Zehn Millionen Dollar für jeden Verband UEFA und CONCACAF bitten Infantino zur Kasse
Wie internationale Medien und Nachrichtenagenturen, darunter BBC, AFP und dpa berichten, richteten sich die beiden Verbände, die die Opposition gegen den amtierenden FIFA-Präsidenten anführen, in einem Schreiben an den Weltverband. Die geforderten Mehrausschüttungen an jeden der 211 Mitgliedsverbände würden die FIFA insgesamt rund 2,1 Milliarden Dollar kosten.
UEFA und CONCACAF begründen ihre Forderung damit, dass die FIFA nach der WM in den USA, Kanada und Mexiko über Reserven in Höhe von rund sechs Milliarden Dollar verfüge und sich eine einmalige Ausschüttung nach der bereits genehmigten und im "FIFA Forward Enterprise"-Programm festgehaltenen Zahlung leisten könne. Das zusätzliche Geld solle nach Ansicht von UEFA und CONCACAF in den Jahren 2027 bis 2030 für Investitionen in Infrastruktur und Fußballentwicklung ausgegeben werden.
UEFA und CONCACAF erhöhen Druck auf Infantino
Mit dem gemeinsamen Vorstoß erhöhen die von Aleksander Ceferin geführte UEFA und die CONCACAF mit Präsident Victor Montagliani den Druck auf FIFA-Präsident Infantino, der sich am 18. März 2027 zum vierten Mal zum FIFA-Chef wählen lassen will. Infantino steht in der Kritik, seitdem Anfang August publik geworden war, dass er ein milliardenschweres Investorenmodell für den Verkauf von WM-Vermarktungsrechten an US-Geldgeber auf den Weg bringen wollte. Nach massiven Protesten, vor allem aus Europas Fußballverbänden, musste Infantino seine Pläne vorerst zurückziehen. Die 55 UEFA-Mitglieder drohten sogar mit einem Boykott für alle FIFA-Events und forderten Garantien, dass Infantino ähnliche Pläne auch in Zukunft nicht nicht weiter verfolge.
UEFA: FIFA-Reserven "beträchtlich höher als benötigt"
Die nun von UEFA und CONCACAF geforderte Sonderausschüttung kann auch im Zusammenhang mit Infantinos Verkaufsplänen gesehen werden: Der FIFA-Patron hatte den Verbänden seinerzeit eine Sofortprämie von 20 Millionen Dollar in Aussicht gestellt, sollten sie ihn mit einer festen Zusage bei dem Vorhaben unterstützen. Die verfügbaren Finanzreserven der FIFA seien offenbar "beträchtlich höher als benötigt", betonten UEFA und CONCACAF in ihrem Schreiben. Sie forderten zudem eine unabhängige Untersuchung der FIFA-Finanzen und "komplette Einsicht in Zahlen und Berechnungsmodelle" für die Ausschüttungen an die Verbände.
Zuvor hatte Debbie Hewitt, im Vorstand der englischen Football Association und zugleich FIFA-Vizepräsidentin, Infantino und Generalsekretär Mattias Grafstrom aufgefordert, über die Details der umstrittenen Investorenpläne aufzuklären. Auch die UEFA hatte dies entsprechend gefordert, als Grundlage für eine Strafanzeige gegen Infantino.
Die UEFA versucht, auf juristischem Weg gegen Infantino vorzugehen. Im Kern geht es um den Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Im Falle einer Verurteilung könnte Infantino der UEFA zufolge sogar eine Haftstrafe drohen.