Zinsanhebung fast besiegelt: Bitcoin
Die heute gemeldeten US-Inflationsdaten für den Monat waren für die Märkte so relevant wie lange nicht mehr. Denn der Konsens war, dass diese darüber entscheiden werden, ob die Federal Reserve bei der Zinsentscheidung kommende Woche den Leitzins gleich belassen oder anheben wird.
Am Donnerstag vergangener Woche zeigte sich Notenbankgouverneur Christopher Waller noch zuversichtlich, dass bei guten Daten keine Anpassung nötig wäre. Dies begründete er mit dem vermeintlich beobachtbaren disinflationären Trend.
Sollte sich dieser Trend in den Daten fortsetzen, die in den nächsten zwei Wochen veröffentlicht werden, würde ich dazu neigen, die Beibehaltung des Leitzinses auf dem derzeitigen Niveau zu befürworten.
Christopher Waller
Der Bitcoin-Kurs konnte am selben Tag mehr als 5 % zulegen und auf das höchste Niveau seit Mai steigen, als die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung bei der Septembertagung laut dem CME FedWatch Tool von über 60 % auf 50 % fiel.
Am darauffolgenden Freitag folgte jedoch ein Dämpfer: Für den August wurden nämlich deutlich heißer als erwartete US-Jobdaten gemeldet. Und ein robuster Arbeitsmarkt ist ein zentrales Argument gegen eine geldpolitische Lockerung.
In Reaktion auf die heißen Arbeitsmarktdaten stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung wieder auf über 60 % und der Bitcoin-Kurs gab einen guten Teil der Gewinne des Vortags wieder ab.
Seither gab es weitere Eskalationen im Irankrieg, die mit steigenden Ölpreisen einhergingen und dazu beigetragen haben dürften, dass Bitcoin, Edelmetalle und die Aktienmärkte weiter schwächelten.
Auch wenn diese Zahlen im Großen und Ganzen keine Schockmeldung waren, wurde eine Zinsanhebung noch stärker eingepreist. Die Wahrscheinlichkeit für eine Anpassung um 25 Basispunkte stieg auf etwa 70 %, wie Daten des CME FedWatch Tools zeigen.
Höhere Renditen bei Staatsanleihen setzen die Märkte unter Druck
Gestern ging es dann auch noch bei den Renditen von US-Staatsanleihen deutlich bergauf. Der Marktzins für 30-jährige US-Staatsanleihen stieg über 5,37 % und damit auf das höchste Niveau seit 2007.
Die Gegenmaßnahmen des US-Finanzministeriums scheinen derweil keine Wirkung zu entfalten. Am 19. August wurde angekündigt, die Rückkäufe langlaufenderer Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln – von maximal 2 auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Operation.
Als dann am Mittwoch dieser Woche bekannt gegeben wurde, dass es zunächst maximal 6 Milliarden US-Dollar sein werden, sorgte dies für weiteren Auftrieb bei den Renditen. Der Markt ging offenbar davon aus, dass es mehr sein würden.
Da eine Zinsanhebung der Federal Reserve durch die Daten deutlich wahrscheinlicher geworden ist, wäre eigentlich ein Kursrutsch naheliegender.
Wieso der Kurs trotzdem steigt, könnte unter anderem durch die zuvor negative Stimmung sowie Positionierung erklärt werden. Auch bei Gold, Silber und den Aktienmärkten gab es heute eine deutliche Erholung.
Überdies war zu beobachten, dass die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen nach den Inflationsdaten deutlich gefallen sind.
Eine zentrale Begründung für die steigenden Zinsen waren zuvor Zweifel, ob die Federal Reserve wirklich entschlossen genug ist, die Inflation zu bekämpfen. Mit der jetzt zu circa 90 % eingepreisten Zinsanhebung könnte dies den Anleihemarkt und somit auch die breiteren Kapitalmärkte beruhigen. Hinzu kommt, dass Märkte generell nicht gut mit Unsicherheit umgehen können.
Wie sich die Federal Reserve letztlich wirklich entscheiden wird und ob im Zuge dessen noch weitere Zinsanhebungen eingepreist werden, wird sich in der kommenden Woche zeigen. Ebenfalls wird spannend zu beobachten sein, wie sich BTC in dieser Gemengelage schlagen kann.