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Zucker im Weltall entdeckt: So könnte er den Ursprung des Lebens erklären

Wissenschaft

Fund gibt wichtigen Hinweis Forscher entdecken erstmals Zucker im Weltall Von t-online, lhe 14.07.2026 - 14:57 UhrLesedauer: 3 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Im Zentrum der Milchstraße haben Wissenschaftler ein ungewöhnliches Molekül entdeckt. Es könnte ein entscheidender Baustein für die Entstehung von Leben sein. Wissenschaftler haben erstmals echten Zucker im interstellaren Raum nachgewiesen – eine Entdeckung, die für die Erforschung des Lebensursprungs von großer Bedeutung ist. Bei dem Molekül handelt es sich um Erythrulose, einen vierkohlenstoffhaltigen Zucker. Entdeckt wurde er in einer Molekülwolke im Zentrum unserer Galaxie. Das Team um Izaskun Jiménez-Serra vom Centro de Astrobiología (CSIC-INTA) in Spanien veröffentlichte die Ergebnisse im Fachjournal "Nature Astronomy". Für den Nachweis nutzten die Forschenden zwei Radioteleskope: das Yebes-40-m-Teleskop in Guadalajara und das IRAM-30-m-Teleskop auf dem Pico Veleta in der Sierra Nevada. Sie richteten ihre Instrumente auf zwei Molekülwolken, die sich rund 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt im galaktischen Zentrum befinden. Was ist Erythrulose? Erythrulose ist ein natürlich vorkommender Einfachzucker, der mit Aminosäuren in der obersten Hautschicht reagiert und dadurch eine bräunliche Färbung erzeugt. Sie kommt in geringen Mengen in einigen Früchten und Pflanzen vor und wird als Wirkstoff in Selbstbräunungsprodukten eingesetzt. Erythrulose ist mit 14 Atomen das größte bisher im interstellaren Raum identifizierte nicht-zyklische Molekül. Es ist zudem das erste Molekül mit vier Sauerstoffatomen, das dort nachgewiesen wurde – und nach einem einzigen früheren Fund das zweite chirale Molekül überhaupt, das im interstellaren Raum beobachtet worden ist. Chirale Moleküle existieren in zwei spiegelbildlichen Formen, was für die Entstehung des Lebens eine entscheidende Rolle spielt. Wie entsteht Zucker im Weltall? Den Modellen der Wissenschaftler zufolge bildet sich Erythrulose auf der Oberfläche interstellarer Staubkörner. Ausgangsstoffe sind zwei einfachere Zuckermoleküle, die beide in der untersuchten Wolke in hoher Konzentration vorhanden sind. Durch chemische Reaktionen unter Beteiligung von Wasserstoffatomen entstehen zunächst reaktive Zwischenstufen, sogenannte Radikale, die sich schließlich zu Erythrulose verbinden. Quantenchemische Berechnungen und astrochemische Simulationen bestätigen, dass dieser Prozess unter den extremen Bedingungen des interstellaren Raums effizient ablaufen kann. Bemerkenswert ist dabei, dass Erythrulose mindestens achtmal häufiger vorkommt als verwandte und kleinere Zuckerarten. Im interstellaren Raum gilt grundsätzlich: Kleine Moleküle kommen häufig vor, große Moleküle selten. Erythrulose ist ein relativ großes Zuckermolekül mit vier Kohlenstoffatomen. Es gibt aber auch kleinere Zuckermoleküle mit nur drei Kohlenstoffatomen – also sozusagen die einfacheren "kleinen Geschwister" von Erythrulose. Nach dem üblichen Muster müssten diese kleinen Geschwister viel häufiger vorkommen als Erythrulose. Aber das Gegenteil ist der Fall: Die kleinen Zucker wurden gar nicht gefunden, Erythrulose dagegen schon – und das in beachtlicher Menge. Woraus besteht Zucker? Alle Zucker bestehen aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. Sie unterscheiden sich aber in der Anordnung und Kombination ihrer Atome. Erythrulose ist ein Einfachzucker und besteht aus 4 Kohlenstoffatomen, 8 Wasserstoffatomen und 4 Sauerstoffatomen. Zucker aus dem All als Lebensbaustein Die Entdeckung hat weitreichende Implikationen für die Frage nach dem Ursprung des Lebens. Erythrulose kann in wässriger Umgebung leicht in andere Zucker umgewandelt werden. Diese wiederum sind Vorstufen von Ribose, dem Zucker, der in der RNA steckt. Bisher mussten Forscher in Experimenten zur Entstehung des Lebens solche Zucker als externe Ausgangsstoffe hinzufügen, weil ihre Bildung unter frühen Erdbedingungen als zu ineffizient galt. Zucker wie Ribose und Glukose wurden bereits in Meteoriten und auf dem Asteroiden Bennu gefunden. Die neue Entdeckung legt nahe, dass diese Verbindungen ihren Ursprung im interstellaren Raum haben könnten – noch bevor sich Planetensysteme bildeten. Die Wissenschaftler schätzen, dass allein durch das sogenannte späte schwere Bombardement – eine astronomische Phase vor etwa 3,8 bis 4,1 Milliarden Jahren mit zahlreichen Asteroideneinschlägen – zwischen 500 Millionen und 50 Milliarden Kilogramm Erythrulose auf die frühe Erde gelangt sein könnten. Die Entdeckung stützt damit die Hypothese, dass das Leben auf der Erde zumindest teilweise auf organisches Material zurückgeht, das aus dem Weltall stammte – und möglicherweise nicht nur auf der Erde, sondern auch anderswo im Universum.

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