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Zuckersteuer soll kommen: Welche Getränke künftig teurer werden

Nation

Stand: 14.10.2026 21:26 Uhr

Die Bundesregierung hat sich auf die Einführung einer Zuckersteuer ab Sommer 2027 geeinigt. So sollen die Krankenkassen entlastet werden. Verbraucher müssen sich auf höhere Kosten einstellen. Die Reaktionen fallen gemischt aus.

Zum 1. Juli 2027 könnte die neue Zuckersteuer in Kraft treten. Darauf haben sich die Regierungsfraktionen von Union und SPD geeinigt und am Mittwoch einen entsprechenden Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht. Das Finanzministerium erhofft sich dadurch nach eigenen Angaben Mehreinnahmen von 690 Millionen Euro im kommenden Jahr. In den Folgejahren sollen rund 900 Millionen Euro durch die Steuer eingenommen werden. Die Zuckersteuer solle nur verwendet werden, um "die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung stabil zu halten", so das Ministerium.

Was ist von der Zuckersteuer betroffen?

Der Gesetzesentwurf sieht vor, abhängig vom Zuckergehalt Steuern auf zuckergesüßte Getränke einzuführen:

26 Cent pro Liter auf Getränke mit mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter

32 Cent pro Liter auf Getränke mit mehr als acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter

Davon betroffen sind unter anderem Cola, Limonaden, Eistees, Energydrinks, Fruchtnektar oder Fruchtsaftgetränke mit Zuckerzusatz. Ausgenommen sind den Angaben zufolge Getränke mit Alkohol, alkoholfreie Biere und Weine, Pflanzendrinks, reine Frucht- oder Gemüsesäfte sowie Getränke, die mit Süßungsmitteln gesüßt sind.

Welche Getränkehersteller sind von der Steuer ausgenommen?

Nicht alle Unternehmen sollen von der Zuckersteuer betroffen sein. Laut Gesetzesentwurf könnten Hersteller, die weniger als eine Million Liter pro Jahr produzieren, von der Steuer ausgenommen werden. Details dazu stehen aber noch nicht fest. Die Bundesregierung will mit der Zuckersteuer auch erreichen, dass Unternehmen den Zuckergehalt in ihren Getränken reduzieren und gesündere Produkte herstellen.

"Erkrankungen verhindern": Gesundheitsminister begrüßt Pläne

Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) hält die geplante Zuckersteuer für ein "sehr effektives gesundheitspolitisches Instrument". Er habe eine solche Steuer schon lange gefordert und begrüße insbesondere, dass Limonaden, Energydrinks und Sirups nun teurer würden, sagte Philippi am Mittwoch. Gerade Kinder und Jugendliche haben ihm zufolge "kein Gefühl", wie viel Zucker sie tatsächlich konsumieren. Ein zu hoher Zuckerkonsum führe jedoch zu Krankheiten wie Diabetes oder Adipositas. Eine Zuckersteuer könne "viele Erkrankungen verhindern" und sowohl den Zuckerkonsum als auch die Kosten für das Gesundheitssystem senken, so Philippi.

Ernährungsexpertin: Verbraucher müssen Konsum hinterfragen

Wenn zuckerreiche Getränke aufgrund der Steuer teurer werden, schaffe das Anreize für Verbraucher, sich über ihr Konsumverhalten Gedanken zu machen, sagt Ernährungsexpertin Dorothee Straka von der Hochschule Osnabrück. Das könne zunächst dazu führen, dass weniger gezuckerte Getränke gekauft werden. Straka bewertet eine mögliche Zuckersteuer als "durchaus gutes politisches Instrument zur Entscheidungslenkung", da die Steuer "negative Reize" schaffe. Das gelte sowohl für Konsumenten als auch für Hersteller. Letztere würden motiviert, ihre Rezepturen zu ändern und weniger Zucker zu verwenden, so Straka.

Coca-Cola: Zuckersteuer "nicht das richtige Instrument"

Sollte das Parlament die Zuckersteuer beschließen, fordert Getränkehersteller Coca-Cola eine "praxistaugliche Ausgestaltung". Eine derartige Steuer benötige mindestens ein Jahr Vorbereitungszeit und ein einfaches Erhebungsmodell, teilte das Unternehmen auf NDR Anfrage mit. Nur so könnten "unnötige Bürokratie, Rechtsunsicherheit und unbeabsichtigte Belastungen" begrenzt werden. Insgesamt hält Coca-Cola eine Zuckersteuer "nicht für das richtige Instrument". Die Steuer belaste Verbraucher und Unternehmen, "ohne eine Lenkungswirkung sicherzustellen", heißt es.

Verband sorgt sich um Hotels und Gastronomiebetriebe

Der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband (DEHOGA) Niedersachsen steht einer Zuckersteuer ebenfalls kritisch gegenüber. In einem Statement an den NDR Niedersachsen erklärt der Verband, er sehe "Unheil auf die gastgewerblichen Betriebe zukommen". Grund dafür sei die befürchtete Kostenentwicklung. Angesichts der derzeitigen Lage vieler Betriebe, die mit sinkendem Konsum bei steigenden Kosten zu kämpfen hätten, werde eine Zuckersteuer "weitere Herausforderungen verursachen", so der Verband. Er kritisiert auch, dass die Bundesregierung "ohne Not" regulierend in den Markt eingreife, obwohl die Lebensmittelwirtschaft den Zuckergehalt vieler Erfrischungsgetränke "seit 2018 um rund 15 Prozent reduziert" habe.

Auswirkungen auf norddeutsche Zuckerwirtschaft unklar

Wie sich eine mögliche Steuer auf die Nachfrage nach Zucker und damit auf die regionale Zuckerwirtschaft auswirken könnte, ist noch nicht abzusehen. In Norddeutschland gibt es viele Landwirte, die Zuckerrüben für mehrere Zuckerunternehmen in anbauen. Nach Angaben der Zuckerfabrik Anklam (Landkreis Vorpommern-Greifswald) in Mecklenburg-Vorpommern wurden in der laufenden Rübenkampagne allein im September rund 200.000 Tonnen Zuckerrüben verarbeitet. Mehr als 300 Landwirtschaftsbetriebe seien beteiligt. Die Fabrik verarbeitet die Rüben zu Haushaltszucker, stellt aber auch Bioethanol für die Industrie, Biomethan, Futtermittel und Dünger her.

Wie wirkt die Zuckersteuer in anderen Ländern?

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