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Xing-Gründer Lars Hinrichs startet Mobilfunk für 10 Euro - unbegrenztes Datenvolumen in 100 Ländern dank KI

Technologie

Xing-Gründer Lars Hinrichs will den deutschen Mobilfunkmarkt aufmischen. Mit seinem neuen Unternehmen Simsalasim plant der 49-Jährige einen Tarif, der für zehn Euro im Monat weltweit nutzbar sein soll. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) soll der Anbieter im Laufe dieser Woche starten.

Hinrichs macht aus seinen Ambitionen keinen Hehl:

„Es ist ein kompletter Angriff auf die Telekom, Vodafone und viele, viele andere“, sagte er der FAS.

Damit greift ausgerechnet ein früheres Telekom-Aufsichtsratsmitglied den Konzern an. Hinrichs gehörte mehr als zehn Jahre dem Aufsichtsrat der Deutschen Telekom an und schied Anfang 2025 aus.

Zehn Euro für Mobilfunk in 100 Ländern

Das Versprechen von Simsalasim ist ungewöhnlich: Für zehn Euro im Monat sollen Kunden unbegrenzt mobile Daten nutzen können – und das in rund 100 Ländern. Eine Drosselung soll es nicht geben.

In etwa 50 Ländern sollen zusätzlich unbegrenzte Telefonate und SMS im Tarif enthalten sein. Die Nutzung des Smartphones als Hotspot für einen Laptop oder andere Geräte ist nach den Angaben der FAS allerdings ausgeschlossen.

„Bild“ berichtet zudem, dass es sich bei den zehn Euro nicht um einen zeitlich begrenzten Lockpreis handeln soll. Eine Anschlussgebühr soll es demnach ebenfalls nicht geben. Kunden sollen den Tarif über eine eSIM aktivieren können. Für zusätzliche KI-Funktionen könnten allerdings weitere Kosten anfallen.

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KI soll Mobilfunkanbieter schlank halten: One-Person-Unicorn als Ziel

Nach Hinrichs' Vorstellung baut Simsalasim kein eigenes Mobilfunknetz auf. In Deutschland soll das Unternehmen Netzkapazitäten von Telefónica einkaufen. Funkmasten müssen somit nicht selbst errichtet und betrieben werden.

Der entscheidende Unterschied zu klassischen Mobilfunkunternehmen ist die schlanke Struktur: Hinrichs setzt auf Software und künstliche Intelligenz. Nach Angaben der „Bild“ arbeitet das Unternehmen mit lediglich 25 Beschäftigten. Softwareentwicklung, Abrechnung, Marketing und Kundenservice sollen möglichst weitgehend automatisiert werden.

„Wir haben keine Funkmasten und betreiben keine klassischen Handy-Shops“, sagte Hinrichs der „Bild“.

Sein Ziel sei es, die Funktionen eines Telekommunikationsunternehmens mithilfe von KI abzubilden. Nach seinen Angaben kosten ihn die eingesetzten KI-Dienste derzeit knapp 80.000 Euro im Monat. Dafür könne er die Leistung von „Hundert Entwicklern“ erhalten, sagte Hinrichs der FAS. Er verfolgt dabei eine ungewöhnliche Idee: ein „One-Person-Unicorn“. Gemeint ist ein Start-up, das eine Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar erreicht und dabei mit extrem wenig Personal auskommt – im Idealfall sogar mit nur einem einzigen Gründer.

KI-Assistent mischt sich auf Wunsch ins Telefonat ein

Auch für die Kunden soll künstliche Intelligenz zum Bestandteil des Tarifs werden.

Während eines Telefonats könnte ein KI-Assistent beispielsweise weitere Personen in das Gespräch holen, das Gespräch mitschreiben oder es in eine andere Sprache übersetzen. „Bild“ berichtet außerdem von einem geplanten KI-Assistenten, der verpasste Anrufe entgegennehmen und anschließend zusammenfassen soll.

Hinzu kommen Funktionen für Eltern, mit denen sie die Nutzung des Mobilfunks durch ihre Kinder kontrollieren können. Damit will Hinrichs aus dem Mobilfunkvertrag mehr machen als ein klassisches Paket aus Datenvolumen, Telefonie und SMS.

Hinrichs hält Mobilfunk für reif für einen Umbruch

Der Unternehmer sieht in der Branche selbst ein Problem. Die Telekommunikation habe in den vergangenen Jahrzehnten aus seiner Sicht zu wenig echte Innovation hervorgebracht.

„Im Bereich Telekom gab es keine wirkliche Innovation in den letzten zwanzig, dreißig Jahren“, so Hinrichs.

Die Branche habe sich im Wesentlichen über den Zusammenhang von Zeit, Preis und Datenvolumen entwickelt.

Während seiner Zeit im Telekom-Aufsichtsrat habe er immer wieder vor sogenannten „schwarzen Schwänen“ gewarnt – also unerwarteten Ereignissen oder neuen Wettbewerbern, die etablierte Geschäftsmodelle ins Wanken bringen können. Heute sieht er sich selbst in dieser Rolle:

„Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich der schwarze Schwan bin.“

Experte bezweifelt Vorteil für viele Kunden

Ob der weltweite Tarif tatsächlich eine große Nachfrage erzeugt, ist allerdings offen. Der Telekommunikationsexperte Peter Winzer von der Hochschule Rhein-Main sieht insbesondere beim Roaming-Versprechen einen möglichen Haken. Für viele Kunden dürfte die Möglichkeit, in 100 Ländern unbegrenzt Daten zu nutzen, im Alltag kaum entscheidend sein.

„Die wenigsten werden es wirklich brauchen, wenn man ehrlich ist“, sagte Winzer der FAS.

Entscheidend könnte deshalb der Vertrieb werden. Gelinge es Hinrichs, genügend Kunden zu erreichen, könne das Konzept dennoch erfolgreich sein, so die Einschätzung des Experten.

Vom Xing-Gründer zum Mobilfunk-Unternehmer

Hinrichs ist in der deutschen Start-up-Szene kein Unbekannter. 2003 gründete er das Business-Netzwerk OpenBC, das später unter dem Namen Xing bekannt wurde.

2006 ging das Unternehmen an die Börse. 2009 verkaufte Hinrichs einen Teil seiner Beteiligung an den Burda-Verlag. Seitdem ist der Unternehmer an verschiedenen Projekten beteiligt.

Nun folgt mit Simsalasim seine nächste große Wette. „Bild“ berichtet, dass Hinrichs für das Unternehmen bereits 25 Millionen Dollar eingesammelt habe. Bis 2030 soll Simsalasim demnach mehr als 20 Millionen Kunden gewinnen. Langfristig peile das Unternehmen sogar 100 Millionen Nutzer weltweit an.

Ob ein Mobilfunkanbieter mit wenigen Mitarbeitern, stark automatisierten Abläufen und einem globalen Zehn-Euro-Tarif gegen etablierte Konzerne bestehen kann, muss sich allerdings erst zeigen.

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