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Yuki Manuela Janke über Frauen in Orchestern: Männerquote wird zu niedrig

Unterhaltung

Interview

Yuki Manuela Janke: Männerquote in Orchestern wird zu niedrig

Stand: 29.09.2026 03:00 Uhr

Yuki Manuela Janke ist 1. Konzertmeisterin der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Anlässlich ihres 40. Geburtstags spricht sie im Interview über ihren Karriereweg, die Rolle von Frauen in Orchestern und warum sie bei der Geschlechterverteilung in der Klassik inzwischen neue Herausforderungen sieht.

von MDR Kulturdesk

Als 1. Konzertmeisterin hatte Janke das Gefühl, besonders unter Beobachtung zu stehen.

Sie sorgt sich, dass mittlerweile zu wenige Männer in Orchestern spielen.

Es braucht die richtige Mischung, damit ein Orchester gut klingt, meint Janke.

Sie kamen 2012 zum ersten Mal zur Staatskapelle Dresden. Wussten bei dem Vorspiel alle, dass da eine Frau spielt?

Ich hatte hohe Schuhe an. Beim Probespiel war eine Wand hingestellt worden, aber unten war ein Spalt. Und das Orchester, das als Jury im Publikum saß, hat meine Schuhe gesehen. Ich war die einzige weibliche Kandidatin und dann haben sie mich quasi erkannt, obwohl das eigentlich anonym sein sollte.

Ich weiß noch: Ich hatte das Probespiel gespielt, gewonnen und erst dann zum ersten Mal das Orchester gegoogelt – und da hab ich Fotos gesehen, wo nur Herren zu sehen sind. Das hat mich schon sehr schockiert. Das kannte ich vom Saarbrücker Orchester anders.

Ich hatte das Orchester gegoogelt und Fotos gesehen, wo nur Herren zu sehen sind. Das hat mich schon sehr schockiert. Yuki Manuela Janke über die Sächsische Staatskapelle Dresden

Das 1548 ins Leben gerufene Orchester hatte somit nach 464 Jahren das erste Mal eine Frau als erste Konzertmeisterin. 2012 waren wesentlich weniger Frauen im Orchester als heute. Hatten Sie damals den Eindruck, dass Sie deshalb genauer beobachtet werden?

Indirekt habe ich schon gespürt, dass von mir etwas Besonderes erwartet wird. Und dass ich auch kritischer beäugt werde. Viele außenstehende Freunde – also Studienkollegen oder auch meine Geschwister – haben gesagt: Das ist doch bestimmt bestimmt schwierig, mit den älteren, männlichen Kollegen zu arbeiten. Das gefällt denen doch bestimmt nicht.

Aber ich muss wirklich sagen, genau diese Leute haben mich sehr unterstützt und auch viele Ratschläge gegeben. Insofern habe ich das im Alltag im Orchester eigentlich nie gespürt.

Damals wurde Ihre Probezeit als Konzertmeisterin in Dresden nicht verlängert. Dann sind Sie erstmal nach Berlin gegangen. 2023 haben Sie sich erneut um die Stelle in Dresden beworben und diesmal auch bekommen. Fühlen Sie sich jetzt angenommen?

Ich fühle mich sehr gut aufgenommen und akzeptiert. Was ich vielleicht jetzt anders mache, ist, dass ich früher angestrengter war. Und während der Zeit in Berlin habe ich viele Dirigentinnen kennengelernt, auch andere Konzertmeister und Konzertmeisterinnen und beobachten können, was eine gute Führungspersönlichkeit ausmacht. Auch das Muttersein hat mir sehr viel beigebracht, wie man auch mit Menschen umgehen soll.

Sagen Sie: Endlich ist es so, dass Weiblichkeit im Orchester etwas völlig Normales ist?

Es ist tatsächlich jetzt völlig normal geworden. Auch in unserem Orchester haben wir sehr viele Kolleginnen mittlerweile. Ich mache mir jetzt eher Sorgen, dass die Männerquote sehr niedrig wird. Auch in den Hochschulen sieht man eigentlich nur noch Studentinnen. Auch bei Probespielen sieht man 80 Prozent oder mehr weibliche Kandidaten und sehr wenige männliche. Ich bin immer der Meinung, dass es eine Mischung braucht. Wenn es zu viele Männer sind, dann ist es nicht gut, aber wenn es zu viele Frauen werden, ist es auch eben nicht so geeignet, auch im Sozialen zusammen.

Momentan muss ich leider sagen, dass die Tendenz da ist: Hauptsache eine Frau. Yuki Manuela Janke, Konzertmeisterin der Sächsischen Staatskapelle Dresden

Hören Sie das, wenn Sie beispielsweise ein Stück im Radio hören, ob da eine Geigerin oder ein Geiger spielt?

Leider versuchen viele Frauen den kraftmäßigen Unterschied einfach mit Gewalt kompensieren zu wollen und das hört man leider auch. Und ich hatte schon immer bei vielen weiblichen Musikerinnen den Eindruck, dass sie einen etwas härteren Klang haben und bei Männern ist da eher dieser richtig fette, tiefe, warme Klang.

Leider versuchen viele Frauen den kraftmäßigen Unterschied einfach mit Gewalt kompensieren zu wollen und das hört man leider auch. Yuki Manuela Janke, Konzertmeisterin der Sächsischen Staatskapelle Dresden

Momentan muss ich leider sagen, dass die Tendenz ist: Hauptsache eine Frau. Wir zeigen dem Publikum oder der Welt, dass wir sehr weltoffen und genderneutral sind und laden einfach eine Frau ein. Das finde ich den Männern gegenüber sehr unfair. Die Männer, die vielleicht genauso gut sind, werden nicht mehr eingeladen, sondern es werden eher die Frauen bevorzugt bei den Dirigenten.

Transparenzhinweis: Das Interview wurde zur besseren Lesbarkeit gekürzt und bearbeitet.

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