Xenotransplantation: Ärzte melden längste Überlebenszeit von transplantierter Schweineniere
In den USA haben Ärztinnen und Ärzte einem damals 66-jährigen Patienten die Niere eines genetisch modifizierten Schweins transplantiert. Die Schweineniere habe neun Monate lang funktioniert und den Mann den Angaben nach in dieser Zeit vollständig von der Dialyse befreit, berichtete das Ärzteteam im Fachjournal The Lancet.
Der Patient sei infolge eines langjährigen Diabetes von einer schweren Nierenerkrankung betroffen gewesen, hieß es. Vor der Transplantation war er demnach auf die Blutwäsche angewiesen. Der Fall wurde ab Anfang 2025 dokumentiert. Es handelte sich den Angaben nach um eine sogenannte Brückentechnologie mit dem Ziel, die Schweineniere zur Überbrückung zu nutzen, bis ein geeignetes menschliches Organ zur Verfügung steht.
Erster Patient mit erfolgreicher Überbrückung
»Der Patient weist die bislang längste Überlebensdauer mit einer funktionstüchtigen Schweineniere auf und war mehr als neun Monate dialysefrei. Zudem war er der erste Patient, bei dem eine Schweineniere erfolgreich als Überbrückung bis zur Transplantation einer menschlichen Spenderniere eingesetzt wurde«, sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Virussicherheit der Xenotransplantation an der FU Berlin, Joachim Denner, dem Science Media Center angesichts des Falls.
Die Ärztinnen und Ärzte schätzen die Chance des Mannes, innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Spenderorgan zu bekommen, auf etwa neun Prozent. Das Risiko, in dieser Zeit ohne neue Niere zu sterben oder von der Organwarteliste gestrichen zu werden, lag ihrer Einschätzung zufolge dagegen bei 40 Prozent.
Die Schweineniere arbeitete laut dem Bericht nach der Transplantation zunächst robust. Die Blutwerte, die die Nierenfunktion anzeigen, verbesserten sich innerhalb kurzer Zeit deutlich. Bereits während der Operation habe die Niere Urin produziert. Etwa zwei Wochen nach der Transplantation sei es zu Abstoßungsreaktionen gekommen, die sich aber mit Medikamenten gut behandeln ließen.
Technologie soll weltweiten Mangel an Spenderorganen lösen
Nach rund einem halben Jahr zeigten sich in der Niere beschädigte Blutgefäße, deren Ursache laut den Forschenden jedoch nicht in einer klassischen Abwehrreaktion lag, sondern womöglich auch von einer Infektion mit einem Krankenhauskeim stammte. Trotz mehrerer Behandlungsversuche verschlechterte sich die Nierenfunktion weiter. Schließlich musste die Schweineniere im Oktober 2025 nach 271 Tagen wieder entfernt und der Patient abermals für 82 Tage an die Dialyse angeschlossen werden, bevor eine menschliche Spenderniere transplantiert werden konnte.