Zverev rettet Titeltraum bei US Open: Zittersieg weit nach Mitternacht
Stand: 02.09.2026 09:39 Uhr
Erstmals startet Alexander Zverev als Nummer eins der Setzliste in ein Grand-Slam-Turnier. Doch bei den US Open wurde der Auftakt fast zur großen Schmach. Gegen den italienischen Außenseiter Lorenzo Sonego musste er über fünf Sätze gehen, am Ende hieß es 6:4, 3:6, 6:7 (7:9), 7:5, 6:4.
Zverev pustete einmal ganz kräftig durch, dann holte er sich tief in der New Yorker Nacht erlöst den Beifall der verbliebenen Fans im Arthur Ashe Stadium ab: Der French-Open-Sieger hat bei seinem Auftakt in die US Open einen emotionalen Fünfsatz-Thriller überstanden und sich in die zweite Runde gezittert. Der Hamburger rang den groß aufspielenden Lorenzo Sonego nieder, der lange an einer Sensation geschnuppert hatte - dem Weltranglisten-89. aus Italien fehlten zeitweise nur zwei Punktgewinne zum Sieg.
"Ich bin einfach nur happy, dass ich durch bin." Alexander Zverev
Zverev, der erstmals als höchstgesetzter Spieler in ein Grand-Slam-Turnier startete, rettete gerade so den siebten Sieg im siebten Spiel gegen Sonego ins Ziel. Um 1.55 Uhr Ortszeit und nach höchst intensiven 4:52 Stunden verwandelte er seinen ersten Matchball - die Mission zweiter Major-Titel ist trotz ungewohnter Schwächen beim Aufschlag und einer mauen Breakball-Quote im Gange. "Er hat fantastisch gespielt, ich bin einfach nur happy, dass ich durch bin", sagte Zverev, nachdem er seinem tapferen Gegner am Netz um den Hals gefallen war: "Das war eine unglaubliche Schlacht."
Es sei ein Match gewesen, "das er gebraucht habe. Ich hoffe, dass ich jetzt weiter mein Level steigern kann nach diesem Spiel", sagte der Hamburger, der das erste Erstrunden-Aus in New York seit 2015 gerade so abgewendet hatte und seinem tapferen Kontrahenten schließlich am Netz um den Hals gefallen war. Zverev ergänzte: "Es ist auf jeden Fall Luft nach oben. Ich habe mehr Rückhände verschlagen als sonst."
In Runde zwei gegen Franzosen Halys
Am Donnerstag wartet auf Zverev nun ein Wiedersehen mit dem Franzosen Quentin Halys, den er bei seinem Titel-Lauf in Paris in vier Sätzen bezwungen hatte. Er wird sich dort steigern müssen, um ein weiteres kräftezehrendes Match zu vermeiden. "So eine Setzliste zeigt, dass du gut gespielt hast, aber das Wichtigste ist, welcher Name nach dem Finale oben steht", hatte Zverev vor Beginn gesagt. Die verletzungsbedingte Absage von Jannik Sinner hatte den Weltranglistenzweiten erst in die Spitzenposition katapultiert.
Zverev mit gutem Beginn gegen Sonego
Und zu Beginn gegen Sonego wurde er seiner Rolle dann auch noch gerecht: Zverev dominierte die Ballwechsel und marschierte ungefährdet zum Satzgewinn. Lediglich ein spektakulärer Stolperer am Netz sorgte für Sorgenfalten in seiner Box, doch er stand schnell wieder auf. Anschließend aber wurde Zverevs Spiel unrund. Seine Aufschlagquote brach ein, auch mit der Vorhand schien sich der Hamburger nicht wohlzufühlen und letztlich nutzte Sonego seinen zweiten Breakball.
Verunsicherung nach dem Satzverlust
Zverev, der in Montréal und Cincinnati zuletzt überraschend früh ausgeschieden war, haderte und schimpfte wie in alten, weniger erfolgreichen Zeiten. Der Satzverlust tat dem 29-Jährigen nicht gut. Im Gegenteil: Im dritten Durchgang schenkte er seinem Kontrahenten ein weiteres Break, mit einem unnötig verschlagenen Volley und einem abschließenden Doppelfehler beim Aufschlag. Zverev wirkte verunsichert, die beiden Niederlagen zuletzt schienen nicht spurlos an ihm vorbeigegangen zu sein. Der Finalist von 2020 verschlug nun Ball um Ball - Sonego, auch das gehörte zur Wahrheit dieser Partie, machte derweil kaum Fehler. Dem 31-Jährigen gelangen selbst schwierigste Schläge.
Zverev belohnt sich für den Kraftakt
Zverev fing sich gegen Ende des dritten Satzes, doch der Italiener war zu stark. In einem hochklassigen Tiebreak vergab Zverev erst einen Satzball bei Aufschlag seines Gegners, dann produzierte er zur Unzeit den nächsten Doppelfehler. Sonego jubelte, Zverev grübelte. Im vierten Satz blieb die Partie hochklassig. Sonego spielte weiter überragend in der Defensive, doch Zverev biss sich durch und erzwang den entscheidenden Durchgang, der erst nach 1 Uhr Ortszeit überhaupt begann. Dort hatte der Deutsche den längeren Atem und belohnte sich für den Kraftakt.