Zahnfleischbluten: Was Parodontitis mit Demenz zu tun hat
Neue Studie liefert Hinweise
Was Zahnfleischbluten über das Alzheimer-Risiko verrät
Von t-online, lz
21.09.2026 - 07:32 UhrLesedauer: 3 Min.
Blutendes Zahnfleisch ist oft ein Zeichen für eine Zahnfleischentzündung. Eine neue Studie zeigt nun, dass es auch ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Demenz sein könnte.
Geschwollenes Zahnfleisch, Zahnfleischbluten und empfindliche Zahnhälse werden oft als örtlich begrenztes, eher harmloses Problem wahrgenommen. Treten die Beschwerden regelmäßig auf, kann dahinter aber auch eine Parodontitis (veraltet Parodontose) stecken, eine chronische Entzündung des Zahnbetts und des Zahnfleischs. In Deutschland ist etwa jeder zweite Erwachsene davon betroffen.
Eine neue Studie aus Japan legt nun nahe, dass die chronische Entzündung des Zahnbetts auch Auswirkungen auf die Gehirngesundheit haben könnte. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen schlechter Zahngesundheit und einem erhöhten Risiko für Demenzerkrankungen.
Wie verläuft eine Parodontitis?
Parodontitis wird durch bakterielle Zahnbeläge ausgelöst. Im Verlauf der Krankheit bilden sich tiefe Zahnfleischtaschen, das stützende Gewebe und der Kieferknochen werden abgebaut, und die Zähne können locker werden oder ausfallen. Häufig beginnt Parodontitis mit einer unbehandelten Zahnfleischentzündung, die zunächst kaum Beschwerden verursacht. Ohne Behandlung schreitet die Entzündung jedoch voran und kann schwerwiegende Folgen für die Zahngesundheit haben. Alle Informationen zur Parodontitis finden Sie hier.
Zahnfleischbluten hing stark mit Alzheimer zusammen
Für die Studie untersuchten die Forscher der Kyushu University 1.396 ältere Erwachsene, die zu Beginn der Studie frei von Demenz waren. Über einen Zeitraum von zehn Jahren erfassten sie den Zustand des Zahnhalteapparats der Teilnehmer und dokumentierten, ob es zu Demenzerkrankungen kam. Dabei wurden drei zentrale Indikatoren für Parodontitis gemessen: die Tiefe der Zahnfleischtaschen, der Verlust von Zahnstützgewebe und der Anteil der Stellen, die bei der Untersuchung bluteten.
Während der Studie entwickelten 267 Teilnehmer eine Demenz, darunter 194 Fälle von Alzheimer und 51 Fälle von sogenannter vaskulärer Demenz. Die Forscher stellten fest, dass ein schlechter Zustand von Zahnfleisch und Zahnbett mit einem erhöhten Risiko für Demenz verbunden war.
Besonders auffällig war der Zusammenhang zwischen Zahnfleischbluten und Alzheimer: Teilnehmer mit dem höchsten Anteil an blutenden Stellen hatten ein um 61 Prozent höheres Risiko, an Alzheimer zu erkranken, verglichen mit denjenigen mit den niedrigsten Werten. Auch tiefere Zahnfleischtaschen und ein größerer Verlust von Zahnstützgewebe waren mit einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert.
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Chronische Entzündungen und ihre Auswirkungen
Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass chronische Entzündungen, wie sie bei Parodontitis auftreten, eine Schlüsselrolle spielen könnten. Entzündetes Zahnfleisch setzt entzündungsfördernde Stoffe, sogenannte Zytokine, frei. Diese gelangen in den Blutkreislauf und können Entzündungsreaktionen im gesamten Körper auslösen, einschließlich des Gehirns. Solche chronischen Entzündungen könnten die Blut-Hirn-Schranke schädigen, neuroinflammatorische Prozesse fördern und letztlich zu neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer führen.
Ein weiterer möglicher Mechanismus betrifft die Durchblutung des Gehirns. Parodontitis kann die Funktion der Blutgefäße beeinträchtigen und zu einer schlechteren Sauerstoffversorgung des Gehirns führen. Dies könnte die Entstehung von vaskulärer Demenz begünstigen, einer Form der Demenz, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht wird.
Die Dental Health Foundation Ireland erklärt, dass die Ergebnisse die wachsende Zahl von Forschungsarbeiten ergänzen, die mögliche Zusammenhänge zwischen chronischen Entzündungen des Zahnhalteapparats, Mundbakterien und der neurologischen Gesundheit untersuchen.
Kein direkter Beweis für eine Ursache
Allerdings handelt es sich lediglich um eine Beobachtungsstudie. Das bedeutet, dass sie keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung nachweisen kann. Es ist möglich, dass andere Faktoren wie Ernährung oder Erkrankungen wie Depression sowohl die Zahngesundheit als auch das Demenzrisiko beeinflussen. Zudem wurden die Zahnfleischwerte nur an ausgewählten Stellen gemessen, was die Ergebnisse möglicherweise verzerrt.
Die Forscher betonen, dass weitere Studien notwendig sind, um die biologischen Mechanismen hinter diesen Zusammenhängen besser zu verstehen. Insbesondere müsse untersucht werden, ob eine gezielte Behandlung von Parodontitis das Demenzrisiko tatsächlich senken kann.
Was kann man selbst tun?
Die Studienergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer guten Mundhygiene, nicht nur für die Zahngesundheit, sondern möglicherweise auch für die langfristige kognitive Gesundheit. Regelmäßiges Zähneputzen, die Reinigung der Zahnzwischenräume und Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt können helfen, Parodontitis vorzubeugen.
Neben der Mundhygiene gibt es auch allgemeine Maßnahmen, mit denen man chronische Entzündungen reduzieren kann. Eine ausgewogene Ernährung mit entzündungshemmenden Lebensmitteln wie frischem Obst, Gemüse und fettem Fisch kann dazu beitragen. Ebenso wichtig sind regelmäßige Bewegung und der Verzicht aufs Rauchen.