XJazz-Festival in Berlin beantragt Insolvenz - Streit um 200.000 Euro
Ärger um 200.000 Euro aus Landeshaushalt
Berliner Festival meldet Insolvenz an
Von t-online, ast
25.09.2026 - 09:47 UhrLesedauer: 2 Min.
Das Berliner XJazz-Festival fällt in diesem Jahr aus. Die Veranstalter machen vor allem die Förderpraxis des Landes verantwortlich. Die Kulturverwaltung nennt jedoch andere Gründe.
Die XJazz Festival GmbH hat einen Insolvenzantrag gestellt. Wie der Festivalgründer und künstlerische Leiter, Sebastian Studnitzky, mitteilte, sei der Antrag am 22. September beim Amtsgericht Charlottenburg eingereicht worden. Damit ist klar: Die für Oktober geplante Ausgabe des Festivals ist abgesagt.
Hinter dem Aus steht ein Streit um öffentliche Fördermittel. Im Berliner Landeshaushalt sind für das XJazz-Festival 2026 insgesamt 200.000 Euro vorgesehen. Das geht aus dem Haushaltsplan des Landes hervor. Die Aufnahme in den Haushalt bedeutet allerdings noch nicht automatisch, dass die Summe auch ausgezahlt wird. Warum die Förderung am Ende nicht floss, darüber gehen die Darstellungen der Kulturverwaltung und des Festivals auseinander.
Veranstalter kritisieren späte Entscheidungen
Studnitzky wirft der Berliner Kulturverwaltung vor, über die Förderung regelmäßig so spät entschieden zu haben, dass eine verlässliche Planung kaum möglich gewesen sei. Künstlerverträge, Reisen und andere Ausgaben müssten Monate vor einem Festival fest vereinbart werden. "Diese Lücke haben wir über Jahre mit privaten Mitteln, unbezahlter Arbeit und persönlichem Risiko finanziert", schrieb er in einer persönlichen Stellungnahme.
Bereits im Frühjahr hatte es eine kurzfristige Förderabsage gegeben. Daraufhin wurde das ursprünglich für einen früheren Termin geplante Festival in den Herbst verschoben. Nach Darstellung Studnitzkys sollte dadurch mehr Zeit für die Prüfung des Förderantrags entstehen. Dennoch sei die Förderung wenige Wochen vor dem neuen Termin erneut abgelehnt worden.
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Senatsverwaltung verweist auf offene Forderungen
Die Kulturverwaltung hält dagegen, der entscheidende Punkt sei, dass "die Aufnahme von 200.000 Euro für XJazz in den Berliner Haushalt keine automatische Förderzusage" sei, sagte eine Sprecherin der "Berliner Zeitung". Bei der Prüfung früherer Förderjahre seien zudem "Unregelmäßigkeiten" festgestellt worden. Daraus hätten sich Rückforderungen ergeben, die noch offen gewesen seien. Deshalb habe die Förderung für 2026 nicht ausgezahlt werden können.
Dass XJazz in den vergangenen Jahren öffentlich gefördert wurde, lässt sich auch in der Berliner Zuwendungsdatenbank nachvollziehen. Dort sind für 2024 eine Förderung von 250.000 Euro und für 2025 eine Summe von 200.000 Euro ausgewiesen.
Nach Angaben von visitBerlin zieht das Festival jährlich bis zu 12.000 Besucher an. Ganz verstummen soll der Jazz im Oktober auch trotz des Streits nicht. Mehrere ursprünglich für XJazz geplante Konzerte finden bei anderen Veranstaltern statt. Nach Angaben von XJazz erhalten Besitzer eines Festivaltickets dort kostenlos Eintritt.