Freigabe gelang nicht. Die eingerichteten Wiederherstellungsoptionen halfen ebenfalls nicht weiter. Support empfahl Neukauf aller Spiele Besonders brisant: Dem Xbox-Spieler zufolge schlug der Support vor, er solle sämtliche Spiele, die mit dem Konto verknüpft sind, einfach erneut kaufen. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass es sich um automatisierte Nachrichten handelte. Letztlich wandte sich Ordo_Liberal an einen Anwalt in Brasilien und reichte Klage ein. Er berief sich dabei auf das dortige Verbraucherrecht und forderte, dass Microsoft das Konto wieder öffnet. Das Gericht gab ihm recht, wie ein inzwischen veröffentlichtes Schreiben zeigt. Microsoft wurde verpflichtet, das Xbox-Konto zu entsperren und den Zugriff auf die Bibliothek freizugeben. Zusätzlich sprach das Gericht dem Kläger umgerechnet rund 400 US-Dollar Schadensersatz zu, in der Urteilsbegründung als „moralischer Schaden“ bezeichnet. Kommt Microsoft der Anordnung nicht innerhalb von 15 Tagen nach, drohen weitere Strafen. In seinem Beitrag zitierte Ordo_Liberal einen Abschnitt aus dem Urteil: „Sollte der Schuldner eine bestimmte Summe, die Gegenstand des Urteils war, nicht innerhalb von 15 (fünfzehn) Tagen nach rechtskräftigem und unanfechtbarem Urteil oder Beschluss zahlen, so wird der Urteilsbetrag um eine Strafe von 10 % (zehn Prozent) erhöht, wie in Artikel 523 des CPC vorgesehen, unabhängig von einer neuen förmlichen Mitteilung, gemäß den Bestimmungen des Präzedenzfalls 97 des FONAJE und des Präzedenzfalls 13.9.1 der TJRJ-Verordnung 23/2008.“ Warum der Sieg in anderen Ländern schwerer wäre Der schnelle Erfolg hat vor allem mit dem brasilianischen Rechtssystem zu tun. Das Land gilt als besonders verbraucherfreundlich und verfügt über Gesetze, die gegen Missbrauch durch digitale Marktplätze vorgehen. Dazu gehören spezielle Schnellgerichte für kleinere Streitwerte, kostenlose Verfahren und geringere Risiken bei erstinstanzlichen Urteilen. Das heißt, die Hürden sind deutlich niedriger als in vielen anderen Ländern. So war es auch beim Kläger: „In Brasilien kann man einen Rechtsvertreter beauftragen, um in Verbraucherschutzfällen eine Firma zu verklagen“, schrieb er auf Nachfrage. Ihn selbst habe der Prozess nichts gekostet, wobei offen ist, welchen Einfluss dabei das eigene Einkommen hatte. Für Microsoft steht bei solchen Verfahren hingegen mehr auf dem Spiel, etwa Präzedenzurteile. Das spürte auch der betroffene Spieler: „Sie haben 12 Anwälte und ein 300-seitiges Dokument mit ihrer Verteidigung geschickt. Ich wünschte, ich würde Witze machen.“ Der Zeitpunkt des Urteils könnte kaum passender sein: Sony Interactive Entertainment plant, die Produktion von Discs für neue Spiele ab Anfang 2028 einzustellen. Damit erfolgt ein kompletter Wechsel auf ein digitales System. Ausgenommen sind vorerst Spiele, die vor dem Stichtag erschienen. Sie können auf Disc nachproduziert werden.