Zehnkampf-Gala! Gold für Leo Neugebauer, Niklas Kaul holt Silber
Im abschließenden 1500-Meter-Lauf verteidigte Neugebauer seine Spitzenposition, nach 4:38,36 Minuten taumelte und stürzte er ins Ziel, beendete den Wettkampf mit 8611 Punkten. Vor einem Jahr war der Tokio-Weltmeister ähnlich qualvoll über Linie gekommen, damals war er kurzzeitig sogar mit dem Rollstuhl von der Bahn geholt worden. Das war diesmal nicht möglich, Neugebauer berappelte sich aus eigenen Kräften, jubelte mit seiner Familie - um sich dann wieder auf den Boden zu legen. Kaul mit Silber "super happy" Der schnellere Kaul kam zwar näher an seinen Teamkollegen heran, vom 154-Punkte-Vorsprung von Neugebauer blieben aber noch 38 Zähler übrig. Kaul hätte etwas mehr als 24 Sekunden auf Neugebauer gutmachen müssen, am Ende waren es nach 4:20,70 Minuten 17,66 Sekunden. Dafür konnte der Weltmeister von 2019 Sander Skotheim in Schach halten, der Norweger holte nach 4:25,99 Minuten mit 8433 Zählern Bronze. "Ich bin super happy. Dass das so geklappt hat, ist echt schön. Wir hatten echt keine leichten Bedingungen mit dem Wind und der Hitze. Ich wäre gerne noch schneller gelaufen, aber ich war nach 500 Metern einfach monstermäßig blau. Ich war dann ganz froh, dass ich es irgendwie ins Ziel bekommen habe. Wir gehen mit Gold und Silber in einem sehr guten Feld raus, das haben wir richtig gut gemacht", sagte Kaul im Sportschau-Interview. Neugebauer trotzt Stabhochsprung-Skandal 60,10 Meter im Speerwurf hatten Neugebauer den Vorsprung für das Finale gesichert, den er brauchte, um Gold über die Linie zu retten. Seit der zweiten Disziplin hatte der 26-Jährige vorne gelegen, die Konkurrenz biss sich bis zum Schluss an ihm die Zähne aus. Nach dem WM-Titel feierte Neugebauer seinen zweiten Erfolg bei einem Großevent innerhalb von elf Monaten. Und das, weil er im schwierigsten Moment echten Champion-Charakter zeigte. Weil die Kampfrichter im Stabhochsprung die Latte vor einem erfolgreichen Versuch über 4,80 Meter zehn Zentimeter zu tief positioniert hatten, musste Neugebauer nochmal springen. Bei der Wiederholung waren die individuell an die Athleten angepassten Abstände der Stangen auf der Anlage falsch eingestellt worden - Neugebauer musste so noch einmal mehr ran. Das habe "definitiv Kraft gekostet", sagte er, nachdem er später sogar 4,90 Meter geschafft hatte. Aus seiner Sicht war glücklicherweise aber noch genug Kraft da. In den zweiten Tag war Neugebauer über 110 Meter Hürden mit einer Zeit von 14,94 Sekunden schleppend gestartet, dann legte er allerdings seinen zweiten EM-Rekord in einem Zehnkampf beim Diskuswurf mit 54,31 Metern nach. Neugebauer ließ sich in diesem Wettkampf von nichts beeindrucken. Gräber mit gelungener EM-Premiere Wie erwartet hatte sich Kaul an seinem starken zweiten Tag in eine starke Ausgangslage gebracht. 14,73 Sekunden sprintete der 28-Jährige über die Hürden, im Diskuswurf schmiss er starke 48,88 Meter, im Stabhochsprung legte er 4,90 Meter nach und mit 73,54 Metern im Speerwurf rückte er vor dem 1500-Meter-Finale auf Rang zwei vor. Den ließ sich Kaul nicht mehr nehmen, nach Gold im Jahr 2022 ist es seine zweite EM-Medaille. Einen Top-Wettkampf legte auch Amadeus Gräber hin, der vor allem im Stabhochsprung mit der Bestleistung des Feldes von 5,10 Metern die Arena in Birmingham begeisterte. Zum Abschluss lief der 21-Jährige über 1500 Meter nochmal starke 4:34,25 Minuten, in der Endabrechnung landete der Youngster bei seiner EM-Premiere auf einem richtig guten achten Platz. "Das war ein guter Einstieg in den Männerbereich und einfach eine super Erfahrung mit den anderen beiden. Gerade der Stabhochsprung hat mir Spaß gemacht, da ich als Letzer im Wettbewerb zu sein und am Ende waren die Zuschauer ja nur noch da, um meine Sprünge zu sehen, das war schon super", sagte Gräber im Sportschau-Interview. Mit Erm bricht der nächste Medaillenkandidat weg Vor dem Start am Donnerstag hatte sich die Konkurrenz für Neugebauer und Kaul weiter ausgedünnt. Titelverteidiger Johannes Erm brach den Wettkampf wegen einer Knieverletzung ab, nach dem abschließenden 400-Meter-Lauf des ersten Tages war der Este bereits im Zieleinlauf gehumpelt. Top-Zehnkämpfer Simon Ehammer (Schweiz) hatte sich vorher entschieden, nur im Weitsprung, wo er Silber holte, an den Start zu gehen, auch der norwegische Olympiasieger Markus Rooth ist nicht dabei.