Zustand nach gescheiterter Hinrichtung in Tennessee
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Christa Pike kann nach ihrer gescheiterten Hinrichtung wieder gehen – doch ihre Verletzungen sind schwer
Von: Julia Hanigk
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Christa Pike überlebte ihre Hinrichtung in Tennessee. Ihr Anwalt berichtet von schweren Verletzungen – nur kann sie wieder gehen.
Tennessee – Gut eine Woche nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch im US-Bundesstaat Tennessee kann Christa Pike nach Angaben ihres Anwalts wieder kurze Strecken gehen. Die 50-Jährige habe sich erstmals in ihrem Krankenhauszimmer bewegt, sagte Stephen Ferrell im Interview mit BBC Radio 4. Ihre Arme seien jedoch weiterhin schwer verletzt und kaum einsetzbar. Auch geistig sei Pike noch benommen: Sie verliere leicht den Faden und vergesse, was sie sagen wolle.
Ferrell schränkte gegenüber der BBC ein, dass er noch nicht selbst mit seiner Mandantin gesprochen habe. Seine Angaben beruhten auf Informationen, die ihm über ihren Zustand übermittelt worden seien. Er rechne mit weiteren Fortschritten, könne bleibende Schäden aber nicht ausschließen. Das Anwaltsteam bemühe sich zudem um psychologische Unterstützung für Pike.
Christa Pike überlebt zwei Dosen des Hinrichtungsmittels
Am 30. September hatte Tennessee versucht, Pike mit dem Barbiturat Pentobarbital hinzurichten. Sie erhielt zwei Dosen, wie es das Hinrichtungsprotokoll vorsah. Dennoch starb sie nicht und wurde bewusstlos in ein Krankenhaus gebracht.
Bereits am 6. Oktober teilten Pikes Verteidiger mit, ihre Mandantin sei wieder bei Bewusstsein und spreche. In der vom Death Penalty Information Center im Wortlaut wiedergegebenen Erklärung des Anwaltsteams heißt es, Pike benötige weiterhin medizinische Versorgung. Trotz der schweren Verletzungen an ihren Armen sei sie ans Krankenhausbett gefesselt. Die Prognose bleibe unklar; mindestens sei mit einer langen Genesung zu rechnen. Die Verteidiger forderten Gouverneur Bill Lee erneut auf, die Todesstrafe in lebenslange Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung umzuwandeln.
Gericht lässt Beweismittel sichern – UN-Fachleute hatten gewarnt
Parallel beginnt die juristische Aufarbeitung. Laut dpa ordnete ein Gericht in Tennessee am Mittwoch, dem 7. Oktober, an, sämtliche Beweismittel zum Hinrichtungsversuch zu sichern. Dazu gehören Infusionsleitungen, Spritzen und medizinische Unterlagen. Ob der Bundesstaat einen weiteren Hinrichtungstermin anstreben wird, ist offen. Der republikanische Gouverneur Lee setzte laut dpa weitere Hinrichtungen bis zum Jahresende aus und ordnete eine unabhängige Untersuchung an.
Schon vor dem Hinrichtungsversuch hatten unabhängige Menschenrechtsfachleute der Vereinten Nationen vor schweren körperlichen und psychischen Leiden gewarnt. In ihrer am 7. September vom UN-Menschenrechtsbüro veröffentlichten Erklärung forderten sie, Pikes Hinrichtung zu stoppen und ihre Strafe umzuwandeln. Sie äußerten unter anderem Bedenken zur Giftspritze und zu den Folgen jahrzehntelanger Isolation.
Pike wurde nach Angaben der UN-Fachleute 1996 wegen eines Mordes zum Tode verurteilt, den sie mit 18 Jahren begangen hatte. Das Opfer war Colleen Slemmer. Die UN-Fachleute betonten ausdrücklich die Schwere der Tat und das anhaltende Leid der Angehörigen. Zugleich müsse auch die Durchsetzung einer Strafe mit den internationalen Menschenrechten vereinbar sein.