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Zwillinge in Latrine bestattet - Archäologen rekonstruieren schauerlichen Fund

Wissenschaft

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Ein für heutige Verhältnisse äußerst ungewöhnliches Grab erschreckt und fasziniert zugleich. Archäologische Funde im antiken Ephesos in der heutigen Türkei zeigen Wissenschaftlern zufolge eine bedeutende Veränderung im Umgang mit toten Kindern.

Die Bestattung von wahrscheinlich Zwillingen im 8. oder 9. Jahrhundert nach Christus in einem Abwasserkanal verdeutliche den Wandel zwischen römischer und christlich-byzantinischer Zeit, erklärte die Österreichische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Wien.

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Das Grab befand sich den Angaben zufolge in einem stillgelegten Abwasserkanal einer römischen Latrine im Odeion des ehemaligen Artemisions, dem Tempelbezirk der Göttin Artemis. Überraschend sei, dass die Art und Weise der christlichen Bestattung Ausdruck einer ansonsten ungewöhnlichen Fürsorge gegenüber den Säuglingen sei.

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Die Gräber sehr junger Kinder befanden sich häufig an Orten „ohne ursprüngliche Bestattungsfunktion, etwa unter Hausböden oder in Brunnen“, erklärte Caroline Partiot, Studienautorin und Anthropologin am Bioarchaeology Lab des Österreichischen Archäologischen Instituts der Akademie.

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Das aus Ziegeln und Steinen errichtete Kistengrab war demnach bereits 2010 bei Grabungen entdeckt worden. Nun sei festgestellt worden, dass die Kinder erst im 8. oder 9. Jahrhundert bestattet worden seien, mehrere Jahrhunderte nach der Aufgabe des römischen Gebäudes. Damit liefere der Fund auch Hinweise auf die weitere Nutzung des verlassenen Heiligtumsareals in byzantinischer Zeit.

Besonderer Status von Neugeborenen

Die Bestattung mache „zugleich den besonderen Status von Neugeborenen sichtbar, deren Leben in vergangenen Gesellschaften besonders fragil und ständig bedroht war“, hieß es. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden nach Akademieangaben im Fachjournal „Childhood in the Past“ veröffentlicht. Ephesos steht auf der Liste des Unesco-Welterbes.

Analysen zufolge starben beide Kinder nach etwa 33 bis 34 Schwangerschaftswochen. Die nahezu gleiche Körpergröße und die gemeinsame Bestattung sprechen den Forschern zufolge für eine Zwillingsgeburt.

KNA/rc

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