Zentrale Gedenkfeier zum 5. Jahrestag der Flutkatastrophe
Wir beenden unseren Liveblog zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe für heute. Danke fürs Mitlesen, -hören und -schauen! Noch einen schönen Abend! Der neue rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) hat sich heute bei den Menschen im Ahrtal für das staatliche Versagen bei der Flut entschuldigt. Eine Entschuldigung, die sich viele auch schon von der damals amtierenden Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gewünscht haben. Fünf Jahre mussten sie auf die Worte warten. Im Video geht es um diesen langen Weg bis zur Entschuldigung. Die zentrale Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz in Ahrweiler ist nun beendet. Und damit neigt sich auch ein langer Gedenktag im Ahrtal dem Ende entgegen - mit Besuchen von Bundespräsident, Bundeskanzler und Ministerpräsident. Maike König hat die Geschehnisse des Tages hier zusammengefasst: Im Anschluss an die weltlichen Reden gab es bei der Gedenkveranstaltung einen ökumenischen Gottesdienst. Der katholische Pfarrer Jörg Meyrer bedankte sich zu Beginn bei allen Unterstützern der Menschen im Ahrtal. Solidarität habe die Menschen die Katastrophe überleben lassen. "Die Flut gehört zur Geschichte unseres Landes. Sie hat unser Land verändert und erinnert uns bis heute daran, wie kostbar Zusammenhalt ist." Meyrer sagte auch, dass noch nicht alle Wunden verheilt seien, diese Gefühle dürften die Menschen aber nicht gegeneinander aufbringen. Im Anschluss lud Meyrer zum gemeinsamen Gebet ein. Der evangelische Pfarrer Rüdiger Stiehl sagte: "Wer die Nacht erlebt hat, trägt sie in sich. Man weiß, was der andere erlebt hat." Das Wasser sei weg, aber die Angst sei geblieben. Stiehl erzählte von Menschen aus dem Ahrtal, die von Wassergeräuschen getriggert werden, die nicht mehr an der Ahr radfahren können, die mit dem Verlust von Fotoalben nicht klarkommen. Er machte deutlich, wie wichtig es sei, die Angst nicht für sich zu behalten, sich nicht zurückzuziehen, sondern darüber zu reden und sich helfen zu lassen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) hat sich bei der zentralen Gedenkveranstaltung bei den Menschen im Ahrtal entschuldigt. In seiner Rede sagte er: "Es war Fehlbarkeit, die dazu führte, dass das Ahrtal nicht auf diese Katastrophe vorbereitet war. Es war Fehlbarkeit, die dazu führte, dass so viele Menschen gestorben sind. Es war Fehlbarkeit, dass das Leid in dieser Schicksalsnacht nicht abgemildert wurde. Es ist das Versprechen und die Zusage des Staates, seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Dieses Versprechen wurde nicht eingehalten. Der Staat hat in dieser Frage und in dieser Nacht versagt. Dafür bitte ich als Ministerpräsident um Entschuldigung." Seine Entschuldigung wurde mit Applaus aus dem Publikum aufgenommen. "Es ist ein Tag der Trauer und des Gedenkens" - so begann Bundeskanzler Merz seine Rede in Ahrweiler. Merz erinnerte ebenfalls an die Opfer der Flut und machte deutlich: "Wir denken an sie!" Er schilderte, wie die Menschen im Ahrtal die Flutnacht erlebt haben müssen. Die BRD sei gegründet worden als ein Land, das keine Schutzbedürftigen schutzlos lasse. Freiheit und Sicherheit seien die Grundversprechen Deutschlands. Es sei Aufgabe des Staates, zu helfen und zu unterstützen. Die Flut habe schon viel Einfluss auf die Gesetzgebung genommen und Deutschland habe zahlreiche Maßnahmen ergriffen, besser auf Fluten vorbereitet zu sein. "Kein Mensch, keine Stadt, keine Region soll in unserem Land allein bleiben mit der Furcht vor Katastrophen und Naturgewalten. Und dem Klimawandel". Das verstehe er als Auftrag. Die Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz von Ahrweiler hat begonnen. Die erste Rede hielt der neue Bürgermeister von Bad Neuenahr-Ahrweiler, Pascal Rowald (CDU). Er forderte die Anwesenden zu einer Schweigeminute für die Opfer der Flutkatastrophe auf. Rowald sagte, man solle allerdings nicht nur zurückschauen: "Unsere Geschichte geht weiter". Vieles sei in fünf Jahren wieder aufgebaut worden. Dennoch sei noch viel zu tun: "Wir stehen nicht am Ende dieses Weges, wir stehen mittendrin." Am Abend fand die offizielle Gedenkveranstaltung zum fünften Jahrestag der Flut mit Bundeskanzler Friedrich Merz und Ministerpräsident Gordon Schnieder (beide CDU) auf dem Marktplatz in Ahrweiler statt. Neben den Reden der Politiker gab es auch einen ökumenischen Gottesdienst. Die Veranstaltung wurde vom SWR live gestreamt. Auch der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat heute das Ahrtal besucht. Bei einem ökumenischen Gedenkgottesdienst im Altenahrer Ortsteil Altenburg würdigte er die Hilfsbereitschaft vieler Menschen. Es gehe nicht darum, das Geschehen der Flut mit ihren verheerenden Folgen zu vergessen, betonte der Bischof. In die Erinnerung gehöre aber nach biblischer Tradition auch der dankbare Blick auf das, was seit Sommer 2021 an Solidarität, an Hilfe und an Neuanfang geschehen sei. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist im Ahrtal angekommen. Geplant war zunächst eine Baustellenbesichtigung im Kurpark in Bad Neuenahr und ein Gespräch mit Helfern und Gewerbetreibenden. Merz wird im Anschluss auch an der zentralen Gedenkveranstaltung teilnehmen. Die Filmemacherin Susanne Jäger ist im Juli 2021 im Sommerurlaub in Italien, als sie einen Anruf vom Handy des Vaters bekommt. Doch es ist nicht seine Stimme, die sie hört. Ein Bekannter der Eltern erzählt, dass ihr Vater vermutlich in der Flutkatastrophe ums Leben gekommen sei. Die Autorin sucht im Chaos der Katastrophe nach ihrem Vater. Knapp zwei Wochen später wird seine Leiche gefunden. Susanne Jäger geht in der ARD-Dokumentation "Allein in der Flut - Mein Vater und die tödliche Nacht im Ahrtal" der Frage nach, ob sein Tod - und der vieler anderer - hätte verhindert werden können. Hier könnt ihr den sehr bewegenden Film in der ARD Mediathek anschauen: Eine SWR-Recherche zeigt: Viele Kommunen in RLP verfügen inzwischen über Alarm- und Einsatzpläne für Hochwasser. Spezielle Pläne für Starkregen fehlen jedoch häufig noch. Die Kolleginnen und Kollegen vom SWR Data Lab haben auch diese Pläne für euch aufbereitet: Rheinland-Pfalz Fünf Jahre Ahrtal In RLP fehlen immer noch Alarm- und Einsatzpläne Bei einer Katastrophe regeln die Pläne Zuständigkeiten und Evakuierungen. Besonders kleinere Kommunen sind überfordert. Schauen Sie nach, wie die Lage bei Ihnen vor Ort ist. Wer von der Flut betroffen war, konnte Wiederaufbauhilfen beantragen. In rund 500 Fällen fordert die Investitions- und Strukturbank (ISB) allerdings Geld zurück. Nach Angaben der ISB erfolgen Rückforderungen nur in Ausnahmefällen. Im Reel berichtet unser Social-Media-Redakteur Nedim von einem dieser Fälle. Die Flut im Ahrtal hat 2021 mehr als 200 Brücken beschädigt oder weggerissen - von der kleinen Fußgängerbrücke im Sahrbachtal bis zur Ahrtorbrücke in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Fünf Jahre später sind erst wenige von ihnen wieder aufgebaut. Vielerorts stehen noch Behelfsbrücken. Gründe dafür gibt es viele. Bad Neuenahr-Ahrweiler Nur wenige Neubauten bislang fertig Wiederaufbau der Brücken im Ahrtal läuft schleppend Die Flut im Ahrtal hat 2021 mehr als 200 Brücken beschädigt oder weggerissen. Fünf Jahre später sind nur wenige von ihnen wieder aufgebaut. Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine detaillierte Karte über den Stand der Dinge gibt es hier. Klickt euch gerne durch: Wer Hochwasser erlebt, vergisst die Bilder nicht: Straßen verwandeln sich in Bäche, Autos werden mitgerissen, Keller laufen in Minuten voll. Solche Szenen spielen sich in Deutschland immer wieder ab, nicht nur an großen Flüssen. Auch Starkregen kann in kurzer Zeit ganze Nachbarschaften überfluten. Damit Bürger und Kommunen sich auf solche Katastrophen vorbereiten können, erstellen Behörden Karten, in denen sich ablesen lässt, welche Grundstücke bei Hochwasser oder Starkregen unter Wasser stehen könnten. In Rheinland-Pfalz leben Hunderttausende Menschen in diesen Gebieten. Das SWR Data Lab hat diese Karten aufbereitet. Hier könnt ihr nachschauen, ob und wie eure Heimatorte bedroht sind: Rheinland-Pfalz Fünf Jahre nach der Ahrtal-Flut Hochwasser & Starkregen in RLP: So würde eine Überschwemmung Ihr Zuhause treffen Hunderttausende Menschen leben in Rheinland-Pfalz an Orten, die überflutet werden könnten. Erfahren Sie in interaktiven Karten, ob auch Ihr Haus gefährdet ist und wie Sie sich schützen können. Viele Menschen im Ahrtal erleben den Jahrestag der Flutkatastrophe heute mit gemischten Gefühlen. Während einige die großen Gruppen bei den Gedenkveranstaltungen entlang der Ahr suchen, begehen andere den Tag eher im Kreis ihrer Familien. Auch fünf Jahre nach der Flut sind die Erinnerungen bei vielen noch präsent, wie in dieser Umfrage zu hören ist: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist bei der Gedenkveranstaltung am Abend in Bad Neuenahr-Ahrweiler nicht dabei. Er reist nach Düsseldorf, um dort an einer Gedenkfeier für die Flutopfer aus Nordrhein-Westfalen teilzunehmen. Auch dort wurden in der Flutnacht Häuser beschädigt, Brücken zerstört, Straßen überspült. Dabei starben in Nordrhein-Westfalen 49 Menschen, auch im Ort Rheinbach. Fünf Jahre nach der Flut "Man darf nicht vergessen" Als das Wasser kam, strömte es unaufhaltsam durch Straßen und Häuser. Fünf Jahre nach der Flut halten die Einwohner im nordrhein-westfälischen Rheinbach das Gedenken aufrecht. Und… In der Flut-Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 sitzt in Dernau ein Pärchen mit seinem sieben Monate alten Frühchen Raphael in ihrer Wohnung fest. Die Akkus für die lebenswichtigen Geräte werden immer schwächer. Jens Weinriefer von der Freiwilligen Feuerwehr Montabaur macht sich trotz des Hochwassers auf dem Weg zum Baby. Das ist eine der Geschichten aus der Recherche von SWR Story: "Fünf Jahre nach der Ahrtal-Flut: Die Nacht, die blieb…". Den ganzen Film gibt's in der ARD Mediathek. Der Terminkalender von RLP-Ministerpräsident Gordon Schnieder ist heute voll. Nach seinem Besuch in Dernau ist er nun in Sinzig. Zwölf Bewohner einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung starben dort in der Flutnacht, das Wasser überraschte sie im Schlaf. Im April ist das Haus wieder eröffnet worden. Schnieder spricht hier mit Hinterbliebenen und Betroffenen. Jochen Floss führt mit seinem Bruder Martin in Schönecken im Eifelkreis Bitburg-Prüm einen Familienbetrieb, der Blockhäuser und Holzrahmen baut. Die Firma gibt es seit mehr als 100 Jahren. Vor fünf Jahren hat das Hochwasser den Betrieb schwer getroffen. Das Unternehmen liegt direkt an der Nims. Seitdem bauen die Eigentümer ihre Firma wieder auf. Schönecken Hochwasser der Nims hat Firma schwer getroffen Eifeler Familienbetrieb: Die Flut ist vorbei – der Kampf geht weiter Viele Menschen in der Eifel waren vom Hochwasser 2021 schwer getroffen. Auch ein Unternehmen in Schönecken wurde von der Nims überflutet. Der Wiederaufbau läuft bis heute. Der heutige Tag ist geprägt vom Gedenken an die Flutkatastrophe im Ahrtal in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021. Die Gedenkfeier in Bad Neuenahr-Ahrweiler wird live im SWR Fernsehen übertragen und bei uns im Stream zu sehen sein. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) hat die Jugendbauhütte in Dernau besucht. Junge Menschen aus ganz Deutschland hatten beim Wiederaufbau historischer Gebäude nach der Flutkatastrophe geholfen. Beim Fluthilfecamp der Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) arbeiteten die Freiwilligen an Bauwerken, die bei der Flut 2021 beschädigt wurden. Inzwischen ist das Mobile Team Fluthilfe der Jugendbauhütten dauerhaft als Denkmalretter im Einsatz. Im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres in der Denkmalpflege können junge Erwachsene hier praktische Erfahrungen in der Restaurierung und im Erhalt von Kulturdenkmalen sammeln. Die Flutkatastrophe im Ahrtal jährt sich zum fünften Mal. Wir blicken auf Tourismus und Gastronomie: Wie steht es um den Neustart der Branche? Der Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Ahrtal wird von den Menschen dort sehr positiv aufgenommen. Das beobachtet SWR-Reporter Christian Giese-Kessler vor Ort. Seit der Flutkatastrophe vor fünf Jahren war der Bundespräsident immer mal wieder zu Besuch. Auch heute hat er sich wieder Zeit für Gespräche mit den Menschen genommen, mehr Zeit als für Presse-Statements oder Fotos. Das kam beim Besuch in Altenahr sehr gut an. "Es war natürlich schön, dass wir unsere Geschichte erzählen durften", heißt es etwa. Oder "Es ist schon ein Zeichen, wenn der Bundespräsident hier ankommt." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier legte in Bad Neuenahr-Ahrweiler zum Gedenken an die Opfer der Flutkatastrophe einen Kranz nieder. Das Ahrtal war im Sommer 2021 nicht die einzige Region, die von der Flut betroffen war. Auch die Eifel-Region war damals flutgeschädigt. Etwa der Ort Kordel. Bei der Flutkatastrophe 2021 stand das Wasser der Kyll zehnmal so hoch wie sonst üblich. Rund 230 Häuser wurden überflutet. Der Schaden lag bei rund 60 Millionen Euro. Damit so etwas sich nicht wiederholt, haben sich die Kommunen an der Kyll im vergangenen Jahr beim Hochwasserschutz zusammengeschlossen - gemeinsam gegen künftige Hochwasser: Kordel Über Landesgrenzen hinweg Kommunen an der Kyll schließen sich beim Hochwasserschutz zusammen Die Landkreise entlang der Kyll wollen sich künftig gemeinsam auf Überschwemmungen vorbereiten. Die Idee: Hochwasserschutz soll sich nicht nur vor der eigenen Haustür abspielen. 19:30 Uhr SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RP "Wir erinnern nicht nur an eine Katastrophe, sondern an einen Ort, der ein beeindruckendes Maß an Solidarität erfahren hat." Das hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eben in Altenahr in einem Statement zur Flutkatastrophe im Ahrtal gesagt. "Ein Ort, der Zerstörung, aber auch des Wiederaufbaus. [...] Ein Ort, der für Solidarität steht, für Würde. Ich glaube inzwischen auch für Stolz." Auch fünf Jahre später sei der Schmerz und das Leid nicht vergessen. Dieser Jahrestag sei kein einfacher Tag. "Man möchte nach vorne schauen, aber gleichzeitig spürt man den Schmerz noch", so Steinmeier. Er appellierte an alle, dafür zu sorgen, dass sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt. Fünf Jahre nach der Flut war "SWR Aktuell 360 Grad"-Host Marvin Neumann im Ahrtal unterwegs. In Bad Neuenahr-Ahrweiler und in Grafschaft hat er mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesprochen - über den traumatischen Tag, den mühsamen Wiederaufbau und die Frage: Wie geht es ihnen heute? Was hat die Flut 2021 mit ihren Träumen und Zukunftsplänen gemacht? Und wie bewältigen sie die psychischen Folgen dieses traumatischen Erlebnisses? Der Flug übers Ahrtal zeigt, was sich in den vergangenen fünf Jahren verändert hat, wo noch gewerkelt wird, wo der Wiederaufbau abgeschlossen ist. Die Kollegen von Social Media haben die Bilder für uns zusammengestellt: "Menschen, die im Ahrtal leben - jene Menschen, die die Flut erlebt, Verluste ertragen, Verantwortung übernommen und den Wiederaufbau mit großer Kraft bewältigt haben" - so beschreibt die Kreisverwaltung Ahrweiler die Persönlichkeiten, die im Mittelpunkt der Foto-Ausstellung "We AHR strong" stehen. Sechs Wochen lang sind ihre Porträts im Ahrtal unter freiem Himmel zu sehen, ihre Geschichten zu lesen.