Zoff unter HSV-Fans auf der Nordtribüne - wegen der Zeugen Jehovas?
In der Mitte der ersten Hälfte wurde es auf einmal unruhig auf der Nordtribüne. In der – vom Spielfeld aus gesehen – rechten Ecke des A-Rangs schienen mehrere Fans aufeinander loszugehen, aus der Ferne war Gedränge und Geschubse zu sehen. Man konnte sogar den Eindruck einer Schlägerei gewinnen. Es dauerte mehrere Minuten, bis sich die Situation wieder entschärfte. Einige Ordner schritten schließlich zur Beschwichtigung in den Bereich um Block 27A. Nur: Was war der Auslöser für den Konflikt?
Auch beim HSV ist man sich dessen (noch) nicht vollends bewusst. Den Vorfall an sich hat man registriert, zu den Hintergründen gibt es jedoch vor allem Spekulationen. Klar ist, dass kurz vor den wilden Szenen mehrere Banner an der besagten Stelle auf der Nordtribüne präsentiert worden waren. Zu lesen war: „Immer noch kein Airbnb und erst recht kein Königreichssaal. Im Volksparkstadion nur der HSV.“ Und: „HSV: Wenn die Haltung weicht, weil die Miete stimmt. Zeugen raus aus unserem Stadion.“
Protest im Volkspark – wegen der Zeugen Jehovas?
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Mit den „Zeugen“ dürften die Zeugen Jehovas gemeint sein, die Anfang August einen dreitägigen Kongress im Volksparkstadion abgehalten hatten. Der HSV als Vermieter hatte der Glaubensgemeinschaft seine Arena zur Verfügung gestellt. Das „Fest der Liebe“, wie das Event bezeichnet wurde, löste in Fankreisen viel Kritik aus – denn die Zeugen Jehovas lehnen etwa Homosexualität ab. Ein Anhänger sagte der MOPO: „Ich bin entsetzt. Das widerspricht allem Positiven, was der HSV aufgebaut hat.“
Die Vereinsführung entschied trotz der Debatten, dass die Vermietung vertretbar ist. Im Rahmen des Heimspiels gegen Mainz (0:5) kam der Protest gegen die HSV-Verantwortlichen nun auf der Nordtribüne an – dort, wo nicht zuletzt die Ultras stehen. Es scheint, als gäbe es innerhalb der Szene unterschiedliche Auffassungen darüber, wie der Protest gegen die Zeugen Jehovas, die deutschlandweit als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt sind, zu handhaben ist.
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Viele Fragezeichen nach Unruhe im HSV-Stadion
Zu beobachten war, wie einzelne Personen versuchten, die Banner herunterzureißen. Es könnte dabei auch um Sichtbehinderungen gegangen sein. Es kursieren verschiedene Versionen. Aus der Mitte der Nordtribüne schritten jedenfalls mehrere Fans zum Ort der Unruhen und beteiligten sich an der Szenerie, die den Anschein einer kurzen Schlägerei machte.
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Ob es Verletzte gibt, ist offen, genau wie die exakten Hintergründe des Vorfalls. Klar ist, dass es am Sonntag zu einer Premiere im unteren A-Rang gekommen war. Der Förderkreis Nordtribüne hatte im Vorfeld des Heimspielauftakts eine im Vergleich zur Vorsaison veränderte Positionierung der Ultras hinter dem Tor angekündigt. Das Ziel der Szene ist es, über die Tribüne hinweg noch präsenter zu sein. Es soll fortan über die gesamte Breite noch intensiver Stimmung gemacht werden.
Neue Ordnung der HSV-Ultras auf der Nord
„Wir haben es gemeinsam geschafft, die Nordtribüne zu einer vereinten, bunten und lautstarken Einheit zu formen. Darauf können wir alle stolz sein. Dennoch gibt es keinen Anlass, sich darauf auszuruhen, denn viel zu oft bedeutet Stillstand auch Rückschritt“, hieß es in einem Statement der zusammengeschlossenen Fangruppierungen. Beim Debakel gegen Mainz griff man sich zu einem kleinen Teil dann gegenseitig an.
Auf der Nord stehen die „Castaways“, die „Clique du Nord“, „Banda Caotica“ und „Forza Hamburg“. Fans welcher Ultragruppen an der Auseinandersetzung beteiligt waren, ist nicht bekannt. Während der Partie waren weitere Spruchbänder zu erkennen, unter anderem angesichts des zehnjährigen Bestehens der „Castaways“: „Vor 10 Jahren frischen Wind gebracht, seitdem die Kurve stark gemacht. Alles Gute, CA!“
Nach dem Abpfiff gab es vom Anhang gemeinschaftlich Trost für die enttäuschten HSV-Profis – und den ermutigenden Gesang: „Auf geht‘s Hamburg, kämpfen und siegen!“