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Zahl der Kinderkrankentage soll auf Vor-Corona-Niveau sinken: Was die Pläne für Eltern und Kinder bedeuten

Nation

Wenn das Kind krank ist

Zahl der Kinderkrankentage soll sinken: Was die Pläne bedeuten

Stand: 25.09.2026 11:21 Uhr

Wenn das Kind Magen-Darm hat oder mit Fieber im Bett liegt, werden die Eltern zuhause gebraucht und können nicht arbeiten. Damit das ohne große finanzielle Verluste möglich ist, gibt es in Deutschland Kinderkrankengeld. Aktuell stehen jedem Elternteil mindestens 15 Kinderkrankentage zu. Gesundheitsminister Carsten Linnemann will diese Zahl nun wieder reduzieren – auf das Niveau vor der Corona-Pandemie.

von Marius Rudolph, MDR AKTUELL

Sozialverbände und Gewerkschaften befürchten, dass Eltern kranke Kinder künftig häufiger in Kita und Schule schicken.

Nur etwa zwei Prozent der Eltern schöpfen die 15 Kinderkrankentage laut AOK vollständig aus.

Gesundheitsökonomen erwarten durch weniger Kinderkrankentage keine großen finanziellen Einsparungen.

Die Kinderkrankentage wieder auf das Vor-Corona-Niveau zu senken, sorgt beim Sozialverband Deutschland für großes Unverständnis.

"Eine katastrophale Entwicklung"

Sprecher Peter-Michael Zernechel sagt, dass viele Familien schon jetzt am Limit seien: "Das ist eine absolute Falle für Eltern. Die wissen oft nicht, wie sie das organisiert bekommen sollen. Im Zweifel melden sie sich dann selber krank. Das ist ja auch nicht im Sinne des Erfinders. Und wenn es ganz schlimm läuft, fallen die Kinder hinten runter, werden halbkrank in die Kita geschickt und stecken noch andere an im Hort oder in der Schule.

Das ist wirklich keine gute Idee. Das ist aus unserer Sicht eine katastrophale Entwicklung. Peter-Michael Zernechel, Sozialverband Deutschland

Gewerkschaft befürchtet mehr kranke Kinder in Kitas und Schulen

Dass mehr kranke Kinder in Schulen und Kitas landen werden, befürchtet auch Burkhard Naumann, Vorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW in Sachsen. Er geht davon aus, dass sich dadurch vor allem in der Erkältungs- und Grippesaison andere Kinder, aber auch Erzieher und Lehrkräfte anstecken werden: "Wenn man an dieser Stellschraube dreht, rechnen wir auch wieder mit mehr Personalausfall. Das ist in der jetzigen Situation wirklich fatal. Wir haben in Sachsen bundesweit den zweitschlechtesten Betreuungsschlüssel an Kitas, wir haben einen massiven Lehrkräftemangel – das verschärft die Situation vor Ort nochmal deutlich."

Arbeitgeber und Krankenkassen begrüßen Rückkehr zur Vor-Corona-Regelung

Zuspruch für die Pläne von Gesundheitsminister Carsten Linnemann gibt es dagegen vom Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Sachsen-Anhalt. Die Kinderkrankentage wieder zu reduzieren, sei erforderlich und richtig, sagt Sprecher Jan Pasemann: "Die Ausweitung, die getroffen war, war schließlich pandemiebedingt und es ist jetzt angemessen und geboten, zu der Regelung zurückzukehren."

Neben den Arbeitgebern würden davon auch die gesetzlichen Krankenkassen profitieren. Denn die zahlen das Kinderkrankengeld an die Eltern. Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse DAK, hält es für gerechtfertigt, die Kinderkrankentage wieder auf das alte Niveau zu setzen: "Heute wird der Höchstanspruch nur noch in absoluten Ausnahmefällen ausgeschöpft. Wir gehen davon aus, dass etwa zwei Prozent derer, die das Kinderkrankengeld in Anspruch nehmen, auch tatsächlich diese Höchstdauer wahrnehmen. Das ist also ein sehr, sehr niedriger Anteil."

Wir gehen davon aus, dass etwa zwei Prozent derer, die das Kinderkrankengeld in Anspruch nehmen, auch tatsächlich diese Höchstdauer wahrnehmen. Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse DAK

Nur wenige Eltern schöpfen Kinderkrankentage vollständig aus

In Mitteldeutschland sind die Zahlen ähnlich. Nur etwa zwei Prozent schöpften die 15 Kinderkrankentage pro Elternteil aus, erzählt Katja Zeidler von der AOK PLUS, bei der vor allem Menschen aus Sachsen und Thüringen versichert sind.

75 Millionen Euro Kinderkrankengeld hat die Krankenkasse im vergangenen Jahr ausgezahlt. Zeidler sagt: "75 Millionen klingt vielleicht erstmal viel. Allein die AOK Plus hat allerdings in diesem Jahr einen Haushalt von 18,5 Milliarden Euro. Da merkt schon, dass, wenn man über Effizienz und Einsparungen im Gesundheitswesen spricht, Kinderkrankengeld nicht der große Hebel ist."

Gesundheitsökonom erwartet geringe Einsparungen

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