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Zahl der Asylanträge sinkt drastisch

Welt

Die Zahl der Asylanträge in der EU geht deutlich zurück – und Deutschland ist nicht mehr das bevorzugte Zielland für Schutzsuchende. Doch hinter dem Rückgang verbergen sich erhebliche Probleme.

Deutschland hat seine jahrelange Spitzenposition als meistgewähltes Asylland in der Europäischen Union verloren. Wie die "Bild" berichtet, wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 EU-weit (einschließlich Norwegen und Schweiz) lediglich rund 332.000 Asylanträge registriert. Das entspricht einem Rückgang von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – und markiert den niedrigsten Stand seit 2019, wenn man die pandemiebedingten Sonderjahre außer Acht lässt.

An der Spitze der Zielländer steht nun Frankreich mit ungefähr 69.000 Anträgen. Dahinter folgen Italien mit rund 66.000 und Spanien mit etwa 55.000 Gesuchen. Deutschland rangiert mit circa 54.000 Anträgen lediglich auf dem vierten Platz – ein Einbruch um rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Grenzkontrollen zeigen offenbar Wirkung

Als wesentliche Ursache für den starken Rückgang in Deutschland gelten die Kontrollen an den Außengrenzen, die seit Ende 2024 durchgeführt werden. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte damals auch verschärfte Zurückweisungen angekündigt. Die Maßnahmen scheinen Ergebnisse zu liefern: Die Bundespolizei verzeichnete der "Bild" zufolge im August so wenige unerlaubte Grenzübertritte wie seit über fünf Jahren nicht mehr.

Afghanen bleiben größte Gruppe – mit hoher Schutzquote

Menschen aus Afghanistan bilden mit rund 39.000 Anträgen nach wie vor die zahlenmäßig stärkste Gruppe unter den Asylsuchenden in der EU. Ungefähr die Hälfte von ihnen richtet ihr Gesuch an die Bundesrepublik.

Die Aussichten auf einen positiven Bescheid sind dabei hoch: 73 Prozent der afghanischen Antragsteller erhalten Schutz. Noch höher lag die Anerkennungsquote laut "Bild" nur bei Geflüchteten aus Mali (87 Prozent) und Haiti (84 Prozent).

Parallel zum Rückgang neuer Gesuche türmt sich in den europäischen Asylbehörden allerdings ein massiver Berg unerledigter Verfahren. Ende Juni 2026 warteten rund 770.000 Fälle allein in der ersten Instanz auf eine Entscheidung – zwar 8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, aber immer noch eine gewaltige Zahl.

Besonders problematisch: Nahezu drei Viertel dieser Verfahren waren bereits länger als sechs Monate anhängig. Bezieht man sämtliche Instanzen ein, summieren sich die offenen Fälle auf geschätzte 1,2 Millionen.

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EU-Außengrenzen unter massivem Druck

Dass die Migrationslage trotz sinkender Antragszahlen brisant bleibt, zeigte sich Ende Juli auf dramatische Weise: Zehntausende Menschen versuchten, die spanische Exklave Ceuta zu stürmen. EU-Kommissar Magnus Brunner reagierte mit deutlichen Worten und kündigte an, im Herbst einen neuen Vorschlag vorzulegen, der der europäischen Grenzschutzagentur Frontex erweiterte Befugnisse einräumen soll. "Jetzt müssen wir an Europas Außengrenzen noch einen Gang zulegen", sagte Brunner laut "Bild".

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