„Zahlt mehr und wird nicht satt“ -Restaurant-Trend sorgt für Diskussionen
Startseite Panorama „Zahlt mehr und wird nicht satt“ – Restaurant-Trend sorgt für Diskussionen Von: Sophia Sichtermann Uns auf Google folgen Ein neuer Restauranttrend begeistert die einen – und frustriert die anderen. Ein Gastro-Experte erklärt, was hinter der Bewegung steckt. Hamburg – Wer in einer deutschen Großstadt mit Freundinnen oder Kollegen essen geht, hat oft eine große Auswahl. Manchmal fällt die Wahl dann auf ein Restaurant, in dem es keine einzelnen, größeren Gerichte gibt, sondern kleine Portionen zum Teilen. Während es für die einen ein großer Spaß ist, ein breites Sortiment aus geröstetem Blumenkohl, kleinen Hummus-Schälchen und frittierter Aubergine zu probieren, sehen andere eher die Nachteile. „Ist der Trend, sich kleine Teller zu teilen, nicht einfach ein Trick: Man zahlt mehr und wird nicht satt?“, schreibt eine Person im Onlineforum Reddit. Zu den „Small Plates“-Restaurants (dt. kleine Teller) sind die Meinungen offenbar gemischt. „Wenn ich in einem Restaurant esse und danach hungrig nach Hause gehe, werde ich nicht wiederkommen“, schreibt ein Nutzer. Eine andere Person meint, dass kleine Portionen zum Teilen Essen zur Unterhaltung machten: „Es ist einfach interessanter, mehrere Gerichte zu probieren. Deshalb kostet es auch mehr – weil es auch Entertainment ist.“ Auch weitere Nutzer schreiben, dass sie das Teilen in einer größeren Gruppe sogar bevorzugen würden. „Die geschmacklich interessantesten Gerichte auf der Speisekarte sind ohnehin meistens die Vorspeisen.“ Gastro-Experte: Menschen sind gesundheitsbewusster beim Essen „Es gibt einen Trend zu ‚Small Plates‘“, sagt der Unternehmensberater für Hotellerie und Gastronomie und Inhaber von Grimm Consulting, Björn Grimm, der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Dahinter würden mehrere Treiber stehen. Viele Menschen würden gern leichter essen, bewusster portionieren und weniger Lebensmittelabfälle produzieren. Hinzu komme der Wunsch nach Wertigkeit: „lieber weniger auf dem Teller, aber dafür gut.“ Dass der Trend real ist, zeigen auch Marktdaten: Das Marktforschungsunternehmen Circana verzeichnete im europäischen Foodservice-Markt einen Zuwachs von Snacking-Anlässen am Nachmittag um 13 Prozent und am Abend um 14 Prozent – klassische Mahlzeiten stagnierten dagegen. Die Gesundheitsorientierung spiele eine große Rolle bei dem Small-Plates-Trend, auch die zunehmende Verbreitung von sogenannten Abnehmspritzen verändere das Essverhalten. Studien würden zeigen, dass Menschen, die diese Medikamente einnehmen, mehr Snacking-Mahlzeiten einkauften als andere Personen. Sie setzten auf „mehr Protein, mehr Gemüse. Der Appetit ist da, aber dann bitte etwas Kleines.“ Doch auch insgesamt geht der Trend zu kleineren Mahlzeiten. „Die klassischen Mahlzeiten lösen sich zunehmend auf. Das Drei-Komponentenessen – ein Stück Fleisch, dazu Kartoffeln und Gemüse – entspricht nicht mehr unserer Lebensrealität“, sagt der Gastro-Experte. Früher habe es drei große Mahlzeiten gegeben, heute verteile sich der Bedarf auf mehrere kleine Snacks über den Tag. „Snacking und kleine Zwischenmahlzeiten nehmen ganz klar zu. Der Mensch isst, wo er ist.“ Sogar die Zunahme von flüssigem Essen nehme zu. Heute sei es besonders jüngeren Menschen wichtig, dass Nahrung effizient sei. Für Gastronomen bedeuten kleine Portionen mehr Aufwand Warum erscheinen die kleinen Portionen im Vergleich zu kompletten Gerichten teuer? „Für den Gastronomen bedeuten Small Plates mehr Aufwand: mehr Teller spülen, mehr Pfannen aufheizen“, erläutert Grimm. Gäste würden in Lebensmittelkosten denken und sich fragen, wieso sie für so wenig Essen auf dem Teller relativ viel zahlen sollen. Doch für Gastronomen gelte: Die Arbeit ist in der Gastronomie der Preistreiber, nicht allein die Lebensmittel. Funktioniert das Konzept, bestellen Gäste mehrere kleine Gerichte – und der Umsatz bleibt stabil oder steigt sogar. „Small Plates eignen sich für urbane Konzepte, moderne Casual-Dining-Betriebe, Bistros und Cafés – Betriebe mit viel Bewegung und Laufkundschaft.“ Schwierig werde es überall dort, wo Gäste ein Sättigungsversprechen erwarten, etwa in der Landgastronomie oder in gutbürgerlichen Restaurants. Dort hätten die Gäste eine andere Erwartungshaltung – „wenn Portionen kleiner werden, ohne dass der Preis sinkt, ist das kontraproduktiv“. (Quellen: Reddit, eigene Recherche)