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Xi-Besuch bei Trump: Warum KI zum Machtkampf zwischen USA und China wird

Technologie

Donald Trump empfängt Xi Jinping in Washington mit großem diplomatischem Pomp. Doch hinter den Bildern der demonstrativen Freundschaft verbirgt sich eine gefährliche Rivalität – gerade in Fragen Künstlicher Intelligenz.

Bastian Brauns berichtet aus Washington

Gegen 18 Uhr Ortszeit, um Mitternacht deutscher Zeit, wird Donald Trump Chinas Staatschef Xi Jinping persönlich am Flughafen, auf der Joint Base Andrews empfangen. Es ist jener Militärflugplatz außerhalb von Washington, von dem sonst der US-Präsident mit der Air Force One zu seinen Reisen aufbricht.

Nicht nur der Ort ist darum ungewöhnlich, sondern auch die Anwesenheit von Donald Trump. Seit John F. Kennedy 1962 den britischen Premierminister Harold Macmillan begrüßte, hat dort kein US-Präsident mehr einen ausländischen Regierungschef persönlich auf dem Rollfeld empfangen – abgesehen von Päpsten.

Für Xi Jinping sind solche protokollarischen Details wichtig. Chinas Staatschef wünschte sich für seinen Staatsbesuch in der US-Hauptstadt den höchsten Rang diplomatischer Inszenierung. Und Trump möchte ihm diesen Gefallen auch tun. Immerhin hat Xi ihn im Mai in Peking ebenfalls hofiert – auch wenn der ihn nicht am Flughafen abholte.

Zu erwarten ist an diesem Donnerstag also unter anderem ein Ehrenspalier, 21 Salutschüsse und ein formeller Empfang auf dem Rasen vor dem Weißen Haus. Wochenlang tauschte sich das Weiße Haus über solche Details mit der chinesischen Regierung aus. Vor Xis Abflug ist am Freitag noch ein Besuch in den National Archives geplant, wo die 250 Jahre alte amerikanische Unabhängigkeitserklärung ausliegt.

Der eigentliche Machtkampf jenseits der Bilder

Im Wunsch nach Pomp steckt vielleicht die offensichtlichste Gemeinsamkeit von Trump und Xi. Die Staatschefs der beiden Supermächte haben ein Interesse daran, dass ihr Aufeinandertreffen vor der jeweils eigenen Bevölkerung und vor der Weltöffentlichkeit gut aussieht. Obwohl es für Trump im Innern nichts Schlimmeres als Kommunisten gibt, wird er Xi, den Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas, wie einen besten Freund behandeln.

Vielleicht ist dieser gemeinsame Wille zur Inszenierung aber nicht nur die deutlichste Verbindung von Trump und Xi. Es könnte auch die Einzige sein. Jenseits des roten Teppichs liegt die eigentliche Schwierigkeit dieses Gipfels. Trump und Xi wollen zwar beide verhindern, dass das Verhältnis ihrer Länder erneut eskaliert. Doch in der Frage, wie das gelingen soll, liegen ihre Interessen weit auseinander.

Die USA wollen ihre technologische und wirtschaftliche Abhängigkeit von China begrenzen. Peking will amerikanischen Einfluss zurückdrängen und die eigene Macht in der eigenen Hemisphäre, aber auch weltweit sichern. Bei künstlicher Intelligenz, Halbleitern und anderen Schlüsseltechnologien geht es längst um mehr als nur um Handelsfragen. Es geht um die Frage, wer im Rennen um die wohl mächtigste Waffe unserer Zeit die Nase vorn hat und sie womöglich kontrollieren wird.

KI-Panne hätte beinahe Konfrontation ausgelöst

Bei seiner Rede vor den Vereinten Nationen prahlte Trump am Dienstag in New York damit, die USA würden in Fragen von Künstlicher Intelligenz weit vor China führen. Pekings Diplomaten im Saal verfolgten die Worte des Präsidenten mit versteinerten Mienen, wie bei einem Pokerspiel. In China weiß man um die eigene Macht auf diesem Gebiet. Der Vorsprung der USA schrumpft immer weiter zusammen.

Doch gerade bei der Künstlichen Intelligenz handelt es sich kaum um ein Spiel, sondern um Rivalität, die auch in gefährliche Realität münden kann. Vor Kurzem etwa wurde bekannt, dass durch den Fehler einer KI auf amerikanischer Seite beinahe eine direkte militärische Konfrontation zwischen den USA und China ausgelöst worden wäre – mit unabsehbaren Folgen.

Ein US-Geheimdienstbericht kam demnach zu dem Schluss, ein chinesisches Schiff im Nahen Osten transportiere Komponenten für ein Nuklearwaffenprogramm. Das Militär bereitete daraufhin eine Operation vor, um das Schiff abzufangen und möglicherweise zu entern. Militärflugzeuge waren bereits in der Luft, als auffiel, dass die Grundlage für den Bericht mithilfe eines KI-Chatbots erstellt worden war. Die Fracht des Schiffes wurde falsch identifiziert. Die Operation wurde abgebrochen.

Der US-Versuch, China einzubremsen

Es ist nur ein Beispiel, was passieren kann, wenn diese Systeme Fehler machen – und plötzlich sicherheitspolitisch gravierende Folgen haben können. Auch deshalb steht die Technologie an diesem Donnerstag ganz oben auf der Tagesordnung von Trump und Xi. Dem US-Präsidenten, zumindest aber den Strategen im Hintergrund, dürfte inzwischen längst klar sein, was in diesem Rennen auf dem Spiel steht. Aber was tun, um Chinas Einfluss auf diesem Gebiet einzudämmen oder zumindest zu bremsen?

Insbesondere bei Exportkontrollen für moderne Chips, die für Künstliche Intelligenz benötigt werden, hatte die US-Regierung zuletzt Abstand von weitergehenden Maßnahmen genommen. Die Sorge im Weißen Haus: Ein neuer Schlag gegen China könnte nicht nur eine Verständigung zwischen Trump und Xi gefährden, sondern auch die amerikanische Wirtschaft.

In der Frage dringend benötigter Rohstoffe, der Seltenen Erden, hatte China der US-Regierung bereits eine ziemlich unangenehme Lektion erteilt. Trump wollte China mit massiven Zöllen unter Druck setzen, aber Xi ließ mit einem vorläufigen Ausfuhrstopp zurückschlagen und traf damit einen Punkt, an dem amerikanische Tech-Unternehmen direkt verwundbar sind. Diese Auseinandersetzung zeigte, wie hochbrisant diese letztendlichen Machtfragen sind.

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Dilemma von KI-Kontrolle im Wettrennen gegeneinander

Für die beiden nuklearen Supermächte unserer Zeit gibt es ohnehin kaum etwas Wichtigeres als Verständigung und Stabilität. Die Taiwan-Frage, die nach dem Wunsch von Chinas Botschafter in Washington bei diesem Xi-Besuch ebenso ausgeklammert werden soll wie kritische Fragen nach Demokratie, stand bislang im Zentrum vieler Sorgen vor einer möglichen Eskalation zwischen den USA und China.

Das Rennen um die Künstliche Intelligenz aber scheint nun all das zu überlagern. Denn hier entsteht ein Dilemma, das sich nicht mit einfachen Kompromissen lösen lässt. In den USA warnen inzwischen führende KI-Forscher und sogar die Manager großer Tech-Konzerne davor, dass die Entwicklung immer leistungsfähigerer Systeme die Fähigkeit des Menschen überholen könnte, sie zu kontrollieren. Und auch die explodierenden Kosten dürften eine große Rolle spielen.

Mehrere führende KI-Unternehmen haben deshalb eine Verlangsamung oder zumindest eine Begrenzung des Tempos gefordert. Einige fordern sogar aktiv staatliche Regulierungen ein. Doch gleichzeitig gilt in Washington: Wer bei KI langsamer wird als China, könnte einen entscheidenden technologischen und damit auch wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Vorteil verspielen.

Zwar hat man auch in Peking Interesse an Kontrolle über KI. Die Motivation dafür ist innerhalb der Ein-Parteien-Diktatur allerdings eine andere als in den westlichen Gesellschaften. Es ist darum kein Wunder, dass China Forderungen aus den USA nach einer Verlangsamung zurückweist. Denn dort betrachtet man die Künstliche Intelligenz ebenfalls als zentrale strategische Technologie, bei der man nicht zurückliegen will.

Beide Seiten wollen die Technologie kontrollieren. Beide wissen um ihre Risiken. Und beide wollen zugleich schneller sein als der andere. Wie diese widersprüchliche Ausgangslage gelöst werden soll, ist vollkommen offen. Dass es dazu beim Gipfel der Bilder zwischen Trump und Xi zu einem gemeinsamen Durchbruch kommen könnte, wird von Experten darum bezweifelt.

Es braucht mehr als schöne Bilder

Sind die USA und China tatsächlich bereit, über Sicherheitsregeln zu sprechen? Braucht es dafür, wie einst im Kalten Krieg mit der damaligen Sowjetunion, eine Art rotes Telefon? Bei einem solchen Krisenkanal müsste jedenfalls das Vertrauen wachsen, dass im Krisenfall am anderen Ende auch wirklich jemand abnimmt.

Jenseits solcher komplizierten Fragen werden sich Trump und Xi, gemeinsam mit ihren Ehefrauen Peng Liyuan und Melania, in Washington freundlich die Hände schütteln. Das aber wird wenig über den wahren künftigen Zustand der Beziehungen aussagen. Messen lassen müssen sich die beiden Staatschefs an entscheidenden Fragen:

Finden die USA und China geopolitische Antworten in Bezug auf den Nahen Osten und auf den von China mit ermöglichten russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine? Wird der ohnehin brüchige Handelsfrieden über den November hinaus verlängert? Hält China seine Zusagen ein, Seltenen Erden tatsächlich weiterhin zu liefern? Werden aus den angekündigten amerikanischen Exporten nach China, wie die angekündigten 200 Boeing-Flugzeuge sowie amerikanische Agrarprodukte, konkrete Bestellungen oder bleiben sie, wie schon beim Gipfel in Peking, nur Trumps große Ankündigungen?

Trump und Xi werden die strategische Rivalität der Supermächte nicht beenden. Aber sie müssen sie beherrschbar halten. Dafür brauchen sie konkrete Vereinbarungen, die über schöne Bilder und freundliche Worte hinausgehen. Die vermittelte Nähe und die Feierlichkeit kann helfen. Nur, ob daraus wirklich Stabilität entsteht, von der letztlich die ganze Welt abhängt, wird sich erst zeigen, wenn Xi wieder in Peking ist.

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