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Zollstreit zwischen den USA und Kanada: Mark Carney macht vor, wie man mit Trump umgehen muss

Welt

Handelsstreit, gegenseitige Anschuldigungen, Gesprächsabbruch, Strafzölle, ein wütender Donald Trump – es wirkt, als hätte man diese Schlagworte vom Wochenende im vergangenen Jahr zigfach gelesen.

Das kommt nicht von ungefähr. In bemerkenswerter Regelmäßigkeit nutzt der US-Präsident die Zollpolitik seit Beginn seiner zweiten Amtszeit immer wieder als Waffe, um eigentlich befreundete Länder unter Druck zu setzen – und den Handel zugunsten Washingtons auszugestalten.

Dennoch lohnt es sich, auf den jüngsten Zollstreit zwischen Kanada und den USA zu blicken. Das liegt vorrangig an Mark Carney.

Denn wieder einmal ist es der kanadische Premier, der sich dem US-Präsidenten entgegenstellt. Wieder einmal zeigt er dem Rest der westlichen Mittelmächte, wie man mit der aggressiven Politik der USA umgeht. Wieder einmal schafft er es, die Interessen seines Landes zu wahren– und dabei seine Selbstachtung zu behalten. Das ist vorbildlich.

Am Wochenende ließ Carney die Zollgespräche zwischen den USA und Kanada platzen. Washington habe schlicht zu viel gefordert, sagte er am Samstag. Berichten zufolge soll die US-Regierung etwa verlangt haben, dass das Nachbarland die Freiheit aufgibt, eigenständig Handelsabkommen zu schließen.

Das kann kein souveräner Staat hinnehmen. Prompt verhängten die USA Zölle in Höhe von 50 Prozent auf bestimmte kanadische Güter mit einem Handelswert von etwa 20 Milliarden Dollar.

Kanada will ab dem 8. September mit Abgaben auf US-Produkte in gleicher Höhe antworten. „Dollar für Dollar“ werde man auf Trumps Strafzölle reagieren, sagte Carney.

Vor seiner politischen Karriere war der Liberale Gouverneur der Bank of England und der Bank of Canada und weiß: Steigende Preise und wirtschaftliche Härten treffen nicht nur Kanada, sondern auch die USA. Das Handelsvolumen beider Länder beläuft sich auf etwa eine Billion Dollar. Die Vereinigten Staaten importieren essenzielle Dinge vom nördlichen Nachbarn, etwa Erdöl.

Zwar wütete Trump am Sonntag auf Truth Social: „Kanada will die Vorteile eines Bundesstaates, ohne einer zu sein.“ Zudem habe das Land die US-Landwirte über Jahre mit Zöllen belastet. Damit sei jetzt Schluss.

Carney aber scheint entschlossen, seinen Landsleuten lieber ökonomische Härten zuzumuten, als die eigene Souveränität aufzugeben. „Wenn du angegriffen wirst, befindest du dich im Krieg. Und wir wurden angegriffen.“

Die Kanadier weiß er dabei auf seiner Seite. Seine Umfragewerte sind hervorragend. Er hat durch seine konsequente Haltung gegenüber Trump in seiner Heimat eine Art trotzigen Nationalstolz entfacht. „Buy-Canadian“-Schilder sieht man in vielen Supermärkten – und zwar meist in unmittelbarer Nähe US-amerikanischer Produkte.

Carneys klarer Kurs gegenüber Trump hat seinen Ursprung im Wahlkampf 2025. Der US-Präsident, gerade ins Amt gekommen, drohte immer wieder, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA zu machen.

Carney punktet als Anti-Trump

Carney, der eigentlich abgeschlagen hinter seinem konservativen Herausforderer lag, legte eine Aufholjagd hin, die ihn am Ende ins Amt beförderte. Fundament seiner Kampagne war dabei die Bedrohung kanadischer Souveränität durch den US‑Präsidenten. Sein Motto damals wie heute: „Canada strong“.

Diese Haltung zieht sich durch seine gesamte Amtszeit. So erteilte er Trump im Mai 2025 vor laufenden Kameras im Weißen Haus eine Absage für dessen Annexionsfantasien. „Kanada steht nicht zum Verkauf und wird es auch niemals sein“, sagte er damals.

Doch endgültig zum Anti-Trump wurde er im Januar 2026. In seiner vielbeachteten Rede während des Weltwirtschaftsforums in Davos warnte er vor dem Bruch der Weltordnung, vor aggressiven Hegemonen und forderte die Mittelmächte auf, sich zusammenzuschließen. Es wirkte wie eine Kampfansage an den US-Präsidenten.

Ein halbes Jahr zuvor hatte sich die Europäische Union den Vorwurf eingehandelt, vor Trump zu kuschen – und einen für die EU unvorteilhaften Handelsdeal geschlossen zu haben. Carney hingegen wurde zu einer Art inoffiziellem Anführer der Mittelmächte, der sich erfolgreich gegen die Attacken aus Washington wehrt.

Carney scheint von Beginn an etwas Grundsätzliches verstanden zu haben. Die meisten der abstrusen Dinge, die Trump sagt oder fordert, werden am Ende ohnehin nicht umgesetzt: Kanada wird niemals der 51. US-Bundesstaat werden, egal wie oft der US-Präsident damit kokettiert.

Zudem weiß Carney, dass man auf Trumps Druck am besten mit Gegendruck reagiert. Das scheint befreiend auf den 61-Jährigen zu wirken. Er vertritt die Interessen seines Landes klar und offen, setzt aber dabei auf multilaterale Abkommen und Kooperation – zwei Dinge, von denen der US-Präsident nichts wissen will.

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